Spritpreise

17. August 2018 05:43; Akt: 17.08.2018 05:43 Print

Kostet ein Liter Benzin bald 2 Franken?

von V. Blank - Politische Grosskämpfe und der heisse Sommer sorgen für hohe Preise an den Zapfsäulen. Wird das Benzin bald noch teurer?

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Tanken tut den Schweizer Autofahrern derzeit weh. Kostete ein Liter Bleifrei 95 im August vor einem Jahr im Mittel noch unter 1.50 Franken, waren es am Donnerstagmorgen an der Uetlibergstrasse in Zürich 1.71 Franken. Der höchste Preis, den die Migrol am Donnerstag verlangte, lag bei 1.72 Franken – in den Regionen Zürich, Winterthur und am Genfersee. An einer Tankstelle beim Sihlcity in Zürich zeigte die Anzeigetafel am Mittag gar 1.79 Franken an.

Der Preissprung innerhalb eines Jahres ist enorm – viele dürften sich darum fragen: Wird der Most bald noch teurer? 20 Minuten liefert die wichtigsten Antworten rund um den Benzinpreis.

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Warum kostet der Liter Benzin im Moment so viel?
Der wichtigste Faktor, der den Preis an den Zapfsäulen beinflusst, ist der Ölmarkt. Und dort geht es seit Monaten turbulent zu und her. Der Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent ist innerhalb eines Jahres um etwa 40 Prozent gestiegen. Zuletzt bewegte sich der Ölpreis zwischen 70 und 80 US-Dollar – laut der Zürcher Kantonalbank (ZKB) wird sich der Preis in den nächsten Monaten eher ans obere Ende dieser Spanne bewegen. «Unser Dreimonatsziel sind 80 Dollar», sagt Rohstoffexperte Elias Hafner.

Was heisst das jetzt für den Benzinpreis in der Schweiz?
Derzeit herrschen viele geopolitische Risiken. Wenn die Situation weiter eskaliert, könnte der Rohölpreis auf 90 US-Dollar steigen, so Rohstoffexperte Norbert Rücker von Julius Bär zu 20 Minuten – «und auch Preise von 1.80 Franken pro Liter an Schweizer Tankstellen wären denkbar». Vor der Finanzkrise im Jahr 2008 kostete ein Liter Benzin in der Schweiz zeitweise knapp über 2 Franken. Wird es bald wieder dazu kommen? «Ausschliessen kann man nie etwas», sagt Migrol-Chef Daniel Hofer. Tendenziell glaube er an eine Preisverschiebung nach oben. Den Grund sieht er in der stetig wachsenden Nachfrage nach Treibstoff, vor allem aus Schwellenländern wie China oder Indien.

Was ist derzeit der grösste Angsttreiber am Ölmarkt?
Das grosse Thema sind die Sanktionen, die die US-Regierung dem Iran androht. Die USA drängen darauf, den Import von Öl aus dem Iran weltweit zu stoppen. Der Iran ist eines der wichtigsten Ölförderländer der Welt. «Wenn es die USA schaffen, den Iran vom Markt abzuschneiden, käme es zu einer merklichen Verknappung des Angebots – und als Konsequenz zu steigenden Preisen», sagt Rohstoffexperte Rücker.

Wie wahrscheinlich ist dieses Szenario?
Grundsätzlich gehe er nicht davon aus, dass die USA mit ihren Drohungen Erfolg haben werden und bald alle Länder auf den Kauf von Öl aus dem Iran verzichten, so Rücker. Vor allem China – ein grosser Importeur von iranischem Öl – habe wegen des Handelsstreits mit den USA wohl kein Interesse, den Boykott-Forderungen zu folgen. Eine Zukunftsprognose bleibe jedoch schwierig.

Welchen Einfluss hat der Hitzesommer 2018?
Neben dem Rohölpreis spielen auch die Frachtkosten eine Rolle beim Benzinpreis. Etwa die Hälfte der Treibstoffe für den Strassenverkehr werden per Schiff über den Rhein in die Schweiz importiert. Und dieser führt wegen der fehlenden Niederschläge viel weniger Wasser als sonst, die Schiffe können weniger laden als üblich. Darum sind die Frachtkosten in die Höhe geschnellt: von durchschnittlich 20 Franken pro Tonne auf 74 Franken, wie die Erdöl-Vereinigung auf Anfrage informiert. «Die aktuellen Frachtkosten dürften im Vergleich zur ersten Jahreshälfte an der Zapfsäule für eine Preissteigerung im mittleren einstelligen Rappenbereich sorgen», sagt David Suchet, Sprecher der Erdöl-Vereinigung.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter M am 17.08.2018 06:26 Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke

    Ist es der hohe Erdölpreis? NEIN. Dieser lag vor 5 Jahren schon weit über 100 Dollar (ca. 115 pro Fass). Seit der Erölpreiszerfall werden wir über den Tisch gezogen. Der Preis hätte viel mehr sinken müssen. Aber man hat uns den Kostenvorteil nur zu einem geringen Teil weitergegeben. Der Spritpreis hätte theoretisch um die 1.20 liegen sollen. Er pendelte sich jedoch bei 1.50 ein. Nun stiegt der Rohölpreis auf 80 Dollar und wir haben wieder Preise wie schon damals als das Fass 115 Dollar kostete. Sicher geht der Preis über 2 CHF, aber das ist künstlich vom Kartell. Aber die Weko schaut gern zu.

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  • Spritter am 17.08.2018 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zufall?

    Interessant, dass die Spritpreise im benachbarten Ausland keineswegs im selben Mass gestiegen sind. Im Gegenteil, der Sprit wurde dort z.T. sogar günstiger. Und das trotz Ferienzeit!

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  • Dininik am 17.08.2018 06:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Benzin

    Differenzen pro Liter von 14 Rappen zeigt das wir abgezockt werden

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin am 20.08.2018 12:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mir egal

    Heizoel ist auch Diesel. mein Diesel läuft super mit dem.

  • die Ritterin am 20.08.2018 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    für Privat viel zu billig

    Bitte 5.- pro Liter für Privatverbraucher. Dafür soll Sprit für Handwerker, Transporteure usw subventioniert werden.

  • Inkgonito Spastiko am 20.08.2018 08:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wers gkaubt

    Alles reine abzocke ;)

  • Quax am 20.08.2018 07:04 Report Diesen Beitrag melden

    Genug mit Solidarität

    Gut wenn man im Rheintal wohnt, dort ist ein Tank voll Diesel rund 20 CHF günstiger... wenn man 5 Min. investiert um über die Grenze zu fahren....

  • DiDago am 19.08.2018 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    Geht doch alle für

    einen oder 2 Tage nicht tanken. Mal schauen ob sich der Preis wegen mangelder Nachfrage senkt....?