Digitales Geld

06. August 2017 10:06; Akt: 06.08.2017 10:53 Print

Wird Bitcoin die neue Weltreservewährung?

Ein Experte schreibt der Kryptowährung viel Potenzial zu. Nur wenige andere digitale Währungen dürften in zehn Jahren noch existieren.

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Eine von hunderten weiteren Kryptowährungen: Die physische Version der Bitcoins. (Archivbild) So kann man sie sich vorstellen, doch gehandelt wird nur virtuell: Bitcoins, aufgenommen bei Bitcoin Suisse AG. (24. Mai 2016). Antwort auf die internationale Finanzkrise: Die virtuelle Währung Bitcoin ist im Jahr 2009 erfunden worden. «Wo ist unser Geld?»: Ein Demonstrant vor dem Mt.-Gox-Hauptsitz in Tokio. Zwei Wochen nachdem der Handel mit der Internetwährung Bitcoin auf der Plattform ausgesetzt wurde, ist die Seite im Netz verschwunden. Die Besitzer sind ihr virtuelles Geld offenbar los. Bitcoin-Mining: Bitcoins werden durch sogenannte Miner geschaffen. Diese lassen Algorithmen auf Hochleistungscomputern laufen, um neue kryptografische Schlüssel zu entdecken. Das Bitcoin-System ist auf total 21 Millionen mögliche Schlüssel limitiert. Erster Automat: Ein Kunde benutzt den weltweit ersten Bitcoin-Automaten in Vancouver. Neuer Automat: Ein Liberty-Teller-Mitarbeiter hilft einem Kunden, Bitcoins an dem neu installierten Automaten in Boston, Massachusetts, zu kaufen. Virtuelle Währung zum Anfassen: Mit einer «Papiergeldbörse» können Bitcoins offline aufbewahrt werden. Bare Münze: Eine von Mike Caldwell kreierte Bitcoin-Münze. Cyber-Kriminelle infizierten Tausende Computer mit einem Virus, um Bitcoins und andere digitale Währungen zu stehlen. (17. September 2013) Akzeptiert Bitcoins als Zahlungsmittel: Das Restaurant Sake Zone in San Francisco. (9. Oktober 2013) Auch hier werden Bitcoins akzeptiert: Die Cups and Cakes Bakery in San Francisco. (9. Oktober 2013) Bitcoin-Hauptstadt Berlin: Viele Geschäfte und Bars akzeptieren die digitale Währung Bitcoin. Revolutioniert den Interneteinkauf: Ebay Grossbritannien erlaubt den Handel mit Bitcoins. «Antwort auf die steigende weltweite Popularität»: Zynga akzeptiert Bitcoins für mehrere Internetspiele. (6. Januar 2014) LED-Anzeige: Das D Las Vegas in Nevada akzeptiert neuerdings auch Bitcoins. (22. Januar 2014)

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«Eine digitale Währung wird früher oder später eine nationale Währung als Weltreservewährung ablösen», ist Max Tertinegg, Geschäftsführer und Mitbegründer des österreichischen Bitcoin-Dienstleisters Coinfinity, überzeugt: «In fünf bis zehn Jahren wird eine Weltreservewährung auf Blockchain- bzw. Kryptowährungsbasis entstehen.»

«Ich gehe mit einer mehr als 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit davon aus, dass es Bitcoin sein wird, es kann aber auch eine andere Kryptowährung sein. Es gibt nämlich neben Bitcoin noch hunderte andere Kryptowährungen», sagt Tertinegg im Gespräch mit der Nachrichtenagentur APA.

«Bis auf eine Handvoll davon – maximal 10 bis 15 Währungen – sind das aber Eintagsfliegen ohne Relevanz. 99 Prozent der digitalen Währungen, die wir jetzt sehen, werden in zehn Jahren wahrscheinlich nicht mehr existieren.» Es sei also zwar richtig, dass die Gesamtmenge der verschiedenen digitalen Währungseinheiten inflationierbar sei, «aber wenn sie nicht im alltäglichen Wirtschaftsleben im Einsatz sind, ist das eigentlich irrelevant».

Spaltung von Bitcoin

Der jüngste Neuzugang in der Fauna der Kryptowährungen ist erst wenige Tage alt: Am 1. August ist aus Bitcoin (BTC) durch eine Abspaltung («Fork») Bitcoin Cash (BCH) entstanden – quasi ein kleiner Bruder, der sich mit Bitcoin den Grossteil der DNA teilt. Die Spaltung habe sich bereits seit vielen Monaten abgezeichnet, erklärt Tertinegg, denn Bitcoin habe von Anfang an einen Schwachpunkt gehabt. «Bitcoin ist in der ursprünglichen Variante technisch nicht darauf ausgelegt, viele Transaktionen abwickeln zu können.»

Jede Transaktion habe eine bestimmte Datengrösse, und alle zehn Minuten werde nur ein Block mit einer Datengrösse von einem Megabyte erzeugt. Fast zwei Jahre lang sei in der Bitcoin-Community darüber gestritten worden, ob man diese willkürlich festgelegte Blockgrösse ändern sollte – bis sich schliesslich eine kleine Gruppe von Entwicklern zu der Abspaltung entschlossen und eine neue Kryptowährung mit einer Blockgrösse von 8 MB geschaffen habe. «Die haben dann eine eigene Software geschrieben, die nicht mehr kompatibel ist mit der Bitcoin-Software.»

Allerdings werden die beiden Kryptowährungen für immer miteinander verbunden bleiben, weil die Blockchain – also die Datenbank, in der alle bisherigen Transaktionen verschlüsselt aufgezeichnet sind – bis zur Abspaltung am 1. August bei beiden Kryptowährungen gleich ist. Derzeit ist diese Blockchain knapp 150 Gigabyte gross.

Zusätzlich noch Bitcoin Cash

«Es war so, dass jeder, der bis zum 1. August Bitcoins gehalten hat, wie durch Zauberhand auch den gleichen Betrag an Bitcoin Cash hat. Wenn Sie 10 Bitcoins vor dem 1. August hatten, dann haben Sie jetzt zusätzlich auch 10 Bitcoin Cash.»

Allerdings sind die Bitcoin-Besitzer dadurch nicht plötzlich reicher geworden, weil der Wert von Bitcoin durch die Verdoppelung der Einheiten gesunken ist. Er hat sich jedoch nicht halbiert, sondern verteilt sich nun ungleich auf die beiden Währungen. Ein Bitcoin war vor dem Split ungefähr 2500 Euro wert, derzeit bekommt man für ein Bitcoin rund 2400 Euro und ein Bitcoin Cash ist rund 240 Euro wert.

Starker Stromverbrauch beim Bitcoin-Mining

Der Anreiz für die «Miners», mit enormer Computer-Rechenleistung und entsprechend hohem Energieverbrauch neue Einheiten von Bitcoin Cash zu erzeugen und Transaktionen zu verifizieren, ist entsprechend gering.

Das weltweite Bitcoin-Mining verbraucht derzeit die Stromproduktion mehrerer Atomkraftwerke - Tendenz stark steigend. Der hohe Energieverbrauch ist einer der Kritikpunkte an Bitcoin, weil etwa in China das Mining sehr intensiv mit Kohlestrom betrieben wird.

Leicht manipulierbar

Auch ist der Bitcoin-Kurs wegen der vergleichsweise geringen Marktkapitalisierung relativ leicht manipulierbar, wer also Bitcoins kauft, geht ein Hochrisiko-Investment ein. Der Gesamtwert aller existierenden Bitcoins beträgt derzeit 44,2 Milliarden Euro, 16,5 Millionen Bitcoins befinden sich in Umlauf.

Allerdings kann es im Bitcoin-System keine Hyperinflation geben, weil die Gesamtmenge an Bitcoins mit 21 Millionen limitiert ist und die Erzeugung weiterer Einheiten immer aufwendiger wird. Schon in den nächsten Jahren werden 98 Prozent aller Bitcoins erzeugt sein, das Limit wird aber erst Mitte des nächsten Jahrhunderts erreicht werden.

Durch Kryptowährungen wie Bitcoin hat sich in den letzten Jahren auch ein Hype um das Thema Blockchain entwickelt. «Jede Branche glaubt, unbedingt Blockchain verwenden zu müssen, um ihre Geschäftsprozesse zu verbessern.»

Nutzer ausspionierbar

Das Besondere daran: Die Blockchain ist eine lückenlose Transaktionsdatenbank, deren Datensätze kryptographisch miteinander verschränkt sind und nachträglich nicht mehr verändert werden können. Eine Manipulation ist ausgeschlossen, weil unzählige Kopien der Blockchain bei den Teilnehmern des Netzwerks liegen und jede Veränderung auffallen würde.

Durch die Tatsache, dass in der Blockchain auch sämtliche Transaktionen gespeichert sind und auch wieder ausgelesen werden können, könnte sie auch zum Ausspionieren der Nutzer missbraucht werden.

(kaf/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alf am 06.08.2017 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Schon mal die Wertschwankung des Bitcoins gesehen?

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  • Speedi am 06.08.2017 11:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    First Inc

    Würde auch meine Eigene Firma in 10 Jahren dort sehen und behaupten das die Konkurrenz keine Chancen hat. lol

  • Andrés Sinaola am 06.08.2017 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stromausfall

    Und schon ist die Währung inexistent. :)))

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Andreas Krebs am 14.08.2017 01:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vor 2 Monaten...

    habe ich einmal 110 CHF eingezahlt. Heute ist der Kurs bei 200 Franken. Krass wie schnell diese Währung ändert.

  • Peterli am 08.08.2017 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Das Wahre

    Die einzigen weltweit akzeptierten Reservewährungen sind Edelmetalle und Edelsteine. Alles andere ist reine Phantasie.

    • AntiTheist am 14.08.2017 14:36 Report Diesen Beitrag melden

      Crypto konkurrenziert Gold

      Selbst die Goldkenner merken, dass Crypto ihnen die Investoren streitig macht - gerade die Jungen. Ich bin in beidem investiert.

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  • Berner Bär am 08.08.2017 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Alles andere als unabhänigiger "Experte"

    Zufällig ist der "Experte" durch seine Geschäftstätigkeit unmittelbar von der "virtuellen Währung" Bitcoin betroffen und wird sie ja aus Eigeninteresse sicher nicht schlechtreden. Sehr seriös, dieser Artikel!

  • Frögli am 07.08.2017 21:07 Report Diesen Beitrag melden

    Wert von Bitcoin

    Es gibt Leute die haben vor 5-6 Jahren "ein Haufen" (sagen wir mal 1000-5000 Bitcoin) gekauft/ge-mined. Die sind ja jetzt theoretisch mega reich, wärend ich noch kein Bitcoin habe. Die Menge an Bitcoin ist ja limitiert d.h. ich bekomme noch Bruchteile von Bitcoin. Frage: Funktioniert das überhaupt? Ich meine, sollte Bill Gates nun seine Mia in Bitcoin umtauschen, dann wäre er ungefähr so reich wie ein Bitcoin-Miner der 1. Stunde ... oder sehe ich das falsch?

    • Spassvogel am 08.08.2017 02:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Frögli

      Tja man rechne um 2008 war 1Bitcoin so um fie 0.001 US $ Und heute? Um die 3300.-- US$ Also selber rechnen macht Spass. Was wären wenn... hätte ich doch nur... ))))

    • Früher Vogel am 08.08.2017 06:42 Report Diesen Beitrag melden

      Spassvogel. 2011 genügt auch.

      kann auch Lachen, nein eher sehr laut gröhlen. Selbst wenn morgen alles zusammenbricht, ich bin auf dem Trockenen.

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  • Mike ZH am 07.08.2017 20:49 Report Diesen Beitrag melden

    Verrechnen von Zeit ohne Spekulation

    Die ehrlichste Währung ist der Zeitaufwand, der benötigt wird um Rohstoffe zu gewinnen, Dinge herzustellen und Dienstleistungen zu erbringen. Damit wäre die Armut in vielen Ländern Vergangenheit und es würden weniger Arbeitsplätze durch Auslagerung bedroht.

    • Realist am 08.08.2017 17:19 Report Diesen Beitrag melden

      Und Umweltschutz?

      Zeit ist nur die halbe Wahrheit. Umweltschutz die andere. Man müsste auch festlegen welche Umweltschutzmassnamen eingehalten werden müssen. Rohstoffpreise hängen sehr stark davon ab. Seltene Erden sind zum Beispiel gar nicht so selten. Sie sind nur mühsam zum Abbauen und es gibt eine riesige Sauerei. Wenn ein paar Chinesen dabei "drauf gehen" ist das "egal" aber Amis? Geht nicht. Da müssten Menschen aus Schwellenländern die gleichen Privilegien haben wie wir. Dann wäre die Idee gut.

    • Supermario am 08.08.2017 17:35 Report Diesen Beitrag melden

      Ich hoffe, Du meinst damit nicht Bitcoin

      Stimmt auf den Punkt; um aber die vielen verschiedenen Vorgänge miteinander messen zu können, braucht es auch eine Skala und die nennt man gemeinhin Währung! Wenn diese Skala aber sekündlich und massiv neu geeicht wird (guck mal auf den Chart von Bitcoin), wird das Wort Massstab ad absurdum geführt :-)

    • wooz am 10.08.2017 21:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Supermario

      Ja jetzt noch. Der Kapitalmarkt von Cryptowährungen ist noch sehr klein. Wird er einmal grösser, werden die Schwankungen kleiner. Ausserdem spielt der Kurs eigentlich nur für Sparer eine Rolle, wenn das Geld ein und Ausgeht Tag ein Tag aus fällt dies kaum ins Gewicht.

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