Salzgehalt

19. August 2019 06:43; Akt: 19.08.2019 06:43 Print

Der Bund will Schweizer Brot noch fader machen

von Raphael Knecht - Zu viel Salz kann ungesund sein – darum will der Bund, dass Brot und andere Produkte weniger davon enthalten. Dabei ist der Wert bereits gesunken.

So viel Salz steckt in unseren Lebensmitteln. (Video: 20M)
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In den vergangenen Jahren haben die Schweizer Detailhändler den Salzgehalt von Produkten wie Brot, Saucen und Suppen gesenkt. Laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit (BLV) enthalten 100 Gramm Brot im Schnitt noch 1,46 Gramm Salz (siehe Box). Doch das reicht dem Bund noch nicht: Er will die Hersteller dazu verpflichten, bei Broten, Suppen und Saucen künftig noch weniger Salz zu verwenden, wie die «Sonntagszeitung» schreibt.

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Der Grund: Schweizer würden im Schnitt fast neun Gramm Salz pro Tag konsumieren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt jedoch maximal fünf Gramm pro Tag. Die WHO rät von hohem Salzkonsum ab, weil das den Blutdruck und damit etwa das Herzinfarkt-Risiko erhöhe. Auch Hirnschläge wurden in der Vergangenheit mit erhöhtem Blutdruck in Verbindung gebracht.

«Genuss wird zur Nebensache»

Dass der Bund den Herstellern vorschreiben will, wie viel Salz im Brot sein darf, kritisiert Beda Stadler, emeritierter Biologie-Professor an der Universität Bern und Kochbuchautor: «Beim Essen wird immer öfter nur noch darauf geachtet, ob es gesund ist. Ob man es geniesst, wird zur Nebensache.» Den Konsumenten würde so die Freude am Essen vergehen. Laut Stadler kann das sogar zu Essstörungen führen, weil man sich dauernd Sorgen um die Gesundheit machen müsse.

Man sollte mehr Selbstbestimmung walten lassen, statt alles was Spass macht verhindern, verbieten oder besteuern zu wollen, findet Stadler: «Ziel sollte ein glückliches Leben sein, nicht dass man gesund isst und dafür am Schluss ein Leben lang depressiv oder traurig ist.»

«Fades Brot ist nicht verhandelbar»

Auch der Verband der Schweizer Bäcker-Confiseure (SBC) findet, die Unternehmer sollen selbst über den Salzgehalt ihres Brots entscheiden. «Für die Bäckerschaft ist fades und geschmackloses Brot nicht verhandelbar», sagt Daniel Jakob von der Fachstelle Qualitätssicherung beim SBC. Der Verband empfiehlt einen Salzgehalt von 1,8 bis 2 Prozent auf das Mehl gerechnet.

Über die Verträglichkeit des Salzkonsums ist man sich derweil nicht ganz einig. Die WHO empfiehlt maximal 5 Gramm pro Tag, eine kanadische Studie mit 100'000 Teilnehmern kommt zum Schluss, dass bis zu 12 Gramm Salz pro Tag unbedenklich sind. Zwar erhöhe es den Blutdruck, bei den Probanden sorgte ein höherer Salzkonsum jedoch für ein geringeres Herzinfarktrisiko und ein geringeres Risiko, frühzeitig zu sterben.

BLV hält an 5-Gramm-Empfehlung fest

Trotz der Studie hält das BLV an seinen Empfehlungen für den Salzkonsum fest. Die kanadischen Forscher hätten eine mangelhafte Messmethode angewendet und könnten keine physiologische Begründung für ihre Ergebnisse liefern. Wenn es bei erhöhtem Blutdruck nicht zum Herzinfarkt komme, sei das Medikamenten zu verdanken, gibt das BLV ausserdem zu bedenken. Auch falls das Risiko sinkt, verursacht die Behandlung also Kosten.

Ende Monat setzt sich die Branche an den runden Tisch: Mit dabei sind etwa Migros, Coop, Aldi, Lidl, Nestlé, Emmi und Danone. Zum konkreten Inhalt der Gespräche äussert sich das BLV noch nicht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nick_Name am 19.08.2019 06:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Salz drinlassen

    Dafür die anderen 99 chemischen Zusätze verbieten.

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  • Gerry41 am 19.08.2019 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Bund :-)

    Bitte nicht in Alles einmischen, der Mensch soll selbst entscheiden können was er zu sich nimmt.

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  • Shorty am 19.08.2019 06:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lieber Zucker reduzieren

    Ganz ehrlich haben die nichts besseres zu tun.... sollten lieber andere Produkte die zuviel Zucker beinhalten ändern

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Urs Winzer am 20.08.2019 20:28 Report Diesen Beitrag melden

    Keine anderen Probleme ?

    Zum Glück sind wir Wunschlos Glücklich und haben 00 Probleme !

  • ted am 20.08.2019 16:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Suppe ohne Salz

    Mir doch egal! Dann backe ich mein Brot eben selber!!

  • B. Obachter am 20.08.2019 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Zwängereien des Staates

    Es fragt sich, woher der 'Bund' oder besser gesagt, die Personen, die dort in den Departementen und Amtsstuben arbeiten, die Legitimation für ihre Zwängereien nehmen. Wann ist das Wort 'Selbstbestimmung' aus dem Vokabular des Staates denn verschwunden? Warum glaubt heutztage jeder, sein Anliegen sei wichtiger als alles andere? Die Veganer, die Klimaschützer, etc..., alle glauben, sie müssten Zwang ausüben. Sehr schnell ist man bei 'Der Zweck heiligt die Mittel'. Das hatten wir alles schon mal und wie es endete, wissen wir aus der Geschichte.

  • Hinterfragender am 20.08.2019 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Eine kanadische Studie mit 100'000

    Teilnehmern; 8 Jahre, hat gezeigt, dass der Salzkonsum erst ab rund 12 Gramm/Tag negative Einflüsse haben kann. Eine andere Studie zeigt auf, dass in Ländern mit höherem Salzkonsum die durchschnittliche Lebenserwartung höher ist. Und, sind die WHO Empfehlungen nicht überholt? Zudem, es ist erwiesen, dass ein zu geringer Salzkonsum das Risiko für einen Herzinfarkt erhöht. Bluthochdruck; wo fängt er an? Auch hier streiten sich die Fachleute; früher begann die Behandlung bei viel höheren Werten, nach der Senkung verdient die Pharma Milliarden mehr und beschert den Patienten Nebenwirkungen.

  • Tja am 20.08.2019 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt der Geschmack

    Warum hat es wohl Salz oder Zucker in den Nahrungsmitteln? Weil es schmeckt! Wenn der Geschmack zur Nebensache wird, kann ich mich gerade so gut flüssig ernähren, fades Zeug essen ist Zeitverschwendung.