Gesetzesrevision

19. Oktober 2018 07:32; Akt: 19.10.2018 07:32 Print

Wird der Strom in der Schweiz jetzt billiger?

von V. Blank - Der Bundesrat will den Schweizer Strommarkt öffnen. Was bedeutet das für die Konsumenten? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wo können die Schweizer ihren Strom beziehen? Diese Debatte ist jetzt wieder eröffnet. Der Bundesrat nimmt einen neuen Anlauf für die Liberalisierung des Strommarkts. Er hat diese Woche die Revision des Stromversorgungsgesetzes in die Vernehmlassung gegeben.

Umfrage
Wie hoch war Ihre Stromrechnung letztes Jahr?

Was technisch klingt, hat direkte Auswirkungen auf die Konsumenten. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie kaufen wir heute unseren Strom ein?
Private Kunden und KMU haben keinen Zugang zum freien Markt. Sie müssen mit der Grundversorgung – sprich ihrem lokalen Anbieter – vorliebnehmen. Anders sieht es für grosse Unternehmen aus: Stromverbraucher mit einem Jahresverbrauch von über 100'000 Kilowattstunden können ihren Lieferanten frei wählen.

Was ist das Problem an diesem Modell?
Privatkunden werden anders behandelt als grosse Firmen. «Das ist ungerecht», sagt Christina Marchand, Strommarkt-Expertin an der ZHAW und Geschäftsführerin der Vergleichsplattform Mynewenergy.ch. Auf dem freien Markt sind die Preise in den letzten Jahren gesunken; die Grundversorgung war also vergleichsweise teurer. «Für die Konsumenten und kleine Firmen, die die 100'000-Kilowattstunden-Grenze nicht überschreiten, ist das ärgerlich», so Marchand.

Was soll sich jetzt ändern?
Die Endkonsumenten und kleinere Betriebe sollen künftig ihren Stromlieferanten frei wählen können. «Auch der Wechsel zu einem ausländischen Anbieter wäre möglich», erklärt Marchand. Die Liberalisierung komme aber frühesten 2023. Die Gesetzesrevision sieht vor, dass Kunden jeweils Ende Jahr entscheiden können, ob sie beim lokalen Versorger bleiben oder einen neuen Anbieter wollen. Damit auch künftig genügend Strom zur Verfügung steht, sieht die Gesetzesrevision eine nationale Speicherreserve vor.

Wird der Strom durch die Liberalisierung billiger?
Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) verspricht sich sinkende Kosten. Man gehe davon aus, dass die Strompreise durch den Wettbewerb fallen und die Netzkosten sinken werden. Expertin Marchand bezweifelt, dass die Liberalisierung einen grossen Einfluss auf die Strompreise haben wird: «Preistreibend sind andere Faktoren, etwa Umweltabgaben oder der Ausbau der Netze und Speicher.»

Tönt doch alles gut – warum gibt es trotzdem so viele, die gegen die Öffnung des Markts sind?
Die Strommarktliberalisierung war in der Schweiz immer schon ein umstrittenes Thema. Die Produzenten sehen etwa bei der Stromversorgung ein Problem. Die Speicherreserve als alleinige Massnahme reiche nicht aus, um die Versorgung in der Schweiz zu gewährleisten, heisst es beim Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen. Strom-Expertin Marchand warnt unterdessen, dass auf dem freien Markt nicht immer auf die ökologische Herstellung des Stroms geachtet werde: «Wenn die Kunden nur den billigsten Preis im Auge haben und dann deutschen Braunkohlestrom beziehen, ist das nicht im Sinne der Schweizer Energiestrategie.»

Wie teuer ist Schweizer Strom im Vergleich zum Ausland
Das ist regional unterschiedlich. Bei den günstigsten Netzbetreibern kostet die Kilowattstunde 16 Rappen, bei den teuersten über 23 Rappen. Am günstigsten ist der Strom in der Nordostschweiz, am kostspieligsten in der Westschweiz und im Kanton Bern. In Deutschland koste die Kilowattstunde etwa 30 Rappen, so Marchand. «In der Schweiz haben wir fast die tiefsten Preise in ganz Europa.»

Lohnt sich ein Wechsel des Anbieters überhaupt?
Grosses Sparpotenzial gebe es bei einem Anbieterwechsel nicht, meint Marchand. Eine durchschnittliche Schweizer Familie habe eine Stromrechnung von unter 1000 Franken pro Jahr. «Also reden wir von rund hundert Franken, die sich vielleicht einsparen lassen würden.» Deshalb geht die Expertin nicht davon aus, dass sich viele Schweizer einen neuen Stromanbieter suchen würden. Dennoch könne ein Wechsel für einige Kunden sinnvoll sein – «beispielsweise, wenn man Wert auf grünen Strom legt und der aktuelle Versorger keine attraktiven Produkte bietet».

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sina am 19.10.2018 07:45 Report Diesen Beitrag melden

    Er wird teurer

    Genau so wie Telekommunikation und alles was an Markt geöffnet wird, dient dazu die Bevölkerung abzuzocken. Diese Privaten Stromanbieter wollen ja nicht in den Schweizer Markt, weil sie damit nichts verdienen.

    einklappen einklappen
  • Troublebloger am 19.10.2018 07:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lohnerhöhung

    Glaube kaum dass der Strom günstiger wird, eher wird irgendein Bonus erhöt.

    einklappen einklappen
  • Kilo Watt am 19.10.2018 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wittern fette Beute

    Und als neuen Geschäftszweig gibt es dann auch Strom-Makler, welche uns für fette Provisionen Top-Angebote vermitteln wollen. Marktöffnung ohne Profiteure und Makler JA.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Matthias am 20.10.2018 19:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Billiger? Bei uns wird der Strom ab Januar 2019 teurer. Umweltschützern sei Dank.

  • Kenner am 20.10.2018 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Billiger?

    1. Steht im Bericht: in der Schweiz haben wir den günstgsten Stromtarif in Vergleich zu Europa wo der Markt bereits offen ist. 2. Der freie Energiepreis ist am stiegen und hat fast wieder den Preis der Grundversorgung erreicht. Durchaus möglich, dass er diesen noch überholt. Heute gilt: Einmal im freien Markt immer im freien Markt. Läuft der Liefervertrag ab kann es passieren, dass der Grosskunde mit Vertragserneuerung einen höheren Energiepreis zahlen muss als Kunden in der Grundversorgung. 3. Mit oder ohne Liberalisierung, der Netznutzungstarif (vergleichbar mit der Maut einer Autobahn) wir wohl oder übel steigen, weil die Verteilnetzbeteiber politsch verpflichtet sind ihre "alten" Zähler gegen Smartmeters mit Fernauslesung zu ersetzen. Die Zählerfabrikanten freuts, denn das generiert Umsatz. Berappen wird der ganze Spass der Endkunde. Ach ja der Zähler muss wegen den CH-Anforderungen noch entwickelt werden. Die Zählerspezifikationen stammen übrigens nicht von den EVUs sondern von der Politik. Das Positive, der Kunde wird mittels z. B einem App seinen Energieverbrauch visualisieren können und (so hoffen es die Politiker) mit dem Verbrauch sparsamer umgehen (3000W Gesellschaft).

  • Vitellius am 20.10.2018 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    Platzreservation

    Für diejenigen, die glauben, dass der Strom billiger wird: Es ist für euch ein Platz reserviert im Bürghölzli, Friedmatt oder St. Urban.

  • P.Müller am 20.10.2018 19:00 Report Diesen Beitrag melden

    Lol, ursprünglich wurde

    die Strommakrtiberalisierung mit tieferen Preisen beworben. Leider sehen wir heute das in allen Ländern die dies gemacht haben, die Preise nicht sanken sondern gestiegen sind (in DE z.B. über 100%). Daher sprechen heute Verfechter dieser Liberalisierung auch nur noch davon "die Kunden sollen entscheiden können"...

    • @Gabarek am 20.10.2018 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @P.Müller

      tja, Strom wurde billiger, aber die EEG (Ökoabgabe wie KEV) mit 7p./Kwh und 20%MwSt. machten es aus... genau hinschauen vor falschen Behauptungen!

    einklappen einklappen
  • Jörg Frei am 20.10.2018 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    ja klar wird der billig so wie alles andere auch.......

    • Jörg Frei am 20.10.2018 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jörg Frei

      ich kenne das wort in der schweiz es wird billiger nicht also bei den mieten,kk,steuern billag etc sicher nicht.

    • Matthias am 20.10.2018 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jörg Frei

      Sicher doch. Unser Strom wird ab 2019 teurer. Coop hat die Preise sein 2 Monaten auch erhöht und der Anstieg der Preise geht munter weiter.

    einklappen einklappen