Konjunktur

01. März 2011 07:42; Akt: 01.03.2011 10:40 Print

Wirtschaft trotz teurem Franken in Hochform

von Balz Bruppacher - Ungeachtet des teuren Frankens hat sich der Aufschwung Ende 2010 beschleunigt. Die Schweiz erreichte damit wieder das Niveau vor der Krise und wuchs stärker als die EU.

storybild

Shopping im Westside bei Bern. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Bemerkenswert und erfreulich: So kommentierte der Chefökonom des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO), Aymo Brunetti, den Leistungsausweis der Schweizer Wirtschaft im Schlussquartal 2010. Das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) erhöhte sich gegenüber dem Vorquartal um 0,9 Prozent und legte im Vorjahresvergleich um 3,1 Prozent zu. Das sind die höchsten Wachstumsraten seit zweieinhalb Jahren und übertrifft die Erwartungen der Bankökonomen klar.

Im ganzen Jahr 2010 wuchs die Schweizer Wirtschaft um 2,6 Prozent, nach einem Einbruch um 1,9 Prozent im Vorjahr. Besser war im abgelaufenen Jahrzehnt die Schweizer Wirtschaftsleistung nur in den drei Spitzenjahren 2000, 2006 und 2007. Die Schweiz steht auch im internationalen Vergleich ausgezeichnet da, wie Brunetti bestätigte. Der Einbruch in der Krise war weniger tief als in der EU und der Eurozone. Und die Erholung verlief gemessen an den Wachstumsraten schneller.

Kaum Bremsspuren der Frankenhausse

Abgesehen von der Preisentwicklung sind nach wie vor keine Bremseffekte der Frankenaufwertung auszumachen. Die Warenexporte zogen im Schlussquartal im Gegenteil wieder an und lagen um 2,3 Prozent über dem Vorquartal. Über das ganze Jahr hinweg lieferte der Handel mit Waren gemäss SECO allerdings kaum Wachstumsimpulse. Chefökonom Brunetti mahnte auch zur Vorsicht, die positive Entwicklung der Warenexporte in die Zukunft zu extrapolieren. Denn die Frankenstärke dürfte sich mit dem üblichen Verzögerungseffekt auf die Exportwirtschaft auswirken.

Das solide Wachstum der Warenexporte sei sicher ein positives Signal, erklärte Credit-Suisse-Ökonom Fabian Heller. Die Unternehmer hätten allerdings die Folgen der Frankenhausse nicht auf die Kunden überwälzen können und entsprechende Margeneinbussen hinnehmen müssen. Zu einem deutlichen Einbruch kam es im letzten Quartal bei den Dienstleistungsexporten. Nach den Worten von Brunetti sollte dies allerdings nicht überbewertet werden. Diese Position, die den Transithandel der grossen Rohwarenhändler umfasst, ist grossen Schwankungen und erheblichen Revisionen unterworfen.

Es wird kräftig konsumiert und investiert

Der Blick auf die weiteren BIP-Komponenten zeigt einen nach wie vor robusten privaten Konsum. Er trägt fast 60 Prozent zum BIP bei und nahm gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent zu. Beschleunigt haben sich sodann die Investitionen. Die Ausrüstungsinvestitionen erreichten mit einer Zunahme um 6,3 Prozent die höchste Wachstumsrate seit Mitte 2007.

Die Bauinvestitionen stiegen um 1,2 Prozent. Die Breite des Aufschwungs kommt bei der Produktionsseite des BIP zum Ausdruck. Neben der Industrie und dem Baugewerbe verzeichnete auch der Finanzsektor wieder eine solide Wertschöpfung. Rückläufig war einzig die Entwicklung in der Landwirtschaft.

Auch laufendes Jahr besser als erwartet?

Auch im laufenden Jahr deuten die Konjunkturindikatoren bisher nicht auf einen Einbruch hin. Im Gegenteil: Der Einkaufsmanageríndex der Credit Suisse machte im Februar einen Sprung von drei Punkten nach oben, was eine robuste Entwicklung der Industrie erwarten lässt.

Mehrere Ökonomen haben die Prognosen bereits wieder nach oben revidiert und halten trotz der Frankenhausse und den Unsicherheiten in der Weltpolitik ein Wachstum von zwei Prozent oder mehr für möglich. Das SECO wird am kommenden 17. März eine neue Prognose veröffentlichen. Brunetti räumte auf Anfrage ein, dass das die letzte Voraussage eines Wachstums von nur 1,5 Prozent relativ konservativ sei.

Kein rasches Drehen an Zinsschraube in Sicht

Am 17. März wird auch die Schweizerische Nationalbank eine neue Lagebeurteilung ihrer Geldpolitik vornehmen. Trotz der unerwartet starken Konjunktur rechnet kaum jemand damit, dass die Stabilitätshüter den Leitzins erhöhen werden. Denn ein solcher Schritt könnte den Kurs des Frankens weiter in die Höhe treiben.