BP-Spitze

22. Juli 2010 15:02; Akt: 22.07.2010 15:12 Print

Wollen wir wetten?

von Othmar Bamert - Die britischen Zeitungen orakeln über den Rauswurf von BP-Chef Hayward. Der Konzern dementiert. Doch im Internet kann man schon auf die Nachfolger wetten.

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Die Buchmacher haben ihn bereits abgeschrieben: BP-Chef Tony Hayward. (Bild: Keystone)

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«Tony Hayward hat die volle Unterstützung des Verwaltungsrates und wird im Amt bleiben», versicherte ein BP-Sprecher am Mittwoch. Das Statement wurde nötig, weil die Londoner «Times» geschrieben hatte, man rechne damit, dass der BP-Chef sein Ausscheiden spätestens im September bekanntgeben werde.

Hayward müsse zurücktreten, damit sich BP besser gegen mögliche Übernahmen - etwa durch Exxon Mobil oder Royal Dutch Shell - wappnen könne, schrieb die «Times». Und das Blatt präsentierte auch gleich einen Kronfavoriten für Haywards Amt: Robert Dudley, jener BP-Manager, der von Hayward das Krisenmanagement der Ölpest erbte, nachdem dieser alles andere als eine gute Figur gemacht hatte.

Wettbüros sehen auch Schweizer BP-Chef

Dudley ist auch der klare Favorit der Wettgemeinde auf paddypower.com. Dort kann man bereits auf den nächsten BP-CEO nach Tony Hayward setzen. Dudley’s Wettquote: 11 zu 10. Mit einer Quote von 3 zu 1 folgt ihm mit Iain Coin ein weiterer BP-Insider. Auch einen Schweizer Kandidaten sehen einige Internet-Zocker auf dem Chefsessel: Peter Voser, derzeit CEO beim BP-Konkurrenten und mutmasslichen Übernahmeinteressenten Shell. Seine Wettquote ist mit 66 zu 1 nicht gerade berauschend, aber doch weit besser als jene von Tony Blair und Gordon Brown, die eine Quote von 500 zu 1 aufweisen.

Tonys berühmte Fettnapftour

Gründe, den Chef auszuwechseln, hätte BP genug: Im Verlauf der Ölkatastrophe liess BP-Chef Hayward kaum eine Gelegenheit aus, sich zu blamieren. Gleich nach Ausbruch der Katastrophe spielte er die Menge des auslaufenden Öls konstant herunter. Die Menge sei winzig im Verhältnis zum totalen Wasservolumen, wurde er zitiert. Als das nicht half, machte Hayward auf Mitleid. Vor laufender Kamera jammerte der BP-Boss: «Ich will mein Leben zurück.»

Derweil das Leck im Golf von Mexiko immer noch nicht gestopft werden konnte, setzt Hayward seinen Fuss präzis in den nächsten Fettnapf. Ende Juni wurde er auf seinem luxuriösen Segelschiff bei einer Vergnügungsregatta im Ärmelkanal fotografiert. Ein paar Tage später tauchten Fotos auf, die Hayward in einigermassen kompromittierender Situation in einer Bar zeigten, mit einer Frau, die aber nicht seine Frau war. Ein Umstand, der im prüden Amerika hohe Wellen der Entrüstung schlägt.

Obama hätte ihn gefeuert

Das Weisse Haus in Washington kritisierte Haywards Verhalten scharf. Der Stabschef von US-Präsident Barack Obama, Rahm Emanuel, spottete gegenüber dem US-Fernsehsender ABC: «Ich glaube, wir kommen alle zu dem Schluss, dass Tony Hayward nicht vor einer Zweitkarriere als PR-Berater steht.» US-Präsident Barack Obama sagte in einem Interview, dass er den BP-Chef schon längst gefeuert hätte - wenn er es könnte.