Erdbeben

17. März 2011 17:05; Akt: 17.03.2011 18:47 Print

Yen klettert auf Rekordhoch

Die japanische Währung Yen ist gegenüber dem Dollar auf den höchsten Wert seit dem Zweiten Weltkrieg gestiegen. Gegenüber dem Schweizer Franken gab der Yen jedoch nach.

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Die Probleme der japanischen Wirtschaft nach dem Erdbeben, dem Tsunami und angesichts der drohenden Atomkatastrophe werden durch Währungsschwankungen zusätzlich verschärft. Am Donnerstag stieg die japanische Währung Yen auf den höchsten Stand zum US-Dollar seit dem Zweiten Weltkrieg.

Das macht es für die ohnehin gebeutelte japanische Exportindustrie schwieriger, ihre Waren im Ausland zu verkaufen. Ein Dollar war am Donnerstag zwischenzeitlich nur noch 76,36 Yen wert, womit die japanische Währung so viel kostete wie seit 66 Jahren nicht mehr. Damit werden japanische Waren im Ausland teurer und sind weniger konkurrenzfähig.

Wiederaufbau finanzieren

Als Grund für den Anstieg nannten Händler und Analysten, dass viele japanische Unternehmen nun Geld aus dem Ausland abzögen, um den Wiederaufbau im eigenen Land zu finanzieren.

Die volkswirtschaftlichen Schäden der Katastrophe könnten ersten Schätzungen zufolge die 100 Mrd. Dollar deutlich übertreffen, die das Kobe-Erdbeben gekostet hatte. Dafür müssten die Unternehmen und Versicherungen Geld aus Fremdwährungen verkaufen und Yen kaufen - weshalb die japanische Währung teurer werde.

Regierung geisselt Spekulation

Die japanische Regierung widersprach dieser Darstellung. Dies seien «haltlose Gerüchte», sagte der Vizeminister für Wirtschaftspolitik, Kaoru Yosano, am Donnerstag. Die japanischen Versicherer hätten ausreichend Rücklagen in Japan und müssten keine ausländischen Anlagen verkaufen.

Im Verlauf erholte sich der Dollar wieder etwas auf 78,75 Yen. Damit lag er aber noch immer deutlich unter dem bisherigen Tiefststand von 79,75 Yen nach dem schweren Erdbeben von Kobe 1995. Der Euro legte wieder auf 110,32 Yen zu nach 107,68 am Vortag.

SMI schliess im Plus

Der Leitindex SMI bewegte sich erneut in einer grossen Spannbreite. Nach einem Tagestief bei 6000 Punkten schloss der SMI 0,9 Prozent fester als am Mittwochabend. Der breite SPI legte ebenfalls 0,9 Prozent zu. Zu den grössten Gewinnern unter den Standardwerten zählten die Aktien von Versicherungen.

Der Dollar erholte sich von seinem Rekordtief von 0,8898 Fr. wieder und kletterte leicht über die Marke von 0,90 Fr. Gegenüber dem Yen legte der Franken indes zu. 100 Yen waren für 1,1434 Fr. zu haben nach 1,1633 Fr. am Vortag.

An anderen europäischen Börsen entspannte sich die Lage ebenfalls. Der deutsche Leitindex Dax schloss 2,2 Prozent im Plus. Der EuroStoxx 50 beendete den Tag 2,39 Prozent höher. Auch in Paris und London ging es für die Börsen deutlich nach oben. Der New Yorker Dow-Jones-Index stand zum europäischen Handelsschluss rund 1,3 Prozent im Plus.

Verunsicherung treibt Anleger zum Yen

Der Yen wurde auch von der Verunsicherung der weltweiten Marktteilnehmer getrieben. «Das ist Chaos da draussen», sagte ein Händler in Australien.

Viele Investoren lösten ihre sogenannten «Carry Trades» auf. Bei solchen Spekulationsgeschäften nutzen Anleger den nahe Null liegenden Leitzins in Japan, um sich günstig zu verschulden und das Geld in Regionen mit höherem Zinsniveau wie Australien anzulegen. Wegen der teilweise stark schwankenden Wechselkurse sind diese Geschäfte hochriskant.

Ausserdem benötigten ausländische Investoren dringend Yen, um nach dem Kurssturz der japanischen Börsen in den vergangenen Tagen die gestiegenen Sicherheitsleistungen ihrer Terminkontrakte zu erfüllen.

Geldspritzen der Notenbank

Der rasante Kursanstieg des Yen löste Spekulationen über Interventionen der Bank of Japan (BoJ) aus - alleine oder im Zusammenwirken mit anderen wichtigen Notenbanken. Die Finanzminister der sieben wichtigsten westlichen Industrienationen (G7) wollten über die Lage beraten.

Japans Notenbank versucht bereits mit immer neuen Geldspritzen, die Investoren zu beruhigen. Am Donnerstag stellte die BoJ dem Finanzsystem des Landes erneut 5 Bio. Yen (56 Mrd. Fr.) zur Verfügung. Die Banken nahmen aber nur einen Teil dieses Geldes an, was nach Ansicht von Fachleuten auf relative Stabilität des japanischen Finanzsektors schliessen lässt.


(rub/sda)