Arbeitsmarkt

09. Januar 2016 17:23; Akt: 09.01.2016 17:23 Print

Zahl der Ausgesteuerten nimmt zu

von F. Lindegger - Im vergangenen Jahr dürfte es erneut mehr Ausgesteuerte gegeben haben. Viele finden zwar danach wieder einen Job, müssen aber einen Abstrich beim Lohn in Kauf nehmen.

storybild

Die Arbeitslosenquote ist im Jahr 2015 leicht gestiegen. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Arbeitslosenquote ist 2015 leicht angestiegen – auf 3,3 Prozent. Im Durchschnitt waren im vergangenen Jahr 143'000 Personen ohne Arbeit, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Freitag mitteilte. Nicht nur die Arbeitslosenzahlen, sondern auch die Zahl der Ausgesteuerten dürfte 2015 gestiegen sein. Zwar steht das definitive Ergebnis noch aus, bis und mit Ende Oktober wurden im letzten Jahr insgesamt aber gegen 32'000 Arbeitslose ausgesteuert. Fallen die Statistiken im November und Dezember ähnlich hoch aus wie jene der Vormonate, dann wären 2015 rund 38'000 Personen ausgesteuert worden.

Damit wäre die Zahl der Ausgesteuerten im vergangenen Jahr auf hohem Niveau weiter gewachsen. Seit dem Jahr 2008 ist die Zahl der Ausgesteuerten von rund 20'000 Personen pro Jahr kontinuierlich angestiegen. Abgesehen von einem Ausreisser nach oben im Jahr 2011, als bedingt durch eine Gesetzesänderung, die den Bezug von Arbeitslosentaggeldern einschränkte, die Zahl der Ausgesteuerten innerhalb eines Jahres bei über 47'000 lag.

«Massive Zäsur für Betroffene»

Ausgesteuert werden Personen, die keinen Anspruch mehr auf Arbeitslosengeld haben, da die Taggelder der Arbeitslosenversicherung ausgeschöpft sind. Dies ist nach Alter oder Anzahl Jahre, die jemand gearbeitet hat, unterschiedlich. «Im Durchschnitt sind die Taggelder nach ein bis zwei Jahren aufgebraucht», erklärt Edgar Spieler, Leiter Arbeitsmarkt des Amts für Wirtschaft beim Kanton Zürich. Für die Betroffenen sei dies eine massive Zäsur: «Die Kosten fürs tägliche Leben bleiben bestehen, aber von einem Tag auf den anderen gibt es kein Geld mehr. Das treibt die Betroffenen enorm um», so Spieler.

Das Risiko, ausgesteuert zu werden, ist für einige Bevölkerungsgruppen höher als für andere. «Personen, die ausgesteuert werden, verfügen oft über keinen Berufsabschluss und schlechte Deutschkenntnisse», so Spieler. Diese Personen würden auch öfter arbeitslos. Laut einer Studie des Bundesamts für Statistik (Bfs) aus dem Jahr 2014 werden zudem über 45-Jährige sowie Frauen und alleinlebende Personen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung öfter ausgesteuert.

Aussteuerung wirkt sich auf künftigen Lohn aus

Für Ausgesteuerte muss der Weg aber nicht zwingend in die Sozialhilfe führen, wie Zahlen des Bfs zeigen. Die Hälfte der Ausgesteuerten schafft innerhalb eines Jahres den Sprung zurück in die Arbeitswelt. Spieler sagt dazu: «Es lohnt sich, dranzubleiben bei der Stellensuche. Engagierte Personen haben eine gute Chance, zurück in den Arbeitsmarkt zu kommen.» Manchmal sei es auch nötig, dass die Betroffenen bereit seien, die Lohnvorstellungen etwas nach unten zu korrigieren.

Eine Entwicklung, die auch in der Untersuchung des Bfs sichtbar wird: Während der Bruttolohn für Arbeitnehmer im Schnitt (Medianlohn) 36.20 Franken betrage, sei dies bei ehemals Ausgesteuerten, die wieder eine Arbeit gefunden haben, 27.50 Franken. Laut dem Bfs kann dabei die Übervertretung von Frauen oder Personen mit niedriger Bildung die Differenz nicht vollständig erklären.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • So geht es nicht am 09.01.2016 17:37 Report Diesen Beitrag melden

    overlord

    Warum wird die Zahl der sog. Ausgesteuerten so nie in der Statistik der Arbeitslosen nicht erfasst? Die müssen enorm Angst haben vor der eigentlichen Wirklichkeit?

    einklappen einklappen
  • Frau am 09.01.2016 17:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist die Hölle

    Man will arbeiten, aber NIEMAND will einen. Ich kann ein Lied davon singen. Mit 51 bleibt einem fast nur noch der Weg der Aussteuerung. Dabei wäre ich unendlich froh, wenn ich eine Stelle bekäme. Egal was, Hauptsache Arbeit und verdienen. Die Schweiz steuert auf ein Arbeitsmarktdisaster zu.

    einklappen einklappen
  • Ovis am 09.01.2016 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Wie Viele ?

    und wie hoch ist die Zahl der Arbeitslosen mit den Ausgesteuerten ? So gerechnet wie in der EU damit wir die Zahlen vergleichen können

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Betroffener am 10.01.2016 23:59 Report Diesen Beitrag melden

    kaputtes System...

    «verfügen oft über keinen Berufsabschluss und schlechte Deutschkenntnisse»... Soso. Ich bin Schweizer, 58. Mein Leben lang war ich Elektroniker. Dieses Jahr werde ich auch ausgesteuert. Trotz Kanti hab ich's dazumal (1978) verpasst, den "Ing." zu machen, habe auch heute kein Bachelor oder Master. In den letzten 10 Jahren habe ich über 3000.-/Mt. Abstriche gemacht, um überhaupt noch einen Job zu finden und kann mit dem bisschen vom RAV kaum noch meine Rechnungen bezahlen. Nächster Halt: Sozialamt! - Würden die Ausgesteuerten auch gezählt, wären wir bei über 10% Arbeitslosen!

    • Ester erne am 11.01.2016 00:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      unglaublich

      Sehr traurig, das tut mir leid, tragisch wie unser System versagt, einmal mehr.

    einklappen einklappen
  • Beni Wild am 10.01.2016 23:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Automation

    Das bedingunslose Grundeinkommen ist unumgänglich. Für etwas haben wir ja letzten Endes die Automation, welche den Menschen ersetzt. Mehr Menschen wollen mehr Arbeit, diese wird zur Zeit aber weniger bzw. stagniert. Daher einfach nur sonnenklar, dass das nicht aufgeht. Es besteht akuter Handlungsbedarf am jetztigen System. By the way, ich bin gelernter Automatiker und seit nun schon 5 Monaten auf Stellensuche.

  • Integrationswilliger am 10.01.2016 23:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich würde ja gern

    mich an der Diskussion beteiligen. Aber leider benutze ich dafür nur ein Handy. Ich weiss nicht, was "Tipp" gesagt hat und ich kann auch nicht die Fragen von @Beobachter beantworten. Schade!

  • Beobachter am 10.01.2016 23:46 Report Diesen Beitrag melden

    @Tipp WIE ehrlich ist die Person?

    Das Schreiben kommt von der Person. @Tipp WIE ehrlich ist die Person? Vielleicht nicht immer alles angeben im Lebenslauf wenn es Sie sich auf eine Stelle bewerben, vonder Sie schon wissen dass Sie überqualifiziert sind.. ;)

  • Fach Fach Kraft am 10.01.2016 22:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein grosses Problem ist auch

    Dass man bei vielen Berufen heute eine bessere Ausbildung braucht als früher, aber die Arbeit gleich geblieben ist! Dann heisst wir haben Fachkräfte Mangel, bei diesem Problem trägt der Staat eine Mitschuld.