Curated Shopping

22. August 2015 12:21; Akt: 23.08.2015 08:17 Print

Zalando probt WhatsApp-Stilberatung

von C. Landolt - Hilfe, ich habe nichts Anzuziehen! Zwei Onlinehändler lösen das Problem – mit einer Messenger-Modeberatung.

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Es ist die begehrteste Telefonnummer in Berlin: Die der Kundenbetreuung per WhatsApp von Zalando. Wer sie hat, kann innert Minuten sein Kleiderdilemma lösen. Passt die Tasche zum Kleid? Ist das Hemd nicht etwas zu elegant? Und was soll ich bloss zum Date heute Abend anziehen? Via WhatsApp verschickt man ein Foto an die Nummer und Kundenberater geben umgehend entsprechende Tipps. Kostenlos. Momentan befindet sich der Service aber noch im Testbetrieb und ist nur für Eingeweihte verfügbar.

Diese Art des Einkaufens mit Beratung nennt sich Curated Shopping. Es ist eine Form der Entscheidungsfindung bei einem Kaufprozess. «Das Internet hat die User erst befreit und dann im endlosen Datendschungel allein gelassen», erklärt etwa Delia Fischer, 29-Jährige CEO des erfolgreichen Möbel-Start-Ups Westwing Home & Living GmbH, in einem Interview. Tatsächlich: Gibt man bei Google den Suchbegriff «Designersofa» ein, erhält man 459'000 Ergebnisse. Sucht man auf Amazon einen Esstisch, erhält man 24'361 Treffer.

Schönes, buntes Internet

Curated-Shopping-Modelle sind also eine Antwort auf den gefühlten Informations-Overkill. Entscheidende Rolle kommt dabei dem Vermittler zu. Er berät – wie in einem realen Geschäft – den Kunden bei der Produktauswahl persönlich, bis er etwas gefunden hat, das ihm gefällt.

Zalandos Curated-Shopping Angebot nennt sich Zalon und wird gerade in der Schweiz lanciert. Eine Handvoll Stylisten berät Männer und Frauen beim Mode-Shopping. Die Testphase im Mai sei «hervorragend» gelaufen, heisst es bei Zalando. Kommt der Service an, sei sogar denkbar, diesen Dienst in allen bislang 15 europäischen Ländern anzubieten, in denen Zalando aktiv ist, heisst es bei neuhandeln.de.

Damit konkurrenziert Zalando Outfittery, der soeben sein WhatsApp Stylecheck für Männer in der Schweiz lanciert. «Männer lieben Technik und Effizienz. Deshalb nutzen immer mehr Männer ihr Smartphone zum Shoppen, aber vor allem auch zur schnellen und effektiven Kommunikation via Messenger-Diensten», erklärt Outfittery-Gründerin und -Geschäftsführerin Julia Bösch 20 Minuten. Einer Studie des E-Commerce-Centers Köln (ECC Köln) zufolge setzen rund 30 Prozent der Mobile-Nutzer ihr Smartphone fürs virtuelle Shoppen ein.

Pionier stammt aus den USA

Nutzer füllen einen Fragebogen aus, der ihr persönlicher Modestil ermittelt. Anschliessend werden sie von Stylisten persönlich telefonisch kontaktiert, die ihnen Outfits oder einzelne Kleidungsstücke empfehlen. Die Kleider werden dann nach Hause geschickt, wo man sie anprobieren und wie beim normalen Versandhandel bei Nichtgefallen wieder zurückschicken kann.

Pionier in Sachen Curated Shopping via Messenger ist Tango, ein US-Messenger-Dienst, der einen In-App-Store lanciert hat, in dem Produkte von Walmart und Alibaba gekauft werden können. Um in diesem Markt – als Minderheitsaktionär – dabei zu sein, hat Alibaba laut «Fortune» 215 Millionen Dollar in Tango-Anteile investiert.

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