Emissionen kompensieren

05. März 2019 08:00; Akt: 05.03.2019 08:00 Print

Zalando testet CO2-Abgabe für Päckli

von R. Knecht - Der Modehändler Zalando will eine klimaneutrale Lieferoption für 10 Rappen einführen. Der Test läuft bereits.

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Einige Kunden sehen bei der Bestellung auf Zalando neu eine Option, mit der sie den CO2-Ausstoss der Lieferung kompensieren können. «Wir prüfen derzeit die Möglichkeit, im Checkout-Prozess klimaneutrale Lieferungen anzubieten», bestätigt Zalando-Sprecherin Sandra Burghardt. Die Option wird bereits bei einigen Bestellungen angezeigt. Im Test lautet der Kompensationsbetrag 10 Rappen. Bei einem durchschnittlichen Ausstoss von 500 Gramm CO2 pro Päckli entspricht das 200 Franken pro Tonne CO2. Aber selbst wenn man die Option beim Kauf auswählt, wird der Kompensationsbetrag doch nicht abgerechnet. Die Zalando-Sprecherin erklärt, es handle sich nur um einen Test. Ziel des Tests ist laut Zalando, herauszufinden, ob der Ansatz bei den Kunden ankommt. Ob die klimaneutrale Lieferung dann definitiv komme, sei abhängig davon, wie die Kunden auf den Test reagieren. Wohin genau die Einnahmen aus der Klimagebühr fliessen werden, beantwortete Zalando auf Anfrage von 20 Minuten vorerst nicht. (Im Bild: Co-CEO Rubin Ritter) Das Geschäft bei Zalando läuft sehr gut. Das Unternehmen konnte den Jahresumsatz 2018 deutlich steigern. Dies geht aus einer Detailhandelsstudie der Credit Suisse hervor. Gemäss dem Retail Outlook 2019 setzte der Onlinehändler in der Schweiz knapp 800 Millionen Franken um. Zalando gibt es in der Schweiz erst seit 2012. Der Anstieg in nur sieben Jahren ist enorm. Die Steigerung der Zalando-Umsätze dürfte zwar etwas geringer ausfallen als 2017, aber immer noch gut 28 Prozent betragen. Der Gesamtmarkt für Bekleidungs- und Schuhdetailhandel beträgt in der Schweiz rund 8,8 Milliarden Franken. Will heissen: Fast jeder zehnte Franken, den Schweizer für Mode ausgeben, landet bei Zalando. Die Steigerung der Zalando Umsätze dürfte damit etwas geringer ausfallen als 2017, aber immer noch gut 28 Prozent betragen. Der Gesamtmarkt für Bekleidungs- und Schuhdetailhandel beträgt in der Schweiz rund 8,8 Milliarden Franken. Weniger erfreulich ist für Zalando allerdings das veränderte Kaufverhalten der Kunden: Pro einzelne Bestellung geben sie weniger aus. Der durchschnittliche Warenkorb ist im dritten Quartal 2018 im Vergleich zur Vorjahresperiode um über 7 Prozent zurückgegangen. Pro Zalando-Bestellung hat ein Schweizer Kunde im Schnitt erstmals weniger als 60 Euro oder umgerechnet rund 67 Franken ausgegeben. Auch die Auswirkungen des untypisch heissen Herbstes 2018 zeigen sich in den offiziellen Zahlen von Zalando: Die Verkäufe in der Region Deutschland, Österreich und der Schweiz konnten im dritten Quartal «nur» um 8,8 Prozent gesteigert werden. Im Vorjahr waren es noch über 13 Prozent gewesen. Der stationäre Handel spielt für Zalando auch eine Rolle: Ab 2020 wird Zalando in der deutschen Stadt Konstanz eine Outlet-Filiale eröffnen.

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Ein Zalando-Päkli verursacht im Schnitt 500 Gramm CO2-Emissionen. Umweltbewusste Kunden können diese Emissionen künftig direkt im Shop des Onlinehändlers kompensieren. Zumindest testet Zalando ein solches Feature, wie das deutsche Unternehmen auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt.

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«Wir prüfen derzeit die Möglichkeit, im Checkout-Prozess klimaneutrale Lieferungen anzubieten», sagt Sprecherin Sandra Burghardt zu 20 Minuten. Damit könnten Kunden des Modehändlers die CO2-Emissionen ausgleichen, die durch den Transport ihrer Bestellungen entstehen.

Weniger Angriffsfläche

Die klimaneutrale Lieferoption hält Michel Rahm, Experte für Konsumgüter am Marktforschungsinstitut GfK, für einen strategisch sinnvollen Schritt. Zalando biete so künftig weniger Angriffsfläche, was den CO2-Ausstoss betrifft. Es sei etwa weniger wahrscheinlich, dass umweltbewusste Kunden auf Social Media einen Shitstorm wegen der Klimabelastung auslösen: «Diese Gefahr besteht – gerade bei Zalando, wo viel hin- und zurückgeschickt wird», sagt Rahm zu 20 Minuten.

Die Option wird bereits bei einigen Bestellungen angezeigt (wie das aussieht, sehen Sie in der Bildstrecke oben). Allerdings ist das Feature mit dem Hinweis versehen, dass die CO2-Kompensation zurzeit noch nicht verfügbar sei. Selbst wenn man die Option beim Kauf auswählt, wird der Kompensationsbetrag also doch nicht abgerechnet. Die Zalando-Sprecherin erklärt, es handle sich nur um einen Test.

200 Franken pro Tonne CO2

Im Test lautet der Kompensationsbetrag 10 Rappen. Bei einem durchschnittlichen Ausstoss von 500 Gramm CO2 pro Päckli entspricht das 200 Franken pro Tonne CO2. Zum Vergleich: Umweltorganisationen wie Mercy Corps rechnen mit rund 10 Franken pro Tonne.

Michel Rahm von der GfK glaubt, dass Kunden bereit sein dürften, 10 Rappen für den Klimaschutz zu bezahlen – auch wenn der Betrag verhältnismässig hoch ist: «Kein einziger Kunde rechnet den Betrag pro Tonne aus und vergleicht.»

Ziel des Tests ist laut Zalando, herauszufinden, ob der Ansatz bei den Kunden ankommt. Ob die klimaneutrale Lieferung dann definitiv komme, sei abhängig davon, wie die Kunden auf den Test reagieren. Sollte Zalando das Projekt weiterverfolgen, plane das Unternehmen, die Einnahmen aus der CO2-Abgabe in Aufforstungsprojekte zu investieren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lääser am 05.03.2019 08:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ablasshandel

    Im Mittelalter gab es schon mal was ähnliches, den Ablasshandel. Man konnte sich mit Geld von "Sünden" freikaufen und die Kirche hat daran gut verdient.

    einklappen einklappen
  • Seppetoni am 05.03.2019 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gebühren soweit das Auge reicht

    Der Handel entdeckt den Klimawandel als Finanzquelle, nicht für das Klima, sondern für sich. Bezahlen wird es der Konsument.

  • Einii am 05.03.2019 08:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    komische Prioritäten

    Und jetzt wollen sie einen Preis dafür? Zalando würde besser erst die Mitarbeitenden besser behandeln und anständig bezahlen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • jemand am 06.03.2019 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Gebühren fliessen wohin?

    Es wird damit ja nichts getan. Die Lieferung ist wegen dieser Abgabe ja nicht umweltverträglicher und stösst nicht kein Co2 aus. Es Ist lediglich eine weitere Masche um gut da zu stehen und gleichzeitig die Kassen zu füllen. Das sowas nicht unter Betrug fällt ist der Hohn. Würden sie etwas sinnvolles mit dem Geld anstellen hätte der Typ das wahrscheinlich auch an die grosse Glocke gehängt, aber er gibt ja nichtmal auskunft. Lachhaft und häuchlerisch.

  • Paul am 06.03.2019 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    das ist das Resultat

    für die Energie Abstimmung, denkt Ihr, die Firmen werden zu sehen wie sie immer höhere Abgaben Co2 und andere bezahlen ohne das auf die Kunden abzuwälzen. Morgen wird vielleicht auch das Gemüse teuer, wegen CO2 Abgaben. Dann kommen die Grünen und Linken und werden darüber schimpfen. Tia die Geister die ich rief!!!!!!

  • Susie am 06.03.2019 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchelei

    Erst mit Gratisversand werben, dann Versandkosten als "Klimaabgabe" einführen - Heuchelei!

  • Heidi Heidnisch am 06.03.2019 08:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ameisi gegen CO2

    Vermeiden, nicht Kompensieren. Geld allein ändert nichts. Ein Ameisi für den lieben Gott, und er wirds richten. Mafiosos kaufen sich mit grossen Spenden an die katholische Kirche von ihren Morden frei.

  • Vanessa am 06.03.2019 00:39 Report Diesen Beitrag melden

    Wer hats erfunden?

    Ich dachte der Ablasshandel wäre Schnee von gestern. Tja hab mich geirrt, gibt immer noch welche die darauf rein fallen!