Horrender Zuschlag

07. September 2019 07:58; Akt: 07.09.2019 13:25 Print

Schweizer zahlen für diese Jeans 60 Prozent mehr

Ein 20-Minuten-Leser hat an einem Zara-Preisschild gekratzt – und ärgert sich über den horrenden Schweiz-Zuschlag.

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Es ist die gängige Praxis vieler internationaler Kleiderhändler: Die Preise, die sie in Euro verlangen, überkleben sie einfach mit dem Schweizer-Franken-Preis. So erkennt der Kunde nicht, wie hoch die Preisdifferenz zwischen den beiden Währungen ist.

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Die höheren Preise in der Schweiz sind ...

Das hat der Westschweizer 20-Minuten-Leser Léon F.* gerade selbst erlebt. Er war am Place du Molard in Genf bei Zara shoppen. Gekauft hat er zwei Paar Jeans. Zu Hause, als er die Preisschilder entfernen wollte, fiel ihm auf, dass unter dem Etikett der blauen Jeans ein anderer Preis durchschimmerte.

Bei genauerem Hinsehen erkannte F: Die Jeans, die bei Zara in Genf 69.90 Franken gekostet hatte, waren mit einem Euro-Preis von 39.95 angeschrieben (s. Bildstrecke oben).

Verärgert kratzte der Kunde auch das Preisschild der schwarzen Jeans weg. Und auch dort das Ergebnis: Er hatte 49.90 Franken für die Hose bezahlt. In Euro hätte der Preis 39.95 betragen.

Händler rechtfertigen sich

Wenn man den aktuellen Euro-Franken-Kurs von 1.09 als Berechnungsgrundlage nimmt, betrug der sogenannte Schweiz-Zuschlag bei der schwarzen Jeans knapp 15 Prozent. Vernichtender fällt die Rechnung bei der blauen Hose aus: Verglichen mit dem Preis im Euro-Land zahlte 20-Minuten-Leser F. in Genf 60 Prozent drauf.

20 Minuten hat Zara um eine Stellungnahme gebeten. Die Anfrage blieb unbeantwortet. Die meisten Händler rechtfertigen die höheren Preise in der Schweiz jeweils mit höheren Infrastrukturkosten, höheren Mieten und höheren Löhnen als in der EU.

«Abzocke der Importeure»

Diese Argumentation lässt Sara Stalder, Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), nicht gelten. «Kleider, Kosmetik und Zeitschriften haben in der Schweiz ungerechtfertigt hohe Preise, die nichts zu tun haben mit unseren Löhnen oder einer besseren Qualität», sagt sie auf Anfrage von 20 Minuten. Es gehe nicht an, dass ein identisches Importprodukt derart verteuert werde, nur weil es in der Schweiz verkauft werde.

Dass es auch anders gehe, zeige das Beispiel der Elektronikprodukte, so die Konsumentenschützerin. «Sie sind bei uns teilweise günstiger als im benachbarten Ausland, was beweist, dass der ungerechtfertigte ‹Zuschlag Schweiz› reine Abzocke der Importeure ist.»

Kommission befasst sich mit Initiative

Die SKS hat die Initiative «Stop der Hochpreisinsel – für faire Preise» lanciert. Diese und der indirekte Gegenvorschlag des Bundesrates wurden im August in der Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Nationalrates diskutiert. Die Kommission wird sich im Oktober erneut mit der Vorlage befassen.

*Name der Redaktion bekannt

(vb)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rentner am 07.09.2019 08:04 Report Diesen Beitrag melden

    Einkauf im Ausland

    Solche Machenschaften führen nur dazu, dass der Einkaufstourismus gefördert wird, weil sich tatsächlich auch lohnt. Sehr kurzsichtige Denkweise von diversen Importeuren und Händlern.

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  • Thomas am 07.09.2019 08:15 Report Diesen Beitrag melden

    Zuschlag ok

    Ein Zuschlag von 15 Prozent ist völlig in Ordnung. Bei 60 Prozent rede ich von Betrug.

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  • Delphine am 07.09.2019 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    andere Produkte schlimmer

    Bei den Klamotten geht der Preisaufschlag meistens noch. Aber Magazine oder Hygiene/Pflegeprodukte... da ist es nicht selten, dass man mehr als das Doppelte bezahlt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Urs Fischern am 16.09.2019 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Geh mit deinem Verhalten mal über die Bücher

    Lieber Rentner, beziehst du deine "kleine Rente" vergleiche doch mal mit dem Land, wo dein Produkt günstiger zu haben ist. Hast du auch schon an deine Enkel gedacht, die Morgen eine so gute Lehrstelle suchen, wie du sie vermutlich noch sorglos gefunden hast. Diese Ansicht könnt ihr such auf alle übrigen , zB. Die Arbeitnehmenden anwenden. Hören wir doch auf, nur auf der eines Seite profitieren zu wollen. Das ist egoistisch, und wie wir so schön sagen, für all jene die das "weggli und den Batzen" wollen. Wer ehrlich mit sich selbst ist wird mir recht geben!

  • pindleko am 09.09.2019 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Anstellungsbedingungen wie EU

    Na gut Ihr Lieben. Wollt Ihr dann auch die Anstellungsbedingungen wie in der EU? Also für so 400CHF pro Monat arbeiten?

    • Denken ist noch nicht verboten am 09.09.2019 15:59 Report Diesen Beitrag melden

      @ pindleko

      400 CHF reicht für die KK und der rest übernehmen Sie ?

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  • Ermelinde De castro am 09.09.2019 14:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gezwungen in Deutschland einzukaufen

    Schweiz ist sowieso abzocker Land nr 1. Bin seit 4 Jahren angewiesen auf IV nach 30 Jahren wegen Arthrose in der Händen und Beine. Bekommen 2500.- monatlich. Wenn Miete und Monats Rechnungen bezahlt ist 600.- übrig. Ich jammere nicht bin aber gezwungen in Deutschland einzukaufen. Nur so klappt dass.

  • Pain_in_the_Ass am 09.09.2019 14:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Müsste günstiger sein

    Es wurde bereits gezeigt, dass die höheren Kosten durch Löhne und Mieten ca. 5% vom Preis ausmachen. Da unsere MwSt. um über 10% tiefer liegen, müssten die Produkte bei uns eher günstiger sein als in der EU.

  • schirna am 09.09.2019 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    klar

    Ich gehe dann auch ich über die Grenze zum Einkaufen.....unsere Detailhändler WOLLEN DAS JA SO haben....