Bunker in Olten

29. Juni 2012 11:07; Akt: 29.06.2012 15:44 Print

Zu Besuch im Fort Knox der Schweiz

von Alex Hämmerli - 20 Minuten durfte den grössten vollautomatisierten Tresor Europas besichtigen. Hier lagern Tonnen von Gold und Wertschriften für Milliarden von Franken. Ein Bericht aus 20 Metern Tiefe.

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Das Gebäude der SIX Security Services in Olten ist unscheinbar. Kaum einer ahnt, was sich darin – beziehungsweise darunter – verbirgt. Weder patrouilliert verräterisches Wachpersonal mit Maschinenpistolen vor den Toren – noch ist das Gelände mit Stacheldraht gesichert. Das ist Absicht, denn Tresor-Betreiber mögen es diskret. Schliesslich soll niemand auf dumme Gedanken kommen.

Nach Jahren wurden die Türen erstmals wieder für Journalisten geöffnet. Und was zum Vorschein kommt, beeindruckt: Unter dem beigen Bürokomplex befindet sich nämlich der grösste vollautomatisierte Tresor Europas. Wertschriften und Edelmetalle im Wert von rund 200 Milliarden Franken werden dort aufbewahrt. Dafür müssten sämtliche Schweizer fast vier Monate arbeiten. Manche nennen die Anlage auch «das Fort Knox der Schweiz» (nicht zu verwechseln mit dem alpinen Rechenzentrum Swiss Fort Knox).

Misstrauen wird gross geschrieben

Die Führung übernimmt Daniel Schulthess, Chef der Tresoranlage. Er stellt von Beginn weg klar: «Die Überwachung ist hier eine der schärfsten Europas.» Wenig überraschend folgen uns denn auch auf Schritt und Tritt Sicherheitsleute. Zusätzlich beobachtet fühlt man sich von den Videokameras, die offenbar in jeder Ecke angebracht sind. Taschen, Handys, Fotoapparate: Nichts davon dürfen wir mitnehmen. Das Misstrauen ist offensichtlich.

Zunächst geht es in den oberirdischen Teil des 1993 erstellten Gebäudes. Hier arbeiten auf vier Stockwerken insgesamt rund 400 Leute. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die Edelmetalle (Gold, Silber, Platin und Palladium) und die Wertschriften (u. a. Aktien und Obligationen) in Empfang zu nehmen und elektronisch zu registrieren. Rund 80 Prozent der Lieferungen kommen per Post, welche «äusserst zuverlässig und sicher» sei, wie Schulthess betont. Der Grossteil der restlichen Lieferungen erfolgt mittels Panzerwagen.

Ein Papier für 1,2 Milliarden

Im Erdgeschoss zeigt Schulthess auch ein erstes Highlight: ein auf den ersten Blick unspektakuläres, eingeschweisstes Dokument in der Grösse A4. Auf den zweiten Blick erkennt man aber: Es handelt sich um eine Schweizer Bundesobligation aus dem Jahr 2004 im Wert von schier unglaublichen 1,2 Milliarden Franken! Sie wirft aus heutiger Sicht eine äusserst grosszügige Rendite von drei Prozent ab, also rund 36 Millionen pro Jahr – und das noch bis 2019.

Danach folgen wir Schulthess in einen Warenlift, der uns einen Stock tiefer bringt. Dort angekommen, erhaschen wir einen ersten Blick auf den Inhalt des Tresors: Hier rauschen mit wertvollen Dokumenten gefüllte Plastikkisten im Eilzugstempo über Rollbänder. Der weitere Transport erfolgt vollautomatisch.

Wasser gegen Panzerknacker

Zurück in den Lift. Drei Stockwerke weiter unten sind wir am Boden des Tresors angelangt. Wir stehen nun 20 Meter unter Strassenniveau – und 8 Meter unter dem durchschnittlichen Pegel der naheliegenden Aare. «Das Wasser ist eines der Sicherheitselemente gegen mögliche Diebe», sagt Schulthess. «Und nein, bei uns hat noch niemand versucht einzubrechen.»

Als die Lifttür aufgeht, schiesst uns ein kühler Luftzug entgegen. Die Anlage ist auf 18 Grad heruntergekühlt, die Luftfeuchtigkeit auf 45 Prozent reguliert. «Die idealen Verhältnisse für die Lagerung von Wertpapieren», erklärt der Chef.

Geordnetes Chaos

Das Sicherheitspersonal schwingt eine massive, sechs Tonnen schwere Stahltür auf. Dahinter öffnet sich endlich der Tresor: eine Halle, so gross wie ein halbes Fussballfeld und hoch wie ein Sprungturm im Freibad. In sechs langgezogenen Türmen sind hier die Plastikkisten gelagert: 600 000 Schuldbriefe im Wert von beinahe 200 Milliarden Franken. Die Kisten haben keinen festen Platz: Ein Roboter-Kran arrangiert sie immer wieder neu. Es gilt das Gesetz des kürzesten Wegs.

Viel spannender als die eintönigen Plastikbehälter sind jedoch die Barren, die hier gelagert sind. Auf ca. 3 Meter hohen Regalen liegen Gold, Silber, Platin und Palladium im Wert von aktuell rund 8 Milliarden Franken. Es sind wohl Tausende von Barren, die im Licht schimmern.

Ein Fundstück der besonderen Art

Auch antike Stücke sind darunter; Etwa ein Palladium-Barren mit dem Stempel der zusammengebrochenen UdSSR mit dem berühmten Hammer-und-Sichel-Symbol. Das Stück ist so gross wie zwei aufeinandergelegte Zigarettenschachteln – aber 3,5 Kilo liegt er schwer in der Hand. Könnte man den nicht einfach einstecken und heimlich verkaufen? Schliesslich ist der Barren mehr als eine halbe Million Franken wert. «Ohne Zertifikat bringt man Palladium nicht an den Mann», sagt Schulthess. Naja, dann müsste mein silbern glänzender Schatz halt als Dekoration im Wohnzimmer herhalten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mark Schefer am 29.06.2012 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    Fort Knox

    Im Gegensatz zu Fort Knox hat es da offensichtlich noch Gold. Fort Knox darf niemand besuchen, da das Gold schon lange verscherbelt wurde. Nicht einmal der Präsident der USA.....

  • Margrit am 29.06.2012 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Super. Jetzt weiss jeder wo Mil. liegen.

    Super. Bis jetzt wusste ich nichts von diesem Bunker und ich denke 99% der Schweizer auch nicht. Nun aber weiss ich das in Olten in der nähe der Aare in einem Gebäude der Firma SIX Milliarden gebunkter werden, ob da nicht irgend jemand nun auf die Idee kommt dort mal vorbei zu schauen? Das beste Mittel etwas zu schützen, ist nicht darüber zu schreiben.... Irgendwie verstehe ich die Welt nicht mehr....

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  • Claudio am 29.06.2012 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Gold

    Ich hätte lieber mal Klarheit wo das Schweizer Gold liegt. Es gibt eigentlich nur einen Ort zurück in die Schweiz.Da sollte der Bürger nicht immer getäuscht werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • O. Lahrsen am 29.06.2012 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    Betrogene Bürger?

    Immer wieder erstaunlich das die post-war generation meint sie wäre betrogen worden obwohl sie nicht einmal eine Krise erlebt und deren Mechanismen verstanden hat. Die CH hat als Trittbrettfahrer makroökonomisch soviel von den Finanzspritzen anderer profitiert, dass jene argumentieren könnten, sie mögen als Betrogene das Gold doch gerade behalten. Aber sowas darf man wahrscheinlich gar nicht sagen, so unglaublich kann der Blick über den Rand der Pizza sein. Gerechtigkeit ist halt für den am angenehmsten, für den sie psychologisch befriedigend ist.

    • Pro Libertate am 02.07.2012 01:02 Report Diesen Beitrag melden

      Kultur der Schweiz begründet Reichtum

      Das blödsinnige Geschwätz darüber, dass wir irgendwie von anderen "profitiert" hätten und nur deshalb reich seien, kann ich schon lange nicht mehr hören. Ist total absurd. Die Schweiz ist reich, weil die Schweizer hard arbeiten, gut organisirt und vor allem ehrlich sind. Das alles wiegt viel schwerer als natürliche Rohstoffe. Sieht man ja bei der schweizer Gemeinschaft in Uruguay, wo sie bei weitem die reichste Bevölkerunsgruppe sind, obwohl sie alle mausearm eingewandert waren.

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  • Roger am 29.06.2012 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    Was sind schon Milliarden?

    200Mia war noch vor wenigen Jahren ein unglaulicher Betrag. Heute ist es eines von vielen Hilfspaketen, was irgendwo im EU Nirvana versumpft.

    • Dominique Steiner am 29.06.2012 19:45 Report Diesen Beitrag melden

      Unglaubliche Zahlen

      Ja, die Zeiten ändern sich. Sogar eine eher kleine Computerfirma namens Apple hat 100 Milliarden (Dollar) Cash verfügbar. Unglaublich.....

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  • Betrogener Bürger am 29.06.2012 16:26 Report Diesen Beitrag melden

    Welches Schweizer Gold?!

    Unser Gold ist schon lange FUTSCH! Aber irgendwann wird das auch der letzte kapieren!!!

  • trojan0 am 29.06.2012 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht das Gold der Schweizer

    Hier liegt nicht das Gold der Schweizer Bevölkerung, sondern von Gold ETFs! Wo das Schweizer Gold von knapp 1000 Tonnen ist (wenn noch vorhanden und nicht verleast) wissen nur eine handvoll Leute. Gefährich oder?!

  • Margrit am 29.06.2012 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Super. Jetzt weiss jeder wo Mil. liegen.

    Super. Bis jetzt wusste ich nichts von diesem Bunker und ich denke 99% der Schweizer auch nicht. Nun aber weiss ich das in Olten in der nähe der Aare in einem Gebäude der Firma SIX Milliarden gebunkter werden, ob da nicht irgend jemand nun auf die Idee kommt dort mal vorbei zu schauen? Das beste Mittel etwas zu schützen, ist nicht darüber zu schreiben.... Irgendwie verstehe ich die Welt nicht mehr....

    • Martin ne... am 29.06.2012 13:34 Report Diesen Beitrag melden

      Jaja

      WENN jemand das Zeug dazu hat, dort einzubrechen, dann weiss er auch schon lange, wo der Bunker liegt.

    • jack black am 29.06.2012 13:48 Report Diesen Beitrag melden

      weils so einfach wäre

      und du denkst nun, da könnt jeder halbschlaue der den artikel gelesen hat, einfach mal so vorbeischauen und was mitgehen lassen? der wird nichtmal durch die eingangstür kommen. steht ja oben das es eine der schärfsten überwachungen gibt.

    • ich wars am 29.06.2012 13:52 Report Diesen Beitrag melden

      nichts neues

      also ich wusste von dem bunker schon mehrere Jahre. sowas spricht sich rum.

    • Thomas am 29.06.2012 14:16 Report Diesen Beitrag melden

      Nutzlos für Dritte

      Diese Wertpapiere sind für Diebe doch nutzlos. Nur der Eigentümer kann den Wert oder die Zinsen einfordern. Wer mit einer 1.2 Mia Bundesobligation in eine Bank stolpert und die Zinsen ausbezahlt haben will, wird doch vom Fleck weg verhaftet :) Da die Papiere für deren Eigentümer aber einen realen Wert darstellen müssen sie vor Schaden geschützt werden.

    • Lars am 29.06.2012 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Bekannt

      Dass dort all dies gelagert wird ist bekannt! Gehen Sie einmal ins Wertschriftenmuseum nebenan dann werden sie Ihnen dasselbe auch erzählen.

    • Kim am 29.06.2012 16:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Unfug

      Und vorallem weiss jeder der in der Finanzbranche arbeitet, dass der Tresor in Olten ist...

    • Marcel Brunner am 29.06.2012 16:22 Report Diesen Beitrag melden

      Ein alter Hut

      Das war sschon lange bekannt und auch nicht geheim. Jeder der sich dafür interessiert weiss das!!!

    • Ueli am 30.06.2012 10:50 Report Diesen Beitrag melden

      Wertschrift

      Ich hatte diese 1.2 Mia Wertschrift auch schon in der Hand und der Verantwortliche hat mir gesagt: " nur zu nehmen Sie die nach hause, das bringt ihnen sowieso nichts"

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