Facebook-Börsengang

16. Mai 2012 16:06; Akt: 16.05.2012 16:09 Print

Zuckerberg will noch mehr Aktien versilbern

Facebook will satte 25 Prozent mehr Aktien auf den Markt werfen als geplant. Dies nachdem der Ausgabepreis wegen der starken Nachfrage erhöht wurde.

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Der Facebook-Gründer hielt bisher 533,8 Millionen Aktien, wird sich aber von 30 Millionen trennen, um Steuern zu bezahlen. Sein verbliebener Anteil ist zum Startpreis von 38 Dollar je Aktie rund 19,1 Milliarden Dollar wert. Zudem wird er auch nach dem Börsengang fast 60 Prozent der Stimmrechte kontrollieren. Dieser junge Mann hatte das Glück, sich das Zimmer im Harvard-Studentenwohnheim mit Mark Zuckerberg zu teilen. Er wurde zu einem Mitstreiter in der Anfangszeit von Facebook. 2008 verliess er das Unternehmen, behielt aber seinen Anteil und will sich auch beim Börsengang nicht davon trennen. Die 133,7 Millionen Aktien sind zum Börsenstart knapp 5,1 Milliarden Dollar wert. Einst war er an der Musiktauschbörse Napster beteiligt und galt als «Bad Boy» des Silicon Valley. Doch Parker bewies ein ums andere Mal ein Gespür für gute Internet- Geschäftsideen, was ihn zum Milliardär machte. Bei Facebook war er der erste Präsident und half Zuckerberg, aus der Netzwerk-Idee ein Geschäft zu machen. Seine gut 69,6 Millionen Aktien sind zum Börsengang über 2,6 Milliarden Dollar wert. Er behält sie alle. Die Managerin, die von Zuckerberg persönlich bei Google abgeworben wurde, gilt als die Architektin von Facebooks Milliardenumsätzen. Der Börsengang wird sie zur Milliardärin machen: Zusammen mit bald fällig werdenden Optionen kommt sie auf rund 41,2 Millionen Aktien im Wert von über 1,56 Milliarden Dollar allein zum Ausgabepreis. Die Investmentfirma war durch ihren Partner, James Breyer (im Bild ganz rechts anlässlich einer Veranstaltung am WEF), unter den ganz frühen Facebook-Geldgebern - und das zahlt sich jetzt aus. 2005 steckte Accel 12,7 Millionen Dollar in das damals noch winzige Online-Netzwerk. Zuletzt hielten Breyer und Accel knapp 201,38 Millionen Aktien, die zum Börsenstart 7,65 Milliarden Dollar wert sind. Davon versilbern sie 49 Millionen Aktien beim Börsengang - das sind immerhin 1,86 Milliarden Dollar. Der russische Internet-Investor kam mit seiner Firma DST relativ spät bei Facebook an Bord und musste entsprechend einige hundert Millionen Dollar lockermachen. Er kann sich trotzdem auf einen fetten Gewinn freuen. Seine 131,3 Millionen Aktien sind knapp 5 Milliarden Dollar wert. Der Russe macht beim Börsengang ordentlich Kasse: Über 45,6 Millionen Aktien im Wert von 1,73 Milliarden Dollar werden verkauft - fast 20 Millionen Papiere mehr als Milner zunächst loswerden wollte. In einem Jahr darf er weitere Aktien abstossen. 2006 kaufte sich der Software-Konzern mit 1,6 Prozent bei Facebook ein und zahlte dafür 240 Millionen Dollar. Nun will Microsoft-Chef Steve Ballmer beim Börsengang 6,56 Millionen Aktien verkaufen. Dadurch bekommt er in etwa den Einstandspreis zurück. Die restlichen 26,2 Millionen Facebook-Aktien behält Microsoft im Wert zwischen Er soll einst Zuckerbergs bester Freund gewesen sein, und hatte viel Zeit und Geld in Facebook investiert. Doch dann wurde der brasilianisch-stämmige Eduardo Saverin von Zuckerberg und Sean Parker ausgetrickst. Savarin klagte zwar, doch ist unklar, wieviel Geld er herausholen konnte. Gemäss Forbes ist Saverin mit weniger als 5 Prozent der Aktien an Facebook beteiligt. Seit Januar 2009 steht er als «Mitbegründer» im Impressum von Facebook. Ihnen soll Mark Zuckerberg die Idee für Facebook gestohlen haben: Die Zwillinge Cameron und Tyler Winklevoss hatten zu Studienzeiten ihren Kommilitonen Zuckerberg als Programmierer für eine soziale Website engagiert. Die beiden Parteien prozessierten, 2008 schien der Streit mit einem Vergleich abgeschlossen zu sein. Die Brüder versuchen aber weiter, Zuckerberg vor Gericht zu ziehen. Beim Börsengang von Facebook werden sie leer ausgehen. Es bleiben ihnen lediglich die aus dem Vergleich.

Gewinner und Verlierer des Börsenganges.

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Facebook will das Maximum aus seinem Börsengang herausholen. Wegen der starken Nachfrage bietet das weltgrösste soziale Netzwerk 25 Prozent mehr Aktien an als bislang geplant. Damit könnte die Erstemission der Superlative am Freitag in die Top Ten der grössten Börsengänge vorstossen.

Die Entscheidung des 28-jährigen Facebook-Gründers und Firmenchefs Mark Zuckerberg folgt kurz auf die Anhebung der Preisforderung. Die Aktien werden in einer Spanne von je 34 bis 38 Dollar angeboten statt der zuvor vorgesehenen 28 bis 35 Dollar. An die Anleger gebracht werden sollen nun rund 421 Mio. Aktien, das sind 84 Mio. mehr als bislang angestrebt, wie Facebook am Mittwoch in einer Mitteilung an die Börsenaufsicht erklärte.

Zuckerberg bleibt auch nach dem Börsengang mit einem Stimmrechtsanteil von 57,5 Prozent Mehrheitseigner. Am Donnerstag will das US-Unternehmen den Ausgabepreis festlegen.

Publikumsöffnung der Superlative

Unter den Technologieunternehmen steht Facebook für den mit Abstand grössten Börsengang aller Zeiten. Der US-Internetgigant Google etwa erzielte 2004 nur knapp 2 Mrd. Dollar. Die Nummer eins ist - bis zum geplanten Handelsstart von Facebook am Freitag - noch der deutsche Chipkonzern Infineon mit einem Erlös von 5,9 Mrd. Dollar.

Zusammen mit der sogenannten Mehrzuteilungsoption - eine Art Aktienreserve der beteiligten Banken - könnte der Börsengang von Facebook sogar auf bis zu 18,4 Mrd. Dollar anschwellen.

Damit würde Facebook an die beiden grössten Börsengänge der US- Geschichte anschliessen: Die Kreditkartenfirma Visa hatte 2008 inklusive Mehrzuteilung 19,7 Mrd. Dollar eingenommen und der Autokonzern General Motors im Jahr 2010 nach seinem Neustart 23,1 Mrd. Dollar. Die Rückkehr von GM aufs Parkett war der grösste Börsengang aller Zeiten.

Mehr wert als HP und Dell

Von den Einnahmen des Börsengangs fliessen Facebook selbst nur etwas mehr als die Hälfte zu. Der Rest geht an Geldgeber, die das Potenzial des Onlinetreffpunkts früh erkannt haben. Auch mit dem angepeilten Börsenwert deklassiert Facebook die anderen Technologiegrössen. Mit 93 bis 104 Mrd. Dollar wäre das Onlineportal mehr wert als die Computer-Riesen Hewlett-Packard und Dell zusammen.

Der Rummel um Facebook sorgt unter Finanzmarktexperten für Staunen und Befremden zugleich. «Das ist mehr ein Spektakel, ein Medienereignis und ein kulturhistorischer Augenblick, als es ein Börsengang ist», sagte Analyst Max Wolff von GreenCrest Capital. Geschäftsmodelle und -daten spielten mittlerweile kaum eine Rolle mehr. Wolff erwartet, dass die Facebook-Aktie beim Debüt an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq um etwa zehn Prozent zulegt.

Skepsis über Geschäftsmodell

Skeptische Investoren fragen sich, wie Facebook längerfristig die hochgesteckten Erwartungen erfüllen kann. Ihrer Einschätzung zufolge hat das Unternehmen bisher keine Strategie aufgezeigt, wie es aus der wachsenden Zahl an Nutzern Kapital schlagen kann, die über mobile Geräte auf Facebook zugreifen.

Ausserdem hat sich das Umsatzwachstum aus dem zentralen Geschäft mit Online-Anzeigen in den vergangenen Monaten verlangsamt. Wasser in den Wein goss - ausgerechnet kurz vor dem Börsengang - nun auch GM. Der US-Autobauer kündigte an, künftig keine Werbung mehr über Facebook zu schalten.

Die Opel-Mutter hält offenbar die Erfolgsaussichten der Werbung bei Facebook für zu gering. «Das wird die Nachfrage nach dem Börsengang wahrscheinlich nicht wesentlich beeinträchtigen», sagte Analyst Brian Wieser von Pivotal Research Group. Das Vorgehen von GM müsse nicht repräsentativ für die Mehrheit der Anzeigenkunden sein.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bücherwurm am 16.05.2012 22:14 Report Diesen Beitrag melden

    Lese lieber Bücher

    Bin immer noch nicht auf Facebook und werde auch keine Aktien kaufen. Facebook ist ein Zeitfresser - seine Konkurrenz natürlich auch. Die Zeit ist mir zu schade. Ich lese lieber gute Bücher aus Papier. Der etwas ältere Zeitfresser Email genügt mir vollkommen! Am liebsten schreibe ich Dreizeiler!

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  • G. Wiesli am 16.05.2012 20:05 Report Diesen Beitrag melden

    Cover your wealth

    Investoren rate ich generell Anlagen in High Tech bzw Banken ab! Barkieren Sie ihre Liquiditaet lieber in einem breit diversifizierten Schweizer Immobilienfonds, dann wissen sie was sie haben. Qualitaet, die ihnen jaehrlich eine Rendite von 3.5% ausschuetet. Aktuell ist das Flagship der UBS, der SIMA (Valor 1'442'087), eine attraktive Loesung, der nach der Kapitalerhoehung mit einem guenstigen Agio daherkommt. Zudem ist seine Diversifikation sowie Liquiditaet in CH einzigartig.

  • huynh luan am 16.05.2012 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    die lemminge

    können nicht schnell genug rennen, den finanzhaien und mr zuckerberg ihr sauer verdientes geld in den hintern zu blasen, um es dann wohl sang und klanglos dahinschmelzen zu sehen. auch für zuckerhütige zauberlerlinge wird es keine wunder geben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • BaceFook am 17.05.2012 00:27 Report Diesen Beitrag melden

    das wird..

    ein griff ins klo .... fragt sich nur für wen..

  • Daniel Ilic am 17.05.2012 00:25 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso Blase?

    Im gegensatz zur Blase im Jahr 2001, produziert Facebook Gewinn! Ausserdem ist ein Geschäftsmodel ersichtlich (Geld verdienen durch Werbung, wie Google). Die IT-Blase welche im Jahr 2011 platzte, waren Firmen, welche kein Gewinn abwarfen!! Warum reden immer alle von einer Blase? Facebook kann nur an Wert verlieren oder wie Google ernorm gewinnen, wenn es ihnen gelingt, die Daten besser zu nutzen und zu vermarkten! Börse ist wie Casino! Keine wird gezwungen mitzumachen! Ich riskiere es! ;-)

    • Dagegen wetten am 17.05.2012 10:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Von der Stampede profitieren

      Ich wette dagegen! Sobald Instrumente vorhanden sind um auf fallenden Facebook Aktienkurs zu wetten schlage ich zu. Warum? Die Bewertung ist mehr als der Gewinn der nächsten 100 Jahre. c'mon, es ist komplett absurd dass keine neuen Firmen mehr nachkommen sollen die Facebook vom Thron stossen wie zuvor Bei Google, Yahoo, Microsoft, etc etc auch passiert

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  • Bücherwurm am 16.05.2012 22:14 Report Diesen Beitrag melden

    Lese lieber Bücher

    Bin immer noch nicht auf Facebook und werde auch keine Aktien kaufen. Facebook ist ein Zeitfresser - seine Konkurrenz natürlich auch. Die Zeit ist mir zu schade. Ich lese lieber gute Bücher aus Papier. Der etwas ältere Zeitfresser Email genügt mir vollkommen! Am liebsten schreibe ich Dreizeiler!

    • andreas keller am 17.05.2012 04:54 Report Diesen Beitrag melden

      Einsam....?

      Also sowas. Ein Buch mit Social-Media zu vergleichen hinkt schon ein bisschen. Ich habe durch FB wieder viele alte (reale) Freunde wiedergefunden und Pflege den Kontakt auch Real-Life. Für mich bist Du genau einer von jenen, die vom Hören Sagen handeln, und nicht wissen worums geht und was das Potenzial der Plattform ist. PS: Mit einem Buch kannst Du genauso vereinsamen wie der Falschnutzung eine solchen Plattform.

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  • G. Wiesli am 16.05.2012 20:05 Report Diesen Beitrag melden

    Cover your wealth

    Investoren rate ich generell Anlagen in High Tech bzw Banken ab! Barkieren Sie ihre Liquiditaet lieber in einem breit diversifizierten Schweizer Immobilienfonds, dann wissen sie was sie haben. Qualitaet, die ihnen jaehrlich eine Rendite von 3.5% ausschuetet. Aktuell ist das Flagship der UBS, der SIMA (Valor 1'442'087), eine attraktive Loesung, der nach der Kapitalerhoehung mit einem guenstigen Agio daherkommt. Zudem ist seine Diversifikation sowie Liquiditaet in CH einzigartig.

  • Mike am 16.05.2012 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Megablase

    Naja, das ganze nimmt langsam groteske Formen an. Wer da mitspielt, muss dann nicht jammern, wenn der Buchwert im Minusbereich endet.

    • Gordon Shamway am 16.05.2012 20:23 Report Diesen Beitrag melden

      Schon, aber...

      Wer viel Geld hat und kurzfristig viel gewinnen will, wird hier seine Schäfchen ins trockene bringen. Wer aber nach einer längerfristigen Anlage sucht, ist sicher falsch. Es ist ein types "Hype"-Produkt für Abzocker.

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