Zahlungsmethode

10. Mai 2016 11:25; Akt: 10.05.2016 11:48 Print

Zug setzt als weltweit erste Stadt auf Bitcoin

Erstmals akzeptiert eine Behörde eine Kryptowährung für Zahlungen. Die Zuger SVP sieht das Pilotprojekt als Gefahr.

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Revolutionäres Projekt: Ein Luftbild der Stadt Zug, wo die Zahlung mit Kryptowährung versuchsweise zur Anwendung kommt. (Archiv) (Bild: Keystone)

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Die Zahlung mit Bitcoins oder mit digitalen Münzen ist neuerdings in der Schweiz möglich. Das weltweit verwendbare dezentrale Zahlungssystem wird bis Ende Jahr versuchsweise in der Stadt Zug erprobt, wie die NZZ in ihrer heutigen Ausgabe berichtet. Ab 1. Juli können Gebühren bis zu 200 Franken direkt am Schalter der Einwohnerkontrolle mit Bitcoins bezahlt werden. Nachdem das Pilotprojekt beendet ist, wollen die Behörden Bilanz ziehen.

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Die Stadt schreibt damit international Geschichte. Das sei weltweit das erste Mal, dass auf staatlicher Ebene Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptiert würden, sagt Niklas Nikolajsen in der NZZ. Der Däne ist Geschäftsführer und Mitbegründer der Bitcoin Suisse AG. Seine Firma in Baar ZG kauft und verkauft die Kryptowährung. «Die in der Schweiz kaum wahrgenommene Pioniertat war denn auch in den letzten Tagen das grosse Thema in den einschlägigen Foren der digitalen Finanzbranche», erklärt die Zeitung aus Zürich. Es sei indessen kein Zufall, dass ausgerechnet Zug den Eisbrecher dieser kontrovers diskutierten Technologie spiele. Mehr als 15 Unternehmen aus dieser Branche hätten sich im Kanton aus der Zentralschweiz angesiedelt.

Ein starkes Marketing-Signal

Stadtpräsident Dolfi Müller (SP) begrüsst das Pilotprojekt. Man wolle im Rahmen der Strategie Zug 2035 frühzeitig Erfahrungen mit solchen Technologien sammeln. Luzius Meisser, Präsident der Dachorganisation Bitcoin Association Switzerland, hebt das starke Marketing-Signal hervor: Zug gebe damit der Branche zu verstehen, dass sie hier willkommen sei. Dies sei wichtig, auch wenn das Bedürfnis, Bitcoins für Zahlungen im staatlichen Umfeld einzusetzen, gegenwärtig noch nicht allzu gross sein dürfte, erklärte er der NZZ.

Die Anwendung des modernen Zahlungsmittels wird offenbar nicht von allen im Ort goutiert. Die SVP beispielsweise ist gar nicht erfreut. Es sei höchst bedenklich, dass eine staatliche Behörde Bitcoins akzeptiere. Denn es handle sich nicht um eine sichere Währung, warnt der Zuger SVP-Gemeinderat Gregor Bruhin. «Tatsächlich häuften sich in letzter Zeit die Anzeichen dafür, dass die Kryptowährung von ihrer Konzeption her und technisch an Grenzen stösst. Auch die anhaltenden Diskussionen, wer die Kryptowährung erfunden habe, tragen nicht gerade zur Vertrauensbildung bei», kommentiert die Zeitung. Bruhin weist zudem darauf hin, dass die Stadt Zug die Stellung des Bargeldes untergraben könne. Ausserdem sei die Geld- und Währungseinheit Sache des Bundes.

Der Schritt des Wiener Hotels

Andernorts stösst die Neuerung im Kanton durchaus auf Wohlwollen. Es sei gut, wenn der Staat definiere, unter welchen Bedingungen Kryptowährungen wie Bitcoins akzeptiert würden, meint Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel (FDP). «Das werden wir in der Stadt Zug genau verfolgen.»

Kürzlich verlangte der Harvard-Professor und frühere US-Finanzminister Lawrence Summers in der «Financial Times», die Ausgabe der 1000er-Frankennote zu stoppen. Zugs Stadtpräsident will nicht so weit gehen. Müller könnte sich aber vorstellen, dass es in Zukunft möglich sei, auch die Steuerrechnung mittels Bitcoins zu begleichen.

Neben den Behörden der Stadt Zug haben vor allem private Institutionen die neue Form der Bezahlmethode entdeckt. So nimmt beispielsweise das Wiener Hotel Schani seit April dieses Jahres Bitcoins als Zahlungsmittel an, wie das österreichische Fachportal AHGZschreibt.

(fal)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • §§§ am 10.05.2016 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tausch Währungen

    Ob Bitcoins WIR-Geld oder Reka-Checks das ist alles Kryptowährung die man sehrewohl mit harter Währung kaufen kann, aber für welch es keinen einzigen Rappen oder Franken Bares zurück gibt. Darum wers nicht wirklich braucht Finger weg von sogenannten Tausch-Währungen.

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  • Phil am 10.05.2016 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Ah, soso....

    "Es handle sich nicht um eine sichere Währung, warnt der Zuger SVP-Gemeinderat Gregor Bruhin." Ich möchte ja nicht ernsthaft wissen wie "sicher" die staatlichen Währungen sind, mittels welchen die Staaten in aller Welt auf Kosten von Steuerzahlern, Kleinsparern und zukünftigen Pensionären ihre Schulden inflationär abbauen.

  • Denker am 10.05.2016 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Bitcoin

    Lieber Bitcoins als Währungen welche durch die tief Zins Politik inflationiert wird. Über Bitcoins hat kein Staat Macht. Solange nur Staaten ihr Geld kreieren dürfen leben wir im Geld Sozialismus.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roger Simone am 14.05.2016 00:54 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Kryptowährung im Ktö ZUG

    Ich würde mir Swisscoin (Firmensitz in Baar) ansehen wo genau gleich wie OneCoin aufgebaut ist. Der Vorteil: Swisscoin ist erst 14 Tage alt und durch das MLM sehr lukrativ für Neueinsteiger. Man ist sozusagen von Anfang an bereits dabei. Die Anmeldung ist relativ unkompliziert ohne Zahlungspflicht und werbefrei. Die ersten 2 Mio User kriegen sogar 100.- Bonus. Hier der Link Viel Spass dabei Roger

  • Henker am 10.05.2016 22:51 Report Diesen Beitrag melden

    50er

    Warum eigentlich noch neue Noten drucken? In 10 bis 20 Jahren wird die Gesellschaft bargeldlos sein. Ob das dann besser ist mag ich zu bezweifeln. Aber die Vorbereitungen und entsprechende Gehirnwäsche laufen seit Jahren auf hochtouren.

  • flikflak am 10.05.2016 21:19 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist daran so fragwürdig?

    Ich finde den Bitcoin eine tolle Sache. Vor 5 Jahren hat man (auch ich) die Leute noch belächelt. Mittlerweile kann man damit sogar im Edeka einkaufen. Eine Währung, die man Weltweit tauschen kann, die nicht reguliert wird und jede Transaktion ist öffentlich einsehbar. Ich wünsche mir mehr Mut und mehr Akzeptanz für solche coins, wer nicht will, der muss ja nicht damit zahlen.

    • HerrCool.es am 10.05.2016 21:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @flikflak

      Anerkannt ist bitcoin erst, wenn man damit Steuern bezahlen kann

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  • Sergo am 10.05.2016 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    Wie werden die Kosten gerechnet?

    Es ist doch alles eine Zeitfrage. Laut Wikipedia gibt es alle 4 Jahre eine Halbierung und soll bis zum Jahre 2142 andauern. Was mich aber Wunder nimmt, wie es danach ausschaut und wie es lösbar wäre? Das andere dabei ist wie verhalten sich den die Stromkosten, wird dies nicht zu teuer?

    • flikflak am 10.05.2016 21:40 Report Diesen Beitrag melden

      Die Zeitfrage ist irrelevant

      Bitcoins werden bis ins 2142 ausgeschüttet. Alles was bereits an coins im Umlauf ist (gut 75% von 21 Millionen), bleibt auch im Umlauf. Es ist wie mit den neuen Noten, die nun ausgegeben werden. Wenn die SNB die neuen Noten auf den Markt gebracht hat, bleiben sie weiterhin im Zahlungsverkehr gültig. Mann kann ab 2142 keine neuen Noten mehr drucken, was gar nicht so schlimm ist, denn dadurch gibt es weniger Entwertung, weil die Resource wie ein Metall halt nur in begrenzten Mengen vorhanden ist. Kosten werden mit Transaktionsgebühren gedeckt, ein Bruchteil von dem was Banken und Visa wollen.

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  • T.M. am 10.05.2016 19:44 Report Diesen Beitrag melden

    Die SVP

    Natürlich sieht der SVP Mann eine Gefahr, die Gefahr die so gehegten und gepflegten Superreichen welche wohl die wahren Leute sind für welche sich die SVP einsetzt könnten sich von der Partei abwenden. Da der Häuptling in Milliarden schwimmt, kann und muss es der SVP natürlich Angst machen.