Zustupf von Mami und Papi

11. September 2018 10:13; Akt: 11.09.2018 13:26 Print

Die Hälfte der Lehrlinge bekommt Extra-Geld

Mit der Lehre kommt der Stutz: Wie gehen Jugendliche mit ihrem Lehrlingslohn um? Eine neue Studie zeigt es.

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Die Lehrzeit bedeutet für viele junge Schweizer, dass sie zum ersten Mal selbst Geld verdienen. Eine Studie des Verbands Schweizerischer Kantonalbanken zeigt: Im Durchschnitt liegt der Lohn von Lernenden im zweiten Semester bei 764 Franken. Wie die Studie zeigt, muss weniger als ein Drittel einen Teil des Lehrlingslohns für die Wohn- und Lebenskosten zu Hause abgeben. Die Lehrstellenplattform Yousty hat über 4000 Lehrlinge dazu befragt, wie zufrieden sie mit ihrem Job sind. Von zehn verfügbaren Punkten bewerteten die Männer ihre Lehrstelle mit der Punktzahl 7,1. Die Frauen vergaben ihrem Job 6,9 Punkte. Gegenüber dem Vorjahr hat die Zufriedenheit bei beiden Geschlechtern zugenommen. Die zufriedensten Lehrlinge arbeiten in den Kantonen Bern und Basel-Landschaft. Die hohe Zufriedenheit erklären die Studienautoren damit, dass insbesondere der Kanton Bern und die Bundesverwaltung die grössten Arbeitgeber im Kanton sind und zudem grosse Unternehmen wie Post, SBB und Swisscom, die eine Vorbildfunktion bei der Berufsbildung einnehmen, dort ansässig sind. Im Kanton Basel-Landschaft wird die hohe Zufriedenheit damit begründet, dass in dieser Region die Pharmaindustrie dominiert, die «leistungsstarke und motivierte Jugendliche anlockt». Nach ihren Zukunftsplänen befragt, gibt nur eine Minderheit an, weiterhin auf dem Beruf arbeiten zu wollen. Jürg Schweri, Professor am Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung, erklärt die grosse Nachfrage nach Weiterbildung damit, «dass die Jungen sich heute sehr früh bewusst sind, dass allein eine Lehre für eine erfolgreiche Berufskarriere nicht mehr ausreicht». Lehrabgänger, die ihre Zukunft nicht im Lehrbetrieb oder im gelernten Beruf sehen, sind für die betroffenen Branchen problematisch. «Es ist sehr schwierig, gute Lehrabgänger zu finden», bestätigt Markus Bär vom Maler- und Gipserverband.

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Die Lehre bedeutet für Jugendliche viel Neues: Der Tagesablauf ist komplett anders als in der Schule, der Umgang mit Chefs anders als der mit Lehrern. Die Lehrzeit bedeutet aber auch, mit 15 oder 16 zum ersten Mal selbst Geld zu verdienen.

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Lehrlingslohn plus Zustupf von den Eltern – das finde ich ...

Wie gehen die Jugendlichen mit der neuen finanziellen Freiheit um? Das wollte der Verband Schweizerischer Kantonalbanken wissen und hat knapp 1000 Lernende im zweiten Semester befragt.

Sind Sie Lehrling oder haben Sie Kinder in der Ausbildung? Wie sieht es mit Sackgeld aus?

20 Minuten hat die wichtigsten Ergebnisse der Studie zusammengestellt.

• Der Lohn

Die Höhe der Lehrlingslöhne variiert stark zwischen den Lernenden. Im Durchschnitt liegt der Lohn der Befragten bei 764 Franken. Der Median-Lohn beträgt 683 Franken. Der Grossteil der Lernenden im zweiten Semester (45 Prozent) verdient zwischen 500 und 700 Franken. 37 Prozent bekommen einen Lohn zwischen 700 und 1000 Franken.

• Die Lebenskosten

Die meisten der befragten Lernenden leben gratis im Elternhaus. Auch für die Mahlzeiten müssen sie nichts bezahlen. Wie die Studie zeigt, müssen weniger als ein Drittel einen Teil ihres Lehrlingslohns für die Wohn- und Lebenskosten zu Hause abgeben.

• Das Extra-Geld

Rund die Hälfte der Lernenden bekommt zusätzlich zum Lehrlingslohn Geld aus weiteren Quellen – meist von der Familie. Ein Drittel davon erhält das zusätzliche Geld von den Eltern. Bei 12 Prozent steuern Grosseltern, Götti und Gotte oder weitere Personen einen Zustupf zum Monatsbudget bei.

• Das Gesamtbudget

Durch den Zustupf der Familie haben viele Lernende in der Schweiz mehr Geld im Monat zur Verfügung als nur ihren Lehrlingslohn. Ein Drittel hat ein Gesamtbudget zwischen 500 und 700 Franken. Jeder Fünfte verfügt sogar über mehr als 1000 Franken.

• Die Zufriedenheit

Die Befragten sind grösstenteils zufrieden mit ihrer finanziellen Situation. 27 Prozent geben an, dass ihr Geld genau für ihre Bedürfnisse reiche. Weitere 27 Prozent finden sogar, sie hätten etwas mehr Geld, als sie brauchen. Nur 8 Prozent der Jugendlichen klagen über viel zu wenig Geld.

• Die Ausgaben

Befragt wurden die Lernenden auch, welche Dinge sie aus dem eigenen Sack bezahlen. 84 Prozent berappen den Ausgang hauptsächlich selbst – etwa Ausgaben wie Eintrittspreise oder Kosten für Getränke und Essen. Die Ausgaben für Kleider, das Mittagessen unter der Woche und für Musik oder Games finanziert ebenfalls die Mehrheit ganz oder teilweise aus dem eigenen Budget.

• Das Sparen

Eine deutliche Mehrheit der Lernenden will regelmässig
sparen. Etwa 85 Prozent der Befragten findet es sinnvoll und richtig, bereits während der Lehre etwas zur Seite zu legen. Rund 70 Prozent sparen jeden Monat einen gewissen Betrag.

(vb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Verstehe ich nicht am 11.09.2018 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind wir denn hier?

    Bitte? Lese ich da richtig? Die HÄLFTE bekommt zusätzlich Geld. Ich habe meine Lehre vor 4 jahren abgeschlossen und als bäcker keine riesen Lohn gehabt. Trotzdem wäre es mier nie in den sinn gekommen meine eltern um geld zu bitten. Im gegenteil ich habe zuhause noch was abgegeben und konnte trotzdem geld zur seite legen

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  • Sally am 11.09.2018 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Ansatz

    ...so lernen die Jugendlichen den Umgang mit Geld nie und kommen ins Schleudern, wenn der Zustupf mal endet. Und dann wundern, dass die Selbstständigkeit auf der Strecke bleibt.

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  • Fleur am 11.09.2018 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    Lehrjahre sind keine Herrenjahre

    Wenn die nichts abgeben müssen und von den Eltern alles bezahlt wird (KK, Abo,Kost und Logis) so sollten sie mit dem Lehrlingslohn ohne weiteres auskommen für Kleider Ausgang und Sonstiges, alles andere ist übertrieben und bereitet sie nicht aufs Leben vor

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Anonym am 16.09.2018 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Lehrjahre sind keine Herrenjahre

    Was fällt eigentlich Jael und ihrer unverschämten Generation ein, sich von den Eltern durchfüttern und aushalten zu lassen und dann auch noch zusätzlich Geld zu verlangen? Die würde ich hochkantig daheim herauswerfen, ihr alle Zahlungen streichen und sie das jahrzehntelang für sie gezahlte Geld umgehend zurückzahlen lassen. Das Leben fragt nicht nach ihr und es geht nicht um sie.

  • Saskia Graf am 12.09.2018 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt und sofort Gesellschaft

    Ich glaubs ja kaum. Was machen die Jugendlichen wenn Mama und Papa mal nicht mehr sind? Ich musste jeden Monat zuhause etwas für kosten und logie abgeben. Und man glaubt es kaum, es hat trotzdem für alles was ich wollte gereicht. Vielleicht musst ich etwas sparen bis ich es mir leisten konnte, aber das hat mir sicher nicht geschadet, im Gegenteil.

  • Soley am 12.09.2018 15:01 Report Diesen Beitrag melden

    Das liebe Geld

    Schwieriges Thema! Wir haben zwei Söhne (1. und 3. Lehrjahr), mit welchen wir vor Lehrbeginn eine Budgetplanung machten. So wissen sie (theoretisch), wie viel Geld sie pro Monat für was ausgeben müssen/können. Wir bezahlen die KK, Zahnarzt und das Essen können sie von zu Hause mitnehmen. Sie müssen 100.- rsp. 150.- zu Hause abgeben, wissen aber nicht, dass wir dieses Geld für sie auf ein Sparkonto einzahlen. Der Ältere kann leider überhaupt nicht mit Geld umgehen und ist regelmässig pleite, während der Jüngere schon einiges auf dem Sparkonto hat - und das trotz gleicher Erziehung/Regelung.

  • Carmen Drossel am 12.09.2018 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Umgang mit Geld soll gelernt sein!

    Unsere vier Kinder müssen/ mussten (egal ob 3 oder 4 jährige Lehre) ab dem 1. Jahnuar nach Lehrbeginn 100.- Fr. pro Monat Kostgeld zahlen. Der Kühlschrank ist immer gefüllt und Mittagessen kann daraus mitgenommen werden. Wir Elter zahlen ÖV, Schulsachen (wenn nicht vom Betrieb übernommen) und Krankenkasse. Unsere Kinder finanzieren den Rest; Handy, auswärts essen, Ausgang, extra Ferien, Führerschein, Klamotten, Schuhe. Nach der Lehre steigt das Kostgeld auf 500.- Fr. und der Rest muss selber bezahlt werden. Ab 25ig wird das Kostgeld neu ausgehandelt. Bis jetzt sind aber vorher ausgezogen!

  • Noémi Barmet am 12.09.2018 09:19 Report Diesen Beitrag melden

    Aber klar

    2000chf/Monat zum bisschen schön haben ist schon etwas Realitätsfremd... Ich arbeite als Elektroprojektleiterin und verdiene genug, aber selbt da bleiben mir keine 2000chf pro Monat für Freizeit und shoppen....