Sommertourismus

06. Juli 2010 09:32; Akt: 06.07.2010 14:29 Print

Zwei Sportarten, ein Weg, kein Problem

von Othmar Bamert - Wintersportorte leiden unter dem Klimawandel. Sie setzen im Sommer vermehrt auf Biker – und leiten diese auf Wanderwege. Konfliktpotenzial sehen sie keines.

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Die Biker sollen neuen Schwung ins Sommergeschäft bringen. (Bild: Keystone)

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In der Schweiz ist der Sommer heiss und die Winter immer wärmer: Die Folgen der Klimaerwärmung lassen vor allem die Schweizer Tourismus-Regionen nicht kalt. Gerade die klassischen Wintersportdestinationen stehen vor einem Umbruch. Das prophezeien die Trendforscher des Gottlieb Duttweiler Instituts GDI. Sie haben soeben für Schweiz Tourismus eine Studie zum heissen Thema verfasst. «Für die Schweiz ist es von zentraler Bedeutung, Sommergäste zu gewinnen», so die Forscher.

Die Region Davos geht – oder besser fährt – mit dem Sommertrend mit. Zur Überbrückung des «Sommerlochs» haben es die Touristiker aus dem Landwassertal auf die Mountainbiker abgesehen. Denn in der Schweiz gibt es mittlerweile mehr Velofahrer als Skifahrer, zudem gelten die Biker als ausgabefreudiger als die traditionellen Wanderer. Die Spezies «Biker» unterteilt sich mittlerweile in eine Vielzahl von Untergruppen, vom klassischen (Elektro-)Radwanderer über den Bergpass-«Gümmeler» bis hin zum jugendlichen Freerider. «Biken ist ein Massensport für jung und alt geworden», sagt Branchenexperte Thomas Giger, Herausgeber der Mountainbike-Magazins «Ride».

Davos-Klosters: Single-Trail-Destination

Die Region Davos positioniert sich neu seit Anfang Woche als «Single-Trail»-Destination für die sportlichen Biker. Markus Unterfinger, Leiter Kommunikation von Davos Tourismus, schwärmt von den neuen Angeboten, die den Sommergästen den Ritt durchs Landwassertal auf zwei Rädern schmackhaft machen soll. «Auf diese Saison hin wurden elf neue Single-Trail-Routen ausgeschildert, nun können wir zusammen mit dem Prättigau über 25 Bike-Routen anbieten», freut sich Unterfinger. Sämtliche Bergbahnen der Region transportieren ausserdem die Bikes in die Höhe, für fünf Franken pro Fahrt. Und die Biker fahren gar gratis mit, falls sie bezahlend in der Region übernachten, zum Beispiel im Hotel oder auf dem Campingplatz.

Bikerhotels, Bahntransport, Wettkämpfe

Viele Hotels ködern die Velofahrer mit einem auf sie zugeschnittenen Spezialservice. Als «Bike-Hotels» bieten sie einen Velo-Raum, eine Reparatur-Werkstatt, raschen Kleiderwaschservice und spezielle Lunchpakete für den Sportlerhunger an. Denn um die Velofahrer vom ebenso velofreundlichen Unterland in die Berge zu locken, braucht es eine Batterie von Argumenten, ist Touristiker Untersinger überzeugt: «Unterkunft, Transport, sportliches Angebot». Dass Davos gezielt die Sportler unter den Bikern anspricht, zeigt sich auch an den angebotenen Wettkämpfen. Einer davon ist das Bike-Masters, das heuer am Wochenende vom 17. bis 18. Juli stattfindet.

Im letzten Jahr (April 2009 - April 2010) verzeichnete die Destination Davos Klosters rund 2,1 Millionen Übernachtungen, die Hälfte davon fiel im Sommerhalbjahr an. Allerdings ist die Wertschöpfung pro Gast im Winter viel höher – durch Bahntickets, Jagertee, Fondueplausch usw.

Engadin: Für «Genuss- und Tourenbiker»

Die Region Engadin positioniert sich mit ihrem Biker-Angebot etwas konservativer als die Davoser. «Wir sprechen vor allem die Genuss- und Tourenbiker an», sagt Sara Roloff, PR-Leiterin Tourismusorganisation Engadin St. Moritz. Die Region bietet unter anderem spezifische Angebote für Familien, die etwa Unterkunft, Tour-Begleitung und ein Fahrtechnik-Workshop beinhalten. Einlösbar ist das Paket in verschiedenen Hotels, vom günstigen Sporthotel bis zur Fünfsterne-Unterkunft in St. Moritz. Damit würden alle Biker-Geschmäcker abgedeckt, so Roloff. Sie schränkt die Bike-Ambitionen der Engadiner jedoch ein: «Die Wanderer bleiben unsere Hauptzielgruppe im Sommer.»

Das «Zusammenleben» von Bikern und Wanderern auf Bergwegen ist jedoch nicht unproblematisch. Die beiden Bike-Regionen setzen hier – nicht zuletzt aus Platznot – auf Toleranz. In der Region Davos sind die gleichen Wege für Biker wie für Wanderer ausgeschildert. Ausserdem existiere ein spezieller «Ehrenkodex». Unterfinger: «Wir appellieren an die Toleranz, statt Verbote zu erlassen.» Das dies der richtige Ansatz ist, bestätigt Bike-Experte Giger: «Der Konflikt zwischen Bikern und Wanderern wird überbewertet.» Die Wege gehörten beiden Gruppen, und ausserdem sei klar: «Der Stärkere nimmt auf den Schwächeren Rücksicht.» Und zur besseren Verständigung der beiden Gruppen verteilen die Tourismusregionen übrigens Fahrradklingeln.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jonas am 06.07.2010 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    wieso

    Ich bin 2, 3 mal wöchentlich auf dem Bike im Oberwallis unterwegs. Dazu benutze ich bergauf die Bahn und runter die Wanderwege. In der Bahn begegnen uns die Leute immer mit Interesse und noch recht freundlich. Doch auf den Wanderwegen werden wir immer wieder, meistens von Touristen und nicht einheimischen Personen, dermassen angeschrien und beschimpft, dass ich mich frage was das soll??? Wieso soll ein Tourist der 1 Tag im Jahr hier wandert mehr Recht haben den Wanderweg zu benutzen, als ich, der diese Saison diesen Weg mindestens schon 35, 40 mal gefahren ist?

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  • Sonja Brunner am 06.07.2010 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Toleranz in Mass

    Solange der / die Biker nicht in mich und meineFamilie fahren,wenn ich auf dem Wanderweg wandere,ist es mir egal ob sie dort sind.Wanderer haben einfach Vortritt.

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  • Biker am 06.07.2010 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    "Experte" Gigers Witz des Tages

    «Wir appellieren an die Toleranz, statt Verbote zu erlassen.» Abkassieren ohne Verantwortung zu übernehmen, das möchten sie gerne, nicht. Vielleicht, Herr Giger, machen Sie mal die Augen auf und zählen die Regelübertritte auf der Strasse, die durch Velofahrer begangen werden. Ihr Rezept geht hier unten in der Stadt schon seit ein paar Jahrzehnten schief und sie meinen doch tatsächlich, dass es bei ihnen oben funktioniert. Ich hoffe dass sie einmal genauso unverbindlich von einem Velo umgefahren werden wie sie ihren Spruch geäussert haben damit sie ihre Toleranz testen können, Herr Giger !

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dani K am 08.07.2010 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Bikerangebot

    Liebe Feriendestionationen: Hier ein einfacher und höchst nachhaltiger Vorschlag für euer Problem Biker vs. Wanderer: Baut Bikeparks nach dem Vorbild WHISTLER oder Portes du Soleil. Markiert alle Trails mit Schildern. Diese sind für Biker reserviert. Dann markiert ihr seperate Wege für Wanderer. Erstellt Karten wo man eine Klare unterteilung sieht. Problem für immer gelöst und euer Ertrag wird sich ebenfalls steigern!

  • Davoser Biker am 07.07.2010 14:58 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll jetzt das wieder?

    Ich wohne seit Geburt in Davos und Bike in der Region seit mehr als 10 Jahren. und zwar auf den gleichen Trails wie auch noch heute, der unterschied ist nur das seit diesem Jahr diverse Strecken Beschildert sind. Der Kleinste Teil dieser Strecken sind sind Downhilltrails, der Rest sind "Normale" Wege für Biker wie ich die auch gerne aufwärts Fahren!!! In dieser Zeit als Biker hatte ich nie einen Konflikt mit Wanderern, es braucht Ja nur ein "Grüezi und Danka". Es sind einzelne Downhiller die nicht wissen wie man sich zu benehmen hat. In GR gelten übrigens alle Wanderwege auch als Bikeweg!!

  • Bergfloh am 07.07.2010 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Kindsköpfe

    Ich bin praktisch jedes Wochenenden mit dem Bike unterwegs. Meist auf Bike-Strecken, ab und an auf Wanderwegen. Da ich bremse wenn mir ein Wanderer im "Weg steht" und diese auch grüsse, habe ich selten bis nie Probleme mit Wanderern. Auch musste ich schon anhalten und Wanderer mal auf ihr agressives Verhalten ansprechen, wenn diese lautstark nachfluchen. Meist werden sie dann ganz kleinlaut und sehen ein, dass ihr aufmüpfiges Verhalten meist Fehl am Platz ist. Aber es gibt sie leider zu Hauf, Unterland-Touri-Wanderer, mit der Meinung: Der Berg gehört mir. - Armseelig..

    • nurmalso am 07.07.2010 22:57 Report Diesen Beitrag melden

      unterland-touris

      schön gesagt. einmal im jahr in den bergen und dann gleich den platzwart spielen. berge sind nunmal nicht nur für postkartenbilder da, sie sind das wichtigste kapital, das kantone wie graubünden und das wallis haben und werden entsprechend genutzt. zudem: wen wunderts, dass biker, die die bergbahnen nutzen, im restaurant essen, oftmals ein paar tage bleiben und dem lokalen velomech umsatz bringen bei den einheimischen beliebter sind als familienausflügler, die mit vollgepackten rucksäcken und familien-GAs keinen einzigen franken vor ort ausgeben?

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  • nurmalso am 07.07.2010 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    das übliche

    für jeden ist jeweils der andere das problem. ich behaupte 95% aller biker und wanderer würde prima miteinander auskommen. das problem sind (wie eigentlich immer und überall) die anderen 5%. das wären wildsäue auf bikes, die rücksichtslos jeden weg, egal ob trail oder nicht, herunterrasen und wanderer, die sich als hilfssherrif aufspielen, indem sie sich extra breit machen, jedem auf zwei rädern den vogel zeigen oder - am schlimmsten - baumstämme auf bei bikern beliebte wege zerren.

  • Patrik am 07.07.2010 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich gar nicht so schwer...

    Die meisten Bikefeinde scheinen ja zuhause vorm Rechner zu sitzen und hier Kommentare zu schreiben. Da kann ich ja beruhigt biken gehen und muss keine Probleme fürchten. Wobei... die hab ich ja in all den Jahren als Biker UND Wanderer bislang auch nie gehabt. Muss wohl dran liegen, dass das in der Realität geschieht und nicht im Internet, wo man so schön anonym motzen kann...