Medikamentengesetz

19. November 2018 05:43; Akt: 19.11.2018 12:34 Print

Wie der Hustensirup die Kosten in die Höhe treibt

von Dominic Benz - Beim Gesundheitssystem will man sparen. Doch neue Gesetze und Forderungen sabotieren das Vorhaben.

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Die Gesundheitskosten explodieren. Sparbemühungen sind daher allgegenwärtig. So etwa will man mit der Revision des Heilmittelgesetztes Millionen einsparen. Doch einzelne Vorstösse wirken dagegen. So hat Swissmedic, das Heilmittelinstitut des Bundes, beschlossen, dass ab Anfang Jahr rund 100 bisher frei verfügbare Medikamente nur noch gegen Angaben von Personalien erhältlich sind. So etwa etliche Hustensäfte mit Codein wie der Sirup Makatussin oder Motilium, ein Medikament gegen Übelkeit.

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Werden die Mittel nicht von einem Arzt verschrieben, muss künftig der Apotheker ein Beratungsgespräch durchführen und die Abgabe des Medikaments dokumentieren. Kritiker befürchten daher, dass die neue Praxis millionenschwere Mehrkosten im Gesundheitssystem verursachen. Für Babette Sigg, Präsidentin vom Konsumentenforum, ist die Umverteilung der Medikamente stossend. «Das ist ein Kostentreiber, den man sich sparen kann», sagt sie auf Anfrage.

Das ist eine Bevormundung»

Wenn man plötzlich vom Arzt ein Rezept für einen einfachen Hustensirup brauche, dann zahle das die Krankenkasse. Die Frage sei aber, wer die Kosten bei den Apotheken übernimmt. Hinzu komme, dass nur noch der Patient selber einen Hustensaft kaufen könne. «Das ist eine Bevormundung», so Sigg.

Doch nicht nur die neue Umverteilung der Medikamente dürfte das Gesundheitssystem belasten. So wollen die Medikamenten-Grosshändler und Apotheken die Revision des Heilmittelgesetzes nutzen und beantragen beim Bund höhere Margen. Sie sollen von 4,5 auf 7 Prozent erhöht werden, wie der «SonntagsBlick» schreibt. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Marge bei 3,15 Prozent.

«Nicht im Interesse der Prämienzahler»

Beim Bund ist derzeit allerdings eine Vernehmlassung hängig. Dabei soll eigentlich der Vertriebsanteil gesenkt werden, das soll laut Bund jährliche Einsparungen bei obligatorischen Kran-kenpflegeversicherung von rund 50 Millionen Franken bringen. Höhere Margen würden das Sparpotenzial deutlich mindern. Das Vorgehen stösst beim Krankenversicherungsverband Santésuisse daher auf Unverständnis. «Es ist sehr fragwürdig, die Margen, die in der Schweiz schon heute hoch sind, noch mehr erhöhen zu wollen», sagt Sprecher Christophe Kaempf. Weil die Gesundheitskosten jährlich steigen, sei das nicht im Interesse der Prämienzahler.

Auch für den Basler SVP-Nationalrat Sebastian Frehner ist das Vorgehen bei der Umverteilung der Arzneimittel und den Margen nicht nachvollziehbar. «Die Medikamente sollten günstiger und deren Erhältlichkeit verbessert werden.» Das Ziel sei, Kosten zu sparen. Doch die Umverteilung der Medikamente und ein allfälliger Anstieg der Margen bewirke das Gegenteil. «Auch die Grosshändler müssen einen Beitrag zum Sparen leisten.»

Medikamenten-Diskussion als Scheingefecht

Allerdings ist für Frehner die hitzige Diskussion über Medikamente sowieso ein Scheingefecht. Klar sei es wichtig, über die Kosten der Medikamente zu sprechen. Doch diese würden lediglich rund 10 Prozent der gesamten Gesundheitskosten ausmachen. «Die wahren Kostentreiber sind aber die Ärzte und Spitäler», sagt der Politiker.

sentifi.com

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hotwith am 19.11.2018 05:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und sie zocken wiedermal ab

    Und jammern wenn man ins ausland einkaufen geht.

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  • Autofahrer am 19.11.2018 05:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fantasie unbegrenzt..

    Die " Volksvertreter" lassen sich immer neue Steuern und Abgaben einfallen...damit die Bevölkerung immer weniger zum leben hat...was gibt es als nächstes??? Steuer auf leben...nacher noch Steuern auf sterben???

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  • Peter am 19.11.2018 06:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sparen?

    Nur beim Gesundheitssystem? Überall will man sparen, doch es funktioniert niergendwo! Als ob der Hustensirup dafür verantwortlich ist!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • PS;L am 20.11.2018 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Da was einem passt...

    Super da sahen unsere Profiteure eine Möglichkeit mehr Geld zu verdienen und Zack, 3 Tage später ist das umgesetzt. Dann bitte so konsequent sein und Leim, Äther, diverse Säuren, Aceton und andere Lösungsmittel sowie Treibstoffe und diverse Zierpflanzen wie z. B. die Engels-trompete, ebenfalls Rezeptpflichtig zu machen!

  • Tell am 20.11.2018 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Im Ausland einkaufen

    Im Ausland einkaufen. Da kosten die Medis einen Bruchteil.

    • Schlaumeier am 20.11.2018 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tell

      Warum, immer dieses Theater mit dem Ausland einkaufen? Sie bekommen ja das Hustensäftli in der Schweiz, NUR entweder auf Rezept oder nach einem Beratungsgespräch mit einem Apotheker. Da ich eh ALLES direkt beim Hausarzt beziehe, ist es für eine chronisch erkrankte Person am einfachsten, als noch in eine Apotheke gehen zu müssen. Und über die Grenze gehe ich schon gar nicht, weil ich es mir Wert bin! In Deutschland bekommen sie auch KEIN Codeinhaltiger Sirup! Ist das so schwer zu verstehen?

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  • Büenzi am 20.11.2018 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    es geht nur ums Abzocken

    überlegt mal... der Alkohol, Zigaretten, Kaffee, Schokolade und Energiedrinks sollte auch nur noch mit Rezept erhältlich sein. Mir geht das Ganze sowas von am .. vorbei. Ich bekomme alles und um vielfache billiger im Ausland. Übrigens ohne Rezept und original Schweizer Produktion!

  • Sina am 20.11.2018 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Nur ein 'einfacher' Hustensirup?

    .. der Codein enthält, ein Abkömmling des Morphins, als leicht zur Sucht führen kann

    • Er am 20.11.2018 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sina

      Auf der halben Welt bekommt man das ohne Rezept und erst noch massiv günstiger, also was soll diese Aussage!

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  • G. am 20.11.2018 09:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Massnahmeb fur sicherheit Konsumenten

    Kodein ist ein opiat und wird misbraucht. Motilliun hat unakzeptabele Nebenwirkungen (QT-interval promongation). Die massnahmen sind gerecht!