Kommunikationsexperte

08. August 2018 05:39; Akt: 08.08.2018 11:10 Print

«Petkovic hat bei Behrami versagt»

von Dominic Benz - Beim Nati-Aus des Fussballstars lief vieles in der Kommunikation schief. Ein Experte kritisiert Verband und Trainer.

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Herr Huber*, Behrami kommunizierte eigenmächtig. Was halten Sie davon?
Jahrelang hat er für die Nati die Knochen hergegeben. Doch gerade jetzt in seinem Liebestaumel mit Lara Gut kommt das Aus. Er ist offenbar sehr in seinem Stolz verletzt. Zudem hat sich mit der Doppeladler-Geschichte viel Frust aufgestaut. Petkovic hingegen hat es nicht geschafft, die Kommunikation in der Hand zu haben.

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Was sagen Sie zu Behramis Nati-Aus?

Hat Petkovic versagt?
Er ist ein schlechter Kommunikator. Schon nach dem WM-Aus hätte er etwas sagen sollen, tat es aber nicht. Er kann einfach nicht mit Medien umgehen. In Interviews wirkt er ängstlich und reserviert. Andere Trainer sind da viel souveräner. Das gehört einfach zum Geschäft. Von einem Trainer mit Millionensalär darf man das verlangen.

Wie hätte der Verband reagieren sollen?
Petkovic ist ein Einzelgänger. Offenbar hat er sich gar nicht mit dem Verband abgesprochen. Wenn das Vertrauen nicht da ist, passieren solche Fehler. Die ganze Situation kommt sehr hilflos rüber. Der Verband muss nun alles aufwischen. Bei so vielen Emotionen ist das aber schwierig. Der Verband hätte schon während der WM die Wogen glätten sollen.

Hat der Verband Petkovic nicht im Griff?
Der Verband hätte proaktiver handeln müssen. In der Kommunikation hat er aber nur Erfolg, wenn Petkovic mitmacht. In Sachen Kommunikation hat man ihn zu wenig geführt. Man hat es verpasst, eine gemeinsame Medienstrategie zu entwickeln. Zudem hat Petkovic sicher nie ein Medientraining erhalten. Wenn man merkt, dass jemand kommunikativ schlecht ist, dann muss man handeln. Der Verband hat das versäumt und Petkovic alleingelassen.

Wie sagt man den Fussballstars, dass sie nicht mehr erwünscht sind?
Sicher nicht per Telefon, auch nicht per Mail und schon gar nicht per SMS. Behrami hätte es verdient, wenn Petkovic sich persönlich mit ihm an einen Tisch gesetzt hätte. Alles andere ist respektlos. Hier zeigt es sich, was ein grosser Trainer ausmacht. Kommunikation ist ein wichtiger Teil im Trainer-Job.

Was hat schlechte Kommunikation zur Folge?
Dass die Leute sehr emotional reagieren. Aber bei Behrami hätte Petkovic das wissen müssen. Auf dem Spielfeld macht Behrami das ja auch. Von einem Trainer darf man Empathie erwarten. Doch da hat Petkovic versagt.

Hat Behramis Tweet den Verband alt aussehen lassen?
Man kann Spielern einer Nationalmannschaft nicht vorschreiben, was sie auf sozialen Medien dürfen und was nicht. Dennoch sollte man die Spieler dafür sensibilisieren. Twitter oder Facebook müssen heute ein Teil der Medienstrategie sein – sowohl bei Unternehmen als auch bei einem Verband.

Wie kann ein Verband die Kommunikation nach aussen kontrollieren?
Ein Unternehmen kann den Mitarbeitern vorschreiben, welche internen Infos nach draussen dürfen und welche nicht. Eine Missachtung kann ein Kündigungsgrund sein. Bei einer Fussballmannschaft funktioniert das nicht. Als Verband kann man nur hoffen, dass die Mitglieder im Sinne des Verbands handeln.

Das ist alles?
Eine Möglichkeit ist, diverse Krisenszenarien durchzuspielen. Weiss man, was alles passieren kann, kann man auch entsprechend reagieren. Professionelle Unternehmen machen das. Der Verband hat das offenbar nicht gemacht – oder das Gelernte nicht begriffen.

*Roger Huber ist Kommunikationsexperte und Gründer der Huber Media Consulting GmbH.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • steffen am 08.08.2018 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Presse hat auch versagt

    Es war ausser Behrami niemand beim Gespräch dabei. Aber die Presse schreibt seit Tagen dass Petkovic versagt hat. Seit der WM wird unnötig Öl ins Feuer geschossen, weil man wohl sonst nichts zu Schreiben hat.

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  • hs am 08.08.2018 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kommunikation

    im nachhinein ist man immer schlauer und jeder weiss es jetzt besser. fehler haben alle gemacht, behrami, petkovic und der verband. die presse bauscht jetzt noch alles auf und somit lassen sich die wogen schwer glätten. letztendlich gibt es nur verlierer und dem schweizer fussball ist nicht geholfen.

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  • galena am 08.08.2018 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    köbi und othmar

    herr huber, haben sie sich gestern in 10 vor 10 die aussagen von beni turnheer angehört? solche emotionale äbgänge der spieler gab es auch schon unter köbi kuhn und othmar hitzfeld. es gibt spieler die konnten und können nicht loslassen und das wird immer wieder so sein. im übrigen, waren sie beim gespräch dabei? wenn nein, warum wissen sie so genau wie es abgelaufen ist?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • F.Behrami am 08.08.2018 11:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fussballverband&Kommunikation

    Der Schweizer Fussballverband musste schon früher was unternehmen. Ich habe nie in einer Fussballkarriere gesehen, vor allem bei einer WM. dass der Trainer, wenn er was sagt keiner versteht was er sagen wollte...weder die Spieler noch die Zuschauer. Kommunikation ist das aller wichtigste für einen Trainer und deshalb finde ich gehört Petkovi nicht in die Nati.

  • Bimbolino am 08.08.2018 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Überall daselbe

    Wie in der Privatwirtschaft. Am Anfang alles Super. Es wird gearbeitet und geleistet. Am Schluss kriegt man den Schuh und es wird mitgeteilt, es werden Dienste gebraucht von jüngeren. Am Ende wird es noch schön unfreundlich und unfaire Behandlung inklusive.

  • Tom Mayor am 08.08.2018 11:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie überall

    Wie im normalen Geschäftsleben: bisschen älter und man wird entsorgt. Hauptsache jung auch wenn keine Ehrfahrung. Traurig traurig..

  • peter am 08.08.2018 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Unsere moderne Zeit

    Jeder normale Angestellter wird per SMS gekündigt. Jede Scheidung wird mit per Handy entschieden. Also warum die Aufregung die digitale Welt dankt es. Und man sollte denen die das Geil finden das gleichen auch tun. Den das ist eine Feigheit wenn man so mit den Leute umgeht.

  • Der Denker am 08.08.2018 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abrechnung ? Doch schon !

    Ist das wohl eine Abrechnung unter den verschiedenen ethnischen Gruppen !? Wahrscheinlich schon. Sonst würde man unter vernünftigen Leute korrekt kommunizieren. Gewisse Exponenten wollen der Trainer weg, dann macht man mal kurz einen Aufstand und das Ziel ist erreicht. Die eine Person gerät in Schieflage. So einfach ist das heute. Pfui für die Grossverdiener. Alle weg und neu beginnen.