Coronavirus

12. März 2020 12:01; Akt: 14.03.2020 18:47 Print

Das sind die Tücken beim Homeoffice

von F. Pöschl - Soziale Isolation, Produktivitätsverlust, schlechtes Teamwork: Homeoffice kann sich auf viele Arten negativ auf die Arbeit auswirken. Der Experte gibt Rat.

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Die Züge zu Stosszeiten sind vielerorts nicht mehr so voll wie gewohnt. Kein Wunder: Laut den Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit BAG sind Unternehmen angehalten, dass die Mitarbeiter Abstand voneinander halten, um eine Verbreitung des Coronavirus zu verhindern. Eine Lösung für besonders gefährdete Personen ist das Homeoffice.

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Arbeiten von zu Hause aus bietet einige Vorteile: Während der Arbeit gemütlich auf dem Sofa wälzen und kein Arbeitsweg. «Ein bis zwei Mal Homeoffice pro Woche mit festen Präsenzzeiten und Events wie Teammeetings hat sich als idealer Mix für die Gesundheit, Produktivität und den sozialen Austausch herausgestellt», sagt der Arbeitsexperte Hartmut Schulze, Professor für Arbeitspsychologie an der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Doch vor allem bei angeordnetem längeren Homeoffice für Angestellte von bis zu 14 Tagen oder länger sieht der Arbeitsexperte auch Gefahren. Er sagt, wie Firmen und Mitarbeiter diese verhindern können, wenn sie genug Vorbereitungszeit für die Organisation und Abstimmung im Team haben.

Erschwertes Teamwork
Die Hauptbarriere für Homeoffice ist laut Schulze die Arbeit im Team. Er rät Unternehmen und deren Mitarbeitern deshalb zur Nutzung von Kollaborationsplattformen wie Slack oder Teams. Damit liessen sich unkompliziert Dokumente teilen, chatten und Online-Meetings abhalten. Schulze empfiehlt auch virtuelle gemeinsame Kaffeepausen als Austauschmöglichkeit. Einige Firmen nutzten auch Telepräsenzroboter, die hauptsächlich aus einem Bildschirm bestehen. Manche dieser Roboter verfügen auch über Räder. Damit kann der Mitarbeiter den Roboter vom Homeoffice aus durch die Bürogänge fernsteuern und mit den Kollegen sprechen.

Soziale Isolation
Die soziale Isolation durch längeres Homeoffice kann psychisch belastend sein. So sind die Mitarbeiter öfters frustriert und gelangweilt. Dass führt dazu, dass sie öfter die sozialen Netzwerke nutzen und aus Frust essen. In solchen Fällen empfiehlt Schulze regelmässig wiederkehrende Termine mit dem Team und dem Vorgesetzten. Ebenfalls hilfreich gegen die soziale Isolation seien wiederum Kollaborationsplattformen und die virtuelle Kaffeepause, damit sich die Mitarbeiter unabhängig vom Arbeitsort miteinander austauschen können und sich eingebunden fühlen.

Sinkende Produktivität
Fast jeder, der zu Hause arbeitet, verliert irgendwann auch einmal die Disziplin, ist Schulze überzeugt. In Studien wird berichtet, dass bereits nach drei Tagen Homeoffice am Stück die Produktivität sinken kann. «Wer tagelang niemanden sieht, und nicht weiss, warum seine Arbeit wichtig ist, fühlt sich ausgeschlossen und braucht immer mehr Selbstmotivation», sagt Schulze. Dagegen helfe es, mit Mitarbeitern und Vorgesetzten zu sprechen und von ihnen zu erfahren, wieso die eigene Arbeit wichtig ist. Diese Motivationsspritze könnten die Mitarbeiter und Vorgesetzten in Form von virtuellen Meetings und Onlinechats geben. Hilfreich sei auch eine gute Vorbereitung auf längere Phasen im Homeoffice zum Beispiel mit Trainings.

Verschwimmen von Arbeit und Freizeit
Beim Homeoffice besteht nicht nur die Gefahr von sinkender Produktivität, sondern auch von einer ungesunden Work-Life-Balance. Wenn das Zuhause der Arbeitsplatz ist, verschwimmen Arbeit und Freizeit schnell einmal. Der Feierabend wird zu Überstunden. Der Experte rät deshalb zu Ritualen für den Übergang von der Freizeit zur Arbeitszeit. So könnten Mitarbeiter im Homeoffice vor und nach Arbeitsbeginn die Kleidung wechseln, die Arbeit zu Hause räumlich eingrenzen und diese Grenzen auch einhalten. Ebenfalls wichtig seien klare Regelungen zur Erreichbarkeit und zu den Arbeitszeiten.

Mangelnde Ergonomie
Ergonomie ist in den eigenen vier Wänden oft ein Fremdwort. In der Regel fehlt ein separates Arbeitszimmer mit Bildschirmarbeitsplatz und Drucker. Stattdessen arbeiten viele zu Hause in gebückter Haltung am Laptop auf dem Sofa, wie Schulze sagt. Wichtig sei deshalb, dass der Mitarbeiter vor Beginn des Homeoffice die Gegebenheiten mit seinem Vorgesetzten bespreche und von diesem unterstützt werde.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • asdf am 12.03.2020 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Homeoffice hell yeah!

    so übel die Coronapandemie auch ist: ich hoffe in der Wirtschaft findet dadurch ein Umdenken statt und Homeoffice wird stark gefördert oder sogar zur Normalität gemacht. Es würde weitaus weniger Menschen pendeln müssen und das würde sowohl die Strassen wie auch den ÖV entlasten und weniger die Umwelt belasten. Bislang ist es doch so gewesen dass Homeoffice ohne weiteres für viele möglich wäre aber die Arbeitgeber bestehen auf Anwesenheit im Firmensitz, da ist wohl viel Misstrauen gegenüber den Arbeitnehmern vorhanden.

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  • dr house am 12.03.2020 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    sorry herr schulze

    ich habe 15 jahre als selbständige homeoffice gemacht, als diese bezeichnung noch gar nicht gab. ich habe mich nie gelangweilt und meine produktivität begann erst zu sinken, als ich wieder in ein angestelltenverhältnis ging, wo dauernd einer meint, mir die grosse weite welt zu erklären und mir dauernd in die arbeit quatscht. ich gäbe was drum, wieder HO machen zu können...

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  • D.G.W. am 12.03.2020 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Homeoffice = Disziplin und Organisation

    Zu Hause arbeiten braucht viel Disziplin und Organisation. Als Selbständiger stimmt der Einsatz sicher, man arbeitet ja für den eigenen Erfolg. Man ist auch flexibler, kann doch der Zeitplan selbst erstellt werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • B. Scheuert am 13.03.2020 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Home Office

    Cool, endlich 2 Wochen Netflix, bis die Augen bluten...

  • Erdogan am 13.03.2020 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Türken im Home Office?

    "Das sind die Türken beim Home Office." Was haben wir Leute aus der Türkei mit dem Coronavirus zu tun?

    • Martial2 am 13.03.2020 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Erdogan

      Ja wenn man nicht korrekt lesen kann... Tücken haben mit Türken nichts zu tun. Gute Weiterbildung wünscht Martial2!!

    • Ludwig Koch am 13.03.2020 14:43 Report Diesen Beitrag melden

      @ Martial2

      Du verstehst das Ganze nicht so richtig, Martial2. Das mit den Türken hat eben seine Tücken.

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  • Kurt am 13.03.2020 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    Belehrungen immer wieder

    Schon cool immer diese Belehrungen wenn man gewisse Berichte liest denkt man schon wir sind alle voll doof und die presse sagt uns zu jedem tütü wie man sich verhalten soll. Tip and tricks for nix.

  • 4allnurses am 13.03.2020 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    Halloooo??!!

    Ich habe die letzten Tage sehr viel über den Corona-Virus gelesen. Aber nicht EINEN Satz darüber, wie sehr wir Leute im Pflegeberuf dem Virus ausgesetzt sind!! Nur immer "Gefahr im Grossraumbüro", "Homeoffice", "angepasste Arbeitszeiten" usw. Auch der Bund schweigt. Denkt eigentlich auch jemand daran, was passiert, wenn unter dem Personal das Virus ausbricht? Ok... Stelle ein paar Feldbetten auf zu Hause und mache ein "Homeoffice- Lazarett" ;-)

    • feelfree am 13.03.2020 10:54 Report Diesen Beitrag melden

      der Arzt

      ist ja nur eine stärkere Grippe, warum so ein Drama?

    • Martial2 am 13.03.2020 14:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @4allnurses

      Ihr seid an der Quelle sich zu pflegen mit allen Mitteln die es in Spitäler gibt. Dazu die Schutzmassnahmen sind bekannt!

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  • Jeffrey Spector am 13.03.2020 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    Vorteil von Home Office

    Man fŠährt nicht mehr zur Arbeit und kommt erledigt nach Hause, sondern die Arbeit kommt nach Hause und fŠährt erledigt in die Firma zurŸück.