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Einfach gut essen

05. März 2017 08:24; Akt: 05.03.2017 09:55 Print

«Es gibt kein Richtig und Falsch in der Ernährung»

von Salome Kern - Sich gesund zu ernähren, fällt vielen schwer. Ernährungsberaterin Diana Studerus rät, dass wir wieder auf unser Bauchgefühl hören.

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Frau Studerus, was haben Sie zu Mittag gegessen?
Diana Studerus: Ich bin ein schlechtes Beispiel. Heute habe ich die Mittagspause durchgearbeitet, zum Znüni einen Milchkaffee getrunken und danach ein Joghurt, einen Apfel und Nüsse gegessen, dazu gab es ein übrig gebliebenes Stück Brot von gestern. Also total improvisiert, was gerade da war.

Umfrage
Hören Sie auf Ihren Bauch beim Essen?
25 %
3 %
30 %
38 %
4 %
Insgesamt 3484 Teilnehmer

Als Ernährungsberaterin wissen Sie genau Bescheid zum Thema Essen. Wie wirkt sich das auf Ihre eigene Ernährung aus?
Während des Studiums gab es eine Phase, da war ich sehr verwirrt: konfrontiert mit so vielen Informationen – teilweise komplett widersprüchlich. Ich wusste nicht mehr, was ich überhaupt noch essen sollte.

Wie haben Sie das gelöst?
Ich musste mich damit auseinandersetzen, was ich gern esse und was mir guttut. In den letzten Jahren habe ich realisiert, dass es in der Ernährung kein Richtig und Falsch gibt. Mittlerweile höre ich auf meinen Bauch, das Wissen schlummert eher im Hinterkopf.

Sie sagen, es gebe kein Richtig und Falsch. Wie definieren Sie gesunde Ernährung?
Nach dem Lexikon: Wertgebende Inhaltsstoffe wie Vitamine halten sich in Balance mit wertmindernden wie Omega-6-Fettsäuren, die in grösseren Mengen nicht förderlich sind. Ich sage: Es geht darum, gut zu essen, abgestimmt auf die eigenen Bedürfnisse. Wir ernähren uns nicht, sondern wir essen. Deshalb verwende ich den Begriff «gesunde Ernährung» nicht gern. Die Ernährungswissenschaft ist eben keine exakte Wissenschaft.

Das macht es sehr schwierig.
Ja, das ist so. Es gibt Situationen, da sage ich zu meinen Patienten: Sie brauchen ein Süssgetränk – obwohl das generell nicht als gesund gilt, in dieser individuellen Situation aber sinnvoll ist. Das ist das Spannende an meinem Job: Essen ist immer individuell und persönlich.

Das heisst, jeder bräuchte eine individuelle Beratung?
Ja! Aber solange Essen problemlos funktioniert, empfinden wir es als selbstverständlich. Erst wenn zum Beispiel eine Erkrankung oder Schwierigkeiten entstehen, kommen Fragen auf. Und da braucht es individuelle Antworten.

Wo sehen Sie die Tücken in der heutigen Ernährung?
Wir haben das Privileg, dass wir zu jeder Zeit etwas essen könnten. Das heisst aber auch, dass wir ständig Entscheidungen treffen müssen, das macht es schwieriger. Man geht davon aus, dass wir täglich bis 400 Entscheidungen, bewusst und unbewusst, rund ums Essen treffen.

Beim Thema Ernährung spalten sich häufig die Geister. Was bedeutet das für Ihre Arbeit?
Es gibt mir die Flexibilität, auf mein Gegenüber einzugehen. Manchmal müssen wir ausprobieren, was funktioniert – das kann auch mühsam sein. Damit muss man als Ernährungsberaterin umgehen können.

Sie haben Ernährung und Diätetik studiert. Woher kommt das Interesse?
Ich bin schon als kleines Kind immer mit meiner Grossmutter in der Küche gestanden und esse einfach gern! Essen fasziniert mich und ist doch die Grundlage des Lebens.

In Zukunft werden Sie für 20 Minuten regelmässig Kolumnen schreiben. Was möchten Sie den Lesern mitgeben?
Vertrau deinem Bauchgefühl. Iss das, was du glaubst, ist das Richtige für dich. Wenn du dich danach gut fühlst, kann es nicht so verkehrt gewesen sein.

Haben wir das verlernt?
Ich glaube, ja. Es braucht Mut, so zu essen, wie man möchte. Gerade wenn zunehmend moralische Fragen wie der Fleischkonsum dazukommen, fällt es nicht immer einfach, hinzustehen und zu sagen: Ich esse jetzt ein Spiegelei mit Speck und trinke dann ein Bier.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marc am 05.03.2017 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee

    Es ist generell eine gute Idee, sich darauf zu achten was der Körper will, anstatt darauf was in einem Buch steht

  • Der Geniesser am 05.03.2017 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr gut

    Die Frau hat absolut Recht!!!!! Essen worauf man Lust hat. Das Leben ist zu kurz um sich zu kasteien.

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  • marc am 05.03.2017 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    blödsinnige überschrift

    was soll diese überschrift? natürlich gibt es ein gut oder falsch, zuviel zucker und gesättigte fette sind falsch punkt, niemand sagt etwas wenn man sich mal ein snickers gönnt aber wenn man sich die leute an der kasse teilweise anschaut und dann sieht was sie gerade einpacken, dann erkennt man sehr wohl, das es ein richtig und ein falsch gibt...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marie Louise am 06.03.2017 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Der Körper ist der beste Ratgeber

    Ich habe verschiedene Ernährungsformen ausprobiert: vegetarisch, Paleo, Atkins, fettarm, Bio. Keine hat mich langfristig glücklich gemacht. Als ich Paleo und viel Biogemüse ass hatte ich ständig Bauchkrämpfe und wirklich extrem übel riechende Winde. Bei Paleo fiel ich sogar in einen richtig bösen Nährstoffmangel. Ich habe daraus gelernt und esse nur noch, worauf ich Lust habe und fertig. All diese vermeintlich wohlgemeinten Ernährungstipps sind sowieso industriegesponsert (z.B. das "gesunde Müesli" zum Zmorge - Nestlé lässt grüssen).

  • Gourmet Sportler am 06.03.2017 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich hat sie völlig Recht!

    Trotzdem sollte man die Basics nicht ausser acht lassen. Man sollte wissen welche Zucker es gibt und wo sie drinn versteckt sind. Das Gleiche gilt für gesunde und ungesunde Fette. Und leider geht das Basiswissen in Sachen Ernährung immer mehr verloren. Wenn man das kleine 1x1 der Ernährung kennt, kann man tatsächlich fast immer essen was einem Lust macht. Und dann einfach noch 20 Minuten zügige Bewegung pro Tag und gut ist.

  • reni am 06.03.2017 08:44 Report Diesen Beitrag melden

    ich mag essen

    Ich esse öfters mal ein Spiegelei mit Speck und lebe noch! Essen ist sinnlich und hat was mit Genuss zu tun. Wer verbissen einem Ideal nachjagd ist verloren.

    • Lavieestbelle am 06.03.2017 19:29 Report Diesen Beitrag melden

      Genuss...

      @reni Es gibt ein paar Sachen, die ich gerne und mit Genuss esse. Im Allgemeinen sehe ich das Essen lediglich als Nahrungsaufnahme - damit ich funktioniere und lebe. Ich esse um zu leben, nicht umgekehrt. Ganz nüchtern. Für den Genuss bevorzuge ich Anderes: ein interessantes Buch, ein Museumsbesuch, eine Bergwanderung.

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  • ChriguBern am 05.03.2017 21:04 Report Diesen Beitrag melden

    Bauchgefühl gegen Waage

    Mein Bauch wünscht 7x pro Woche 1 kg gesalzene Erdnüsse mit 5 grossen Bieren als Apéro. Meine Waage meint dass ich dies nur 6x wöchentlich tun soll.

  • Roli K. M. am 05.03.2017 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin anderer Meinung!

    Richtig ist: Abwechslungsreich, da stört weder der Fastfood, noch Kuchen. Falsch ist: Einseitig. Bei der Menge gibt es auch ein richtig und falsch: ist die Ernährung abwechslungsreich und das Gewicht stimmt nicht, liegt es an der falschen Menge, also zuviel oder zu wenig.