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Film rüttelt auf

21. November 2015 17:00; Akt: 21.11.2015 17:00 Print

«Zucker ist nicht das einzige Problem»

von Fee Riebeling - Im Film «Voll verzuckert» wird Zucker an den Pranger gestellt. Zu Recht, sagt Ernährungsexperte Nicolai Worm. Aber es ist nur die halbe Wahrheit.

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Was Zucker mit uns anstellen kann, hat der Australier Damon Gameau in seinem Dokumentarfilm «Voll verzuckert» gezeigt. Im Selbstversuch hat er dafür diesen Berg Zucker in zwei Monaten zu sich genommen. Und zwar ausschliesslich in Form von als gesund deklarierten Lebensmitteln. Ein Film-Experiment mit Folgen: So nahm Gameau insgesamt acht Kilogramm zu, bekam Unterbauchfett und seine Leberwerte verschlechterten sich. Auch seine Haut liess zu wünschen übrig, genauso seine Laune. Ökotrophologe und Ernährungswissenschaftler Nicolai Worm von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement überrascht das nicht. Dennoch kritisiert er an dem Film, dass der Anschein erweckt wird, als wäre allein Zucker das Problem. Für ihn sind auch Backwaren aus Weissmehl und andere stärkehaltige Produkte problematisch. Denn sie sind im Endeffekt auch nur Zucker, beinhalten kaum Ballaststoffe und halten deswegen nicht langfristig satt. Allerdings hat Zucker ein Zusatzproblem: Denn während Stärke zu 100 Prozent aus Glucose besteht, besteht Zucker nur zu 50 Prozent daraus. Die anderen 50 Prozent sind Fructose, die nur in der Leber verwertet werden kann. Wenn jemand auf einen Schlag viel oder immer wieder Fructose zu sich nimmt, dann überlastet er damit seine Leber. Ist das der Fall, wandelt sie die Fructose in Fett um. Das führt irgendwann zu einer Fettleber, die über kurz oder lang zu Diabetes-Typ-2 führt. Doch Zucker hat auch positive Seiten. So versüsst er das Leben und wertet viele Lebensmittel geschmacklich auf. Deshalb verteufelt der Ernährungsexperte ihn nicht, sondern ruft dazu auf, die unkontrollierte Zuckerzufuhr in den Griff zu bekommen. So sollte man nicht nur die Finger von gesüssten Getränken lassen, sondern auch von Fruchtsäften und Smoothies. Denn die enthalten den Zucker von so vielen Früchten, die man niemals an einem Tag essen würde. Einer von Nicolai Worms Leitsätzen heisst darum: Früchte soll man essen, gegen Durst Wasser trinken. Allgemein sei es wichtig, die Kohlenhydrat- und damit auch die Zuckerzufuhr auf den individuellen Lebensstil anzupassen. Denn jemand, der den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, ... ... benötigt weitaus weniger als ein Hochleistungssportler wie Fabian Cancellara (in Gelb). Der Tour-de-France-Fahrer könnte ohne Kohlenhydrate und insbesondere ohne Zucker nicht die extremen Leistungen erbringen, die man von ihm erwartet. Wie eine auf den Lebensstil angepasste Ernährung aussehen kann und wer wie viel Kohlenhydrate zu sich nehmen sollte, verrät der Ernährungsexperte in seinem Buch «Flexi Carb», das im Dezember erscheint.

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Drei Jahre hat sich der australische Schauspieler und Regisseur Damon Gameau von raffiniertem Zucker ferngehalten. Für seinen Dokumentarfilm «Voll verzuckert – That Sugar Film» änderte er das und ernährte sich zwei Monate lang wie der durchschnittliche Australier: Er konsumierte jeden Tag 160 Gramm Zucker – etwa 40 Teelöffel. Dies nicht pur oder in Form von Süssigkeiten, sondern indem er auf als gesund deklarierte Lebensmittel wie fettarmen Jogurt, Müesli oder Smoothies setzte.

Das Ergebnis liegt nicht nur dem Protagonisten selbst, sondern auch dem Zuschauer schwer im Magen. Denn die künstliche Süsse tut dem menschlichen Körper offensichtlich nicht gut: Gameau nahm acht Kilogramm zu, bekam Unterbauchfett und seine Leberwerte verschlechterten sich. Auch seine Haut liess zu wünschen übrig. Das kommt nicht von ungefähr, sagt Ökotrophologe und Ernährungswissenschaftler Nicolai Worm von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHPG) in Saarbrücken.

Herr Worm, warum braucht es einen solchen Film?
Er zeigt, dass es schwerwiegende Konsequenzen für die Gesundheit hat, wenn man mit zu viel Zucker in eine überkalorische Ernährung rutscht. Aber es stört mich, dass der Anschein erweckt wird, als wäre allein Zucker das Problem. Auch Backwaren aus Weissmehl und andere stärkehaltige Produkte wie Getreide, Kartoffeln, Reis und Pasta sind problematisch. Denn sie sind im Endeffekt auch nur Zucker, beinhalten kaum Ballaststoffe und halten deswegen nicht langfristig satt. Und das führt zum Mehrkonsum, zu Übergewicht und schliesslich zu gesundheitlichen Problemen.

Warum stellt Gameau dann vor allem Zucker an den Pranger?
Zucker hat ein Zusatzproblem. Denn während Stärke zu 100 Prozent aus Glucose besteht, besteht Zucker nur zu 50 Prozent daraus. Die anderen 50 Prozent sind Fructose. Und die kann nur in der Leber verwertet werden. Damit der Körper mit Fructose überhaupt etwas anfangen kann, muss die Leber sie in Glucose umwandeln, die all unsere Zellen verwerten können. Wenn jemand auf einen Schlag viel oder immer wieder Fructose zu sich nimmt, dann überlastet er damit seine Leber. Ist das der Fall, wandelt sie die Fructose in Fett um. Das führt irgendwann zu einer Fettleber.

Wie schlimm ist eine solche?
Die Fettleber führt dazu, dass die Leber Insulin-resistent wird und sich eine Störung des Kohlenhydrat-Stoffwechsels etabliert. Die Zellen nehmen Insulin dann nicht mehr wahr und produzieren immer weiter Zucker.

Warum ist das schlimm?
Normalerweise ist es die Aufgabe der Leber, in der Nacht, wenn wir nüchtern sind, das Gehirn mit Zucker zu versorgen, damit es weiterarbeiten kann. Und wenn wir dann frühstücken, kommen Kohlenhydrate in den Darmtrakt. In der Folge wird Insulin ausgeschüttet. Das signalisiert der Leber, die Produktion von Zucker einzustellen, weil dieser dann aus der Nahrung kommt. Wenn aber die Leber verfettet ist, dann klappt das nicht mehr. Hinzu kommt, dass auch die Bauchspeicheldrüse verfettet und kein Insulin mehr herstellen kann. Daraus entsteht dann irgendwann Diabetes-Typ-2 (siehe Box 1).

Hat Zucker auch positive Seiten?
Er versüsst das Leben. Es wertet viele Speisen geschmacklich auf. Und auch wenn ich vor allem als Kohlenhydrat-Kritiker bekannt bin, trinke ich meinen Espresso mit Zucker. Auch in meine Tomatensuppe gebe ich jeweils eine Prise. Schliesslich soll man Lebensmittel geniessen können. Es geht nicht darum, Zucker zu verteufeln, denn er ist nicht per se schlecht. Vielmehr geht es darum, die unkontrollierte Zuckerzufuhr in den Griff zu bekommen.

Wie lässt sich das erreichen?
Als Erstes sollte man die Finger von gesüssten Getränken lassen. Es fängt bei einer Apfelschorle an: Wenn sie einen Liter trinken, haben sie einen halben Liter Apfelsaft intus, der den Zucker von etwa zehn Äpfeln enthält. Niemand würde 10 Äpfel am Tag essen – trinken schon. Ich empfehle: Früchte soll man essen und gegen Durst Wasser trinken.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt höchstens sechs Teelöffel Zucker am Tag. Was halten Sie davon?
Ich sträube mich gegen solche Vorgaben. Sinnvoller wäre es, den Menschen aufzuzeigen, dass es vor allem wichtig ist, die Kohlenhydrat- und damit auch die Zuckerzufuhr auf den individuellen Lebensstil anzupassen (siehe Box 2): Jemand, der den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, benötigt weitaus weniger als ein Hochleistungssportler. Der könnte ohne Kohlenhydrate und insbesondere ohne Zucker nicht die extremen Leistungen bringen, die man von ihm erwartet. Allein dieses kleine Beispiel zeigt: Man muss differenzieren.


Um auf die 160 Gramm Zucker am Tag zu kommen, isst Filmemacher Damon Gameau nicht Fast Food und Süssigkeiten, sondern vermeintlich gesunde Lebensmittel. (Video: Youtube/Universum Film)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ChrisV am 21.11.2015 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umstellung

    Jubui, habe meine Ernährung auch umgestellt, meine Cremeschnitte steht jetzt links vom Bildschirm nicht mehr rechts.

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  • Robert am 21.11.2015 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    In Massen ist fast alles gesund!

    Hahaha:-) Schokolade gut, Schokolade schlecht:-) Zucker gut, Zucker böse:-) Alkohol schlecht, aber Wein gut:-) Drogen schlecht, aber Gras gut...:-) Diesen Schwachsinn kann ich nicht mehr hören! Leute: In Massen ist (fast) alles gut, gesund und unabdingbar für ein langes und gesundes Leben!

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  • Fragender am 21.11.2015 17:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Und wie sieht das bei Früchten aus? Kraftsportler esse allgemein viele Früchte...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Süsse am 22.11.2015 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Zucker Vs E-Nummern

    Mir geben die vielen E-Nummern viel mehr zu denken. Ich koche aus diesem Grund auch meist von Grund auf selber. Aber auf Zucker verzichten? Naja.. ich denke, ein bisschen reduzieren schadet nicht, aber Genuss muss sein. Sterben muss schliesslich jeder, auch die Zucker-Verzichter!

  • Dicke am 22.11.2015 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    Grosse Probleme hat die Welt

    Ach herjee, lieber an Übergewicht sterben, als bei einem Terroranschlag.. Übrigens: Solange Übergewicht unser einziges Problem ist und bleibt, können wir uns ja kaum beschweren..

    • Stefan Fit am 22.11.2015 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wohlbefinden

      Nun, Sie haben vielleicht noch nicht erkannt, welche Einflüsse Übergewicht auf das Wohlbefinden hat. Aber ja, es können nicht alle um die Ecke schauen. Hat schon Steve Jobs gesagt .

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  • Donald am 22.11.2015 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Lebkuchen

    Ich habe trotzdem zwei Lebkuchen gefrühstückt. Zur Weihnachtszeit ist es relativ schwierig, auf Zucker zu verzichten.

    • Yannis am 22.11.2015 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Donald

      Im Winter der Lebkuchen, im Herbst die Marroni, im Sommer Eiscreme :D

    • Donald am 22.11.2015 13:31 Report Diesen Beitrag melden

      Marroni

      Nur dass Marroni etwas natürliches ist und bestimmt nicht ungesund.

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  • Tanja Brumund-Gut am 22.11.2015 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    An alle ,

    die unter Akne leiden ,schuld ist Zucker und Milch ! Meine Tochter verzicht auf diese Zutaten und kein Pickel mehr ! Agavensirup(saft) als Zucker ersatz ,und Reis-sowie Hafermilch als ersatz zur normalen Milch . Mit den Zutaten kann man auch wunderbar BAcken ! Achso , ein braunes Kohlensäurehaltiges Getränk wo Zero drauf steht ,Finger weg bringt Pickel ,hat meine Tochter ausprobiert ,zack war der Pickel da.

    • Eb Oebo am 22.11.2015 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tanja Brumund-Gut

      Reismilch und Agavensirup sind sehr zuckehaltig. Nur so zur Information...

    • Donald am 22.11.2015 13:33 Report Diesen Beitrag melden

      Akne

      Ernährung und Akne ist ein vieldiskutiertes Thema. Es gibt auch Menschen, eigentlich die Mehrheit, die können essen was sie wollen und haben nie Akne. Kein Kind hat Akne und Kinder essen auch alles Mögliche. Für mich ist Akne eine Hormonstörung.

    • Tanja Brumund Gut am 22.11.2015 14:27 Report Diesen Beitrag melden

      Eb Oebo

      Ist Natürlicher Zucker ,aus dem Reformhaus !

    • Cate am 22.11.2015 23:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ...immer wieder

      ...unzählige Studien gibt es zu Ernährung und Haut...kein Zusammenhang längst bewiesen

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  • Kara Benemsi am 22.11.2015 08:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Künstliches ist das Übel

    Künstlicher Zucker ist reinstes Gift für den Körper. Betonung auf künstlich. Die Leute tun mir immer leid, die glauben mit Diet Produkten wie z.B. Cola Zero etwas gutes für ihren Körper tun zu können. Da trinke ich viel lieber ein Cola Classic aus einer Glas-Flasche.

    • Sugar am 22.11.2015 09:58 Report Diesen Beitrag melden

      Künstlicher Zucker?

      Zucker ist nie künstlich. Zucker ist ein Naturprodukt. Was du wahrscheinlich meinst, sind künstliche Süssstoffe.

    • Tanja Brumun-Gut am 22.11.2015 14:41 Report Diesen Beitrag melden

      Was ist Süßstoff ?

      Saccharin ,Aspartam sind künstlich ! Das braune süße Getränk enthält Aspartam ! Künstlich ! Wenn man 2 kinnder und man selbst vergleichen kann ,lass ich mich bestimmt von einerm der Null Plan vom gegenteil belehren ! Das was ich geschrieben habe ,gilt für die Menschen die Leiden ,wer es noch nir durch gemacht hat ,kann nicht mitreden!Hätte ich vor 30 Jahren dies gewußt,hätte ich weniger Zucker zu mir genommen ! Es hat leider lange geraucht einen fähigen HAutarzt zu finden ,dann wäre meinem Sohn viel Leid erspart geblieben !

    • Karlssontje am 22.11.2015 17:28 Report Diesen Beitrag melden

      @Sugar

      das ist so nicht richtig denn Zucker kommt in der Form in der Natur einfach nicht vor. Egal ob weisser oder brauner Zucker, egal ob Candis- oder Fruchtzucker, immer ist er das Ergebnis von zig chemischen Prozessen um aus einem relativ Zuckerarmen Saft den Würfel oder das Pulver zu gewinnen.

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