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06. Oktober 2018 14:39; Akt: 06.10.2018 18:10 Print

Darum macht Dauerstress am Arbeitsplatz dick

Immer öfter verzichten Angestellte auf ihre Essenspausen, um den Anforderungen gerecht zu werden. Eine Rechnung, die für Kolumnist Jürg Hösli nicht aufgeht.

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In Gesundheitsberufen bleibt häufig keine Zeit, sich zu stärken. Doch wer schnell und unter Stress isst, nimmt oft mehr Energie auf, als er benötigt. (Bild: Centralitalliance)

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Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass die meisten Mitarbeiter in den Spitälern im Laufe der Zeit immer mehr zunehmen. Krankenschwestern, Rettungssanitäter und Ärzte sehen sich einem immer grösser werdenden Druck ausgesetzt. Auf immer mehr Patienten kommt immer weniger Personal. Der psychologische Druck am Arbeitsplatz wird immer grösser und der physische Anteil der Arbeit wird oft unterschätzt.

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Beispielsweise ist der Kalorienbedarf eines Rettungssanitäters weit über dem eines Büroarbeiters, doch die Möglichkeit, sich zu verpflegen, ist kaum vorhanden. Krankenschwestern legen oft mehr als 20 000 Schritte pro Tag zurück, doch Pausen sind Luxus.

Neue Spitäler werden oft so eingerichtet, dass Verpflegungsmöglichkeiten für das Personal immer schlechter werden. So wurde kürzlich im Bernischen ein Spital komplett neu umgebaut. Der Pausenraum der Krankenschwestern wurde neu mit Glasscheiben ausgestattet. Die Spitalleitung wollte darauf nicht mehr, dass in diesem Raum gegessen wird, die Patienten sollen nicht sehen, wie das Personal sich verpflegt, so die neue Direktive. Die Umkleidekabinen, wo Zwischenmahlzeiten gelagert werden können, sind aber relativ weit entfernt, sodass etwas Sinnvolles zwischendurch immer mehr wegfällt.

Im Durchschnitt sollte eine Krankenschwester sollte pro Tag circa 2500 bis 3000 Kilokalorien zu sich nehmen. Das entspricht rund fünf bis sechs Mahlzeiten in der Kantine! Wenn sie dies nicht über den Tag verteilt isst, sind Lust auf Süsses, Salziges oder Hungerattacken vor allem am Abend stetiger Begleiter. Der Körper regeneriert immer schlechter, baut immer mehr in der Leistung ab.

Das Resultat ist immer mehr Energielosigkeit, häufig auch Schlafstörungen und innere Unruhe. Dazu kommt, dass sich das Hungergefühl im Verhältnis zum Stoffwechsel verschiebt. Mehr Hunger steht also immer weniger Verbrauch gegenüber. Klar, nimmt man dann zu. Gesundheitsbewusstsein in den Gesundheitsberufen ist oft Fehlanzeige.

Wer schlecht verpflegt ist, hat weniger mentale Energie. Wer aber weniger konzentriert am Arbeitsplatz ist, der macht mehr Fehler. Und dies sollte eine Spitalleitung sehr wohl kümmern. Doch hier ist es wie in allen Bereichen der «modernen Berufswelt». Die Zahlen müssen stimmen, ab und zu ein Fehler ist tolerierbar und der Patient dann ein Kollateralschaden.

Solange genügend wenige Mitarbeiter viel zu viele Patienten betreuen und der Cashflow stimmt, ist alles im schwarzen Bereich, zumindest für die Spitalleitung. Das Gesundheitssystem verkommt immer mehr zum Krankheitssystem und die Mitarbeiter müssen es ausbaden.

Aber was kann nun ein Mitarbeiter tun? Leider oft recht wenig. Wer viel Energie verbraucht, muss diese zuführen. Drei Mahlzeiten sind bei einem hohen Gesamtverbrauch kaum umsetzbar, weil die Mahlzeiten schlicht zu gross wären. Darum ist es wichtig, kleine Zwischenmahlzeiten zu essen. Doch diese sind oft verboten aus Gründen der Hygiene.

Wenn wir nochmals einen Vergleich hinzuziehen: Es wäre das Gleiche, wie wenn ich einem Autofahrer das Tanken verbieten würde, der jeden Tag von Zürich nach Hamburg fährt. Die Hände dürfen ja nicht schmutzig werden. So muss er einfach das Auto stossen, was mir egal ist, Hauptsache, er kommt an. Wenn er es einmal nicht mehr schaffen sollte, gibt es ja noch andere Autofahrer.

Es wäre ein Umdenken in den Krankenhäusern nötig, die Mitarbeiter sollten als wichtiges Gut anerkannt werden und Prävention ein Teil ihres Alltags sein. Doch in der Diskussion um immer weniger Ausgaben im Gesundheitswesen bleibt der Mitarbeiter auf der Strecke, und das hat für mich Symbolcharakter. Wer rettet, der fettet, ist nur ein Ausdruck dieser Ohnmacht.

(seh)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas Hänzi am 06.10.2018 14:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Roboter

    Mitarbeiter sind keine Roboter. Es ist die Pflicht des Arbeitgebers, anständig Raum und Zeit für die menschlichen Bedürfnisse wie Essen, Toilette und Pausen einzurichten. Wer dies nicht einsieht, ist für mich als Personalverantwortlicher fehl am Platz.

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  • Biinaa am 06.10.2018 15:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nurse

    Leider stimmt dies! Es gibt wirklich mehrere Tage wo man keine richtige Pause hat. Und wenn man mal 5min findet , schaufelt man das Essen nur noch rein. Ich liebe meinen Job aber wir kommen oft zu kurz , die Pflege sowie auch die Ärzte. Und wenn wir mal schnelle Energie brauchen bevor wir von Stange fallen , dann ist es meistens ein kleines Schoggistängel oder Suggus welches im Stationsbüro liegt. Aber richtig Pause machen und Essen ist ein Luxus in unserem Bereich.

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  • Zehnder A. am 06.10.2018 15:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles im Auto fahren

    Genau so ungesund wie die meisten essen. Schnell ins Takeaway, etws sehr teures kaufen, das meistens total ungesund ist. Dann kommt der Lärm und Zeitdruck dazu. In der Schweiz ist es überall lärmig, überfüllt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • AEB am 07.10.2018 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich will mehr Stress

    Mein voller Respekt an das Personal im Spital und der Pflege! Eine wahnsinns Arbeit die ihr leistet! Trotzdem bin ich fassungslos was dieser "Ernährungsguru" vom stapel lässt, selten so einen Schwachsinn gelesen! Übergewichtig werden durch stress....... Aber klar, er verdient sein Geld damit, ich als Kraftsportler lasse mich also ab jetzt stressen um mehr Masse aufzubauen, hat mit Kalorienüberschuss ja gar nichts zu tun!?!?

    • Na am 10.10.2018 08:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @AEB

      Schon keine grosse Ahnung! Das Personal nimmt einfach zu. Was sie wollen, das ist Muskelaufbau. Das ist etwas anderes. Sollten sie wissen !

    • Ernährungsberatung am 10.10.2018 08:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @AEB

      Wenn sie tatsächlich Kraftsportler sind, dann wissen sie, dass es sehr wohl darauf ankommt, was man ist.

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  • Corinne am 07.10.2018 22:30 Report Diesen Beitrag melden

    Roboter at work.

    Mir hat die Pflegedienstleitung mal gesagt:die Patienten dürfen nicht merken, dass ihr Stress habt, ihr müsst wirken, als wärt ihr immer ausgeschlafen, immer bester Laune, als hättet ihr nie Hunger oder Durst, oder müsstet ihr aus Klo. Wenn ihr mal was esst und ein Patient läutet, dann erfüllt ihr ihm mit Freuden und lächelnd alle Wünsche! Stets zu Diensten.

  • Mathilda am 07.10.2018 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kollateralschaden

    Stimmt voll und ganz auch Pflegende sind ein Kollateralschaden, macht man einen Fehler der auf die Rahmenbedingungen zurueckzufuehren ist muss man lernen damit umzugehen oder zieht halt Konsequenzen weil man dies nicht schafft - Tampons wechseln ist uebrigens auch ein Luxus in diesem Job!

  • Tee am 07.10.2018 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Milchglas Folien

    Milchglas Folien an die Glaswände des Pausenraums kleben.....

  • sandy am 07.10.2018 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pflegefachfrau

    ich arbeite auch im gesundheitswesen und habe zeit für meine pausen und etwas zu essen. ich nehme auch zu aber das hat damit zu tun das überall süsses liegt. die patienten zumabschied schokolade schenken. oder zum frühstück brot esse. es ist viel zu tun bei der arbeit aber die pausen werden mir nicht verwährt. da es auf der stempelkarte ersichtlich ist und der arbeitgeber probleme bekommen würde. ich liebe meinen job.