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06. Mai 2017 16:31; Akt: 06.05.2017 16:31 Print

Fettzellen, die Körper und Psyche belasten

Beim Lipödem vermehren sich Fettzellen unkontrolliert. Beine und Arme werden immer dicker. Für Betroffene ist der Leidensdruck gross. Ein Nachtrag von Jürg Hösli.

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Wenn die Beine immer dicker werden, obwohl frau Sport treibt und sich gesund ernährt. Wenn Beine druckempfindlich sind und deren Hautoberfläche feinknotig. Vielleicht Anzeichen für ein Lipödem (Stufe 1), eine oft verkannte Fettverteilungsstörung. (Bild: iStock)

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Es ist hoch zu- und hergegangen nach der Kolumne zum Thema Lipödem. Grosse Emotionen widerspiegeln immer den Leidensdruck, der mit einer Thematik verbunden ist. Und der Leidensdruck ist bei dieser Erkrankung in der Tat sehr gross. Was die Emotionen zusätzlich befeuert hat, ist die Tatsache, dass die Lehrmeinung davon ausgeht, dass wir durch Bewegung und Ernährung keine Verbesserung erzielen können.

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Vieles wurde schon versucht. Tausende von Basenbädern und kohlenhydratfreien Fastenkuren wurden angeboten, aber nichts hat funktioniert. Umso verständlich ist der Ärger, den sich viele Betroffene in Leserbriefen von der Seele geschrieben haben.

Ein Lipödem ist eine Erkrankung, die noch viel zu wenig bekannt ist und über deren Entstehung man bisher noch zu wenig weiss. Sie umschreibt die deutliche Vermehrung von Körperfett in den Extremitäten im Vergleich zum Torso, die von starkem Druckschmerz und blauen Flecken begleitet wird. Für die Betroffenen ist es ein Leidensweg. Lipödeme können ebenfalls aufgrund des unästhetischen Erscheinungsbildes und der Beschwerden zu psychovegetativen Störungen bis hin zu Depressionen oder Neurosen führen.

Im Internet finden wir denn auch verschiedene Anlaufstellen zum Thema, die mehr oder weniger seriös Auskunft geben. An einer Stelle erklärt ein Arzt, dass mehr Sport zu treiben und abzunehmen sinnlose Ratschläge seien. Wer dann auf selbiger Seite mehr Infos zur Behandlung erwartet oder Antworten auf die Frage, warum Ernährung und Bewegung keinen Einfluss haben, der wird enttäuscht.

Wenn dann ein Ernährungsmensch kommt und behauptet, Ernährung – gezielt eingesetzte Kohlenhydrate und Bewegung mit der richtigen Intensität, aber nicht zu viel – habe einen direkten Einfluss auf die Symptomatik, Schmerzen und das Hautbild, wird das als komplett unseriös betrachtet. Wer die Ernährungswelt kennt, der weiss, dass jede Woche eine neue Meinung vertreten wird und sich jeder Ernährungsberater nennen kann, ohne Rücksicht auf Verluste und Enttäuschungen bei den Kunden. Warum sollte dies nun anders sein?

Genau darum haben wir reagiert. Wir haben öffentlich ausgeschrieben, dass wir Lipödem-Patientinnen suchen, um sie während eines halben Jahres kostenlos zu betreuen. Diese Woche hat eine Lipödem-Patientin aus all den Einsendungen drei Probandinnen herausgesucht. Wir werden nun den Verlauf dieser Patientinnen dokumentieren und für alle anderen, die sich bei uns beworben haben, werden wir Informationsseminare zu Verlauf, Ernährung und Bewegung parallel dazu kostenlos durchführen.

Dass neue Ansätze auf Kritik stossen können, ist klar. Umso mehr freut es uns, dass der Verband der Lipödem-Patientinnen unserer Einladung folgt und zusammen mit uns die Richtigkeit der Ergebnisse prüft und somit dem Neuansatz ein Gewicht gibt.

Vor einigen Jahren haben Ärzte die Meinung vertreten, dass Fett dick macht und Eier den Cholesterinspiegel erhöhen. Heute weiss man, dass diese Aussagen falsch waren. Das Festhalten daran, dass Bewegung und Ernährung beim Lipödem sehr wohl einen Einfluss haben, wird durch unsere tägliche Arbeit mit Patientinnen untermauert. Die Diskussion über das Thema Lipödem ist gerade in den Medien sehr wichtig, vor allem aber auch die Offenheit gegenüber neuen Ansätzen und einer folgenden interdisziplinären Zusammenarbeit.

(seh)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mimi am 06.05.2017 17:21 Report Diesen Beitrag melden

    Schon wieder ein falsches Bild

    Und wiederum ein Bild, dass ganz normale weibliche Oberschenkel mit Cellulite zeigt, wie sie 90 Prozent aller Frauen mehr oder weniger ausgeprägt haben.

    einklappen einklappen
  • Nici81 am 06.05.2017 17:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toll!

    Super Sache! Danke, dass ihr euch dem Problem annehmt.

  • Anna Koller am 06.05.2017 17:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Veröffentlichung

    das klingt grossartig liebes 20 minuten-team. es wäre toll, wenn ihr die infos/resultate der semimare und der verläufe veröffentlich würden. wie ihr selbst gemerkt habt, gibt es zu diesem thema noch nicht viele infos. so könnte auch menschen geholfen werden, die mit lipödem zu kämpfen haben, es aber gar nicht wissen, dass sie davon betroffen sind.

Die neusten Leser-Kommentare

  • K Nathalie am 07.05.2017 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frau 

    ich habe seid 8 Jahren ein Lipödem. Leider werde ich sehr oft nicht ernstgenommen. Er ist oft schwirig im Sozialen umfeld mit zu halten, da es nicht mehr möglich ist wander zu gehen, Velotouren mit zu machen, tanzen zu gehn oder ähnliches. Ich musste vieles verändern in meinem Alltag. Ich habe grosse Angst vor meiner Zukunft. Bin bereits im 2. Stadium, 3 mal wurde die OP von der Krankenkasse abgelehnt. Was wird sein wenn ich nicht mehr laufen kann?? Meine grosse Angst!!

  • Lulu Love am 07.05.2017 10:58 Report Diesen Beitrag melden

    Lipödem Patientin

    Ich finde es toll, dass das Thema Lipödem in die Öffebtlichkeit gerückt wird. Vielleicht motiviert es die Krankenkassen endlich mal, etwas an die Liposuktionen zu zahlen. Sie bringen eine deutliche Milderung der Schmerzen!

  • Heidele am 07.05.2017 08:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    30 Jahre gekämpft

    Habe vor 2 tagen meine Beine machen lassen dafür habe ich 30 Jahre mit dem Problem gekämpft. Jetzt denke ich die richtige Entscheidung getroffen zu haben hat ja lange genug gedauert. Freue mich auf das Ergebnis was sich jetzt schon erahnen lässt. Habe vorher alles probiert und nichts war effektiv. Stauungen, Schmerzen und blaue Flecke war der Alltag. Frauen kämpft weiter für Raucher und Alkoholiker gibt es auch Hilfe.

  • Cornelia am 07.05.2017 08:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Foto zeigt nicht Lipödem,

    trotzdem bin ich froh, dass das thematisiert wird! Meine Unterschenkel sind gleichförmig wie meine Oberschenkel. Ich hasse sie! Ich hätte Gr. 36, komme aber wegen den Beinen nicht mehr in solche Hosen. Medizinische Hilfe ist rar, leider. Und die blauen Flecken an den Beinen nehmen mir zudem noch die Lust, Sommersachen zu tragen. Innerlich geh ich kaputt daran!

  • Karin am 07.05.2017 08:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo?

    Bin auch betroffen, kann ich mich auch noch bewerben? Stadium 2