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14. Juli 2018 20:06; Akt: 14.07.2018 20:06 Print

Gesundheitswahn gehört nicht auf den Kinderteller

von Jürg Hösli - Geht es um gesundes Essen, üben Erwachsene oft Druck auf ihre Sprösslinge aus. Ernährungsextreme haben auf dem Teller nichts zu suchen.

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Der Gesundheitshype hat den Familientisch erreicht. Vielen Erwachsenen ist nicht bewusst, dass ideologisch motivierter Ernährungswahn den Kleinen schadet. (Bild: Peopleimages)

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Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, jeder muss sich optimieren. Schwäche und Ruhe werden kaum mehr zugelassen. Leider ist dies nicht nur die Realität der älteren Generationen. Der perfektionistische Aktionismus hält dank übermotivierten Eltern auch in den Kindergärten und Schulen Einzug.

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Frei nach dem Motto «Du bist, was du isst!» ist nur das Beste gut genug, um die kleinen Racker zu Hochleistungsmaschinen zu formen, die später einmal die Welt erobern sollen. So werden Kindergärtnerinnen und Lehrer immer mehr zu Organisatoren rund um die Ernährungshypes. Milch bringt Krebs, Gluten ist das Verderbnis der Zivilisation, Zucker führt zu Übergewicht und Diabetes. Kindern wird all dies verboten, ohne dass eine Erkrankung oder Unverträglichkeit vorliegt. Vergessen wird dabei, dass Milch und Gluten Teil unserer kulturellen Ernährung der letzten 10'000 Jahre sind und wir bisher noch nicht ausgestorben sind.

Selbst Schoggi ist verboten

Bananen und Apfelschorle werden aus der Schule verbannt. Selbst wenn Kinder in der Freizeit viel Sport treiben, ist Schokolade verboten. Das Problem ist, dass Eltern mit gefährlichem Halbwissen, angefacht durch Laienernährungsberater, meinen, einen Einfluss auf die kognitive Entwicklung und den Erfolg der Kinder in der Schule zu haben. Oft schiessen sie dabei weit über das Ziel hinaus und haben das Gefühl, wenn nicht alles perfekt läuft, werden die Kinder nie eine Chance auf ein erfolgreiches und gesundes Leben haben.

Dass dies bisweilen komische «Früchte» trägt, zeigt dieses Beispiel: Eine Multi-Level-Firma im Bereich Nahrungsergänzungen hat sich die Angst rund um die Ernährung zunutze gemacht, um ihren Verkauf von Produkten anzuheizen und Kinder als Kunden anzufixen. Die Firma verkauft in Kapselform Früchte und Gemüse für all jene, die zu faul sind, für ihren Körper zu sorgen. Mit einer gross angelegten Pseudostudie versuchen sie eine neue Generation von Kunden anzuwerben. Wenn die Eltern die Produkte konsumieren, bekommen die Kinder diese kostenlos. Dass dies eine widerliche Verkaufsstrategie ist, fällt überbesorgten Eltern nicht mehr auf.

Kinder, die keine mehr sein dürfen

Wenn ich mich zurückbesinne, frage ich mich, wie wir früher überhaupt überleben konnten. Wir haben Weissbrotsandwiches mit Salami als Znüni gegessen, ab und zu durfte ein Stück Schokolade oder Kuchen nicht fehlen, Pizza oder Pommes gab es gelegentlich auch und sogar die Milch hat uns nicht umgebracht.
Heute sehen wir in der Praxis oft Kinder, die aufgrund von Druck und Stress unbeachtet von den Eltern Süssigkeiten am Kiosk kaufen und darum Übergewicht haben. Wir sehen Kinder, die keine mehr sein dürfen, sondern nur noch für Prüfungen pauken müssen. Erst wenn die Note gut ist, ist Freizeit angesagt. Ist das der Nährboden für ein erfolgreiches oder gesundes Leben? Oder etwa die Geburt von Kompensationsstrategien?

Wir alle sollten uns mehr auf etwas besinnen. Extreme sind nirgends in unserem Leben angebracht, schon gar nicht beim Essen. Lebensmittel geben uns zwar Nähe, aber genau diese Nähe sollten wir als Eltern unseren Kindern geben und keine Einschränkungen durch Ernährungsglaubenssätze, die morgen sowieso wieder obsolet sind.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mama von drei Kindern am 14.07.2018 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kindgerechte Ernährung

    Bravo, ein super Beitrag und spricht mir aus dem Herzen! Lasst die Kinder wieder Kinder sein! Schluss mit dem Ernährungswahn!

  • r.r. am 14.07.2018 21:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    najaa...

    Wir haben als Kinder immer alles gegessen... Von allem etwas... Gemüse Fleisch mit Beilagen, wie Kartoffeln, Reis oder Teiwaren und saisonales Obst...wir haben auch Milch getrunken - Und das jeden Tag ! Selbst gebackener Kuchen und zwischendurch mal Schokolade mit Brot zum Zvieri..Was wir nicht im Haus hatten; waren Fertigprodukte und Süssgetränke... ausser im Herbst Süssmost frisch ab Presse...! Wir hatten alle Kinderkrankheiten , aber ansonsten waren wir gesund... das alles hat uns stark gemacht...!!!!

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  • marianne f. am 14.07.2018 21:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    90% schoggi

    habe meiner Tochter vom Geburtstag ein Schokoladen Herz Brötchen mit 90% Schokolade und Dinkelmehl zum Znüni in den Kindergarten mitgegeben. als sie nach Hause kam, sah ich das sie es nicht gegessen hat, darauf fragte ich sie warum, sie sagte mir das die Kindergärtnerin ihr es verboten hat , dabei waren es sehr kleine Stücke von der gesunden Schoggi, habe mich sehr darüber geärgert.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • A~ am 15.07.2018 21:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Süsses

    Wir hatten Zuhause immer Schoggistängeli und hin und wieder auch anderen Süsskram. Reis, Nudeln, Pizza, alles wurde gekocht und gegessen. Auch mit unserem Sackgeld durften wir kaufen was wir wollen, da war halt auch mal ne Tüte Gummibärchen oder ein Schoggigipfeli dabei. Ich bin jetzt 23, gesund und lebe noch immer, esse mal Chips, mal ein paar Kekse und mein Gewicht ist für meine Grösse perfekt.

  • Jan Übler am 15.07.2018 21:02 Report Diesen Beitrag melden

    Reaktion auf üblen Food

    Das ist dke Huhn Ei Frage. Es wird uns von der Industrie immer übleres hingestellt (Glyphosat, Palmöl, Zusatzstoffe wie verrückt, Analogkäse,...). Der scheinbar aukommende Gesundheitswahn ist nur die Reaktion darauf.

  • B. Undesrat am 15.07.2018 20:44 Report Diesen Beitrag melden

    Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken

    Blöde Belehrung. Aber der Bundesrat knickt vor der Zuckerlobby ein, wenns um die transparente Zuckerdecklaration geht.

  • huki am 15.07.2018 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Dekadenz

    Wo anders verhungern Kinder, das sind Auswüchse unserer dekadenten Wohlstands Gesellschaft . Hab ich auch schon einer Lehrperson/in gesagt.

  • Sommer am 15.07.2018 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kitas..

    Mal ehrlich, Kinder brauchen Gemüse, sie brauchen aber auch Erfahrungen mit Schokolade etc. Heute macht der Wahn selbst in Kitas keinen halt! Keine Süssigkeiten oder Schokokuchen zum Geburtstag, zum Mittagessen gibts kaum mehr Nudeln oder Kartoffeln. Man setzt lieber auf Quinoa, Bulgur, CousCous etc. Mal ehrlich ich kannte Quinoa und CousCous vorher noch nicht mal! Als Gemüse gibt es Schwarzwurzel, Topinambur, Rosenkohl etc. Statt Lasagnie gibt es Linsen Lasagnie, Pizzen werden mit Gemüse übersäht (wenns mal Pizza gibt).. keine Konfitüre zum Frühstück usw. Ich glaube wir werden verrückt.