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Nahrungsmittelintoleranz

12. August 2018 17:36; Akt: 14.08.2018 15:22 Print

«Auf alles zu verzichten, ist keine Lösung»

von Sulamith Ehrensperger - Keine Pasta, keine Milch: Unverträglichkeiten betreffen immer mehr Menschen. Wie damit umgehen? Antworten von Angela Ruoss.

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Frau Ruoss, zusammen mit Ihrem Partner haben Sie eine Plattform für Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten und -allergien ins Leben gerufen. Was ist Ihr Beweggrund für Intolerant.me?
Wir sind letztes Jahr zu einer 14 Monate langen Reise aufgebrochen. Viel Zeit haben wir in Asien verbracht, was bezüglich Intoleranzen eine Herausforderung war. Auf meinem privaten Instagram-Profil habe ich angefangen, über meine Intoleranzen zu berichten, und wie es ist, damit zu reisen. Ich konnte mich mit Gleichgesinnten austauschen, Empfehlungen geben und bekommen. Das hat uns auf die Idee zu Intolerant.me gebracht. Es gibt zwar viele Informationen und Empfehlungen zu Nahrungsmittelintoleranzen und -allergien, aber kaum einen Ort, an dem alle diese Informationen zusammenkommen.

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Leiden Sie unter einer Nahrungsmittelintoleranz?

Ich beobachte, dass die Leute bei der Ernährung immer mehr verunsichert sind. Für wen haben Sie diese Plattform ins Leben gerufen?
Für Menschen, die Intoleranzen und/oder Allergien haben, die vielleicht verunsichert sind und sich dadurch einschränken lassen. Eigentlich also für Menschen wie mich. Neben körperlichen Symptomen haben mich auch innere Unruhe und Angstzustände geplagt. Es geht vielen Betroffenen so. Diese Leute sollen einen sicheren Ort bekommen, wo sie sich inspirieren, informieren und miteinander interagieren können.

Die gängigsten Intoleranzen sind wohl Laktose, Fruktose und Gluten. Sie äussern sich bei jedem Menschen anders. Wie haben Sie gemerkt, dass Sie betroffen sind?
Mir gings oft körperlich schlecht, über einen längeren Zeitraum. Ich hatte Verdauungsprobleme, ständig einen aufgeblähten Bauch, Bauchkrämpfe, kaum Energie und Kopfschmerzen. Irgendwann hat mir das Ganze auch auf die Psyche geschlagen. Da wusste ich, dass es Zeit ist, etwas dagegen zu tun. Nachdem die üblichen Untersuchungen beim Hausarzt nichts ergeben hatten, wurde ich in eine spezielle Magenklinik verwiesen. Seither bin ich durch mehrere Ernährungsumstellungen und Austesten vielen meiner Intoleranzen auf den Grund gekommen. Meine «Big Five», wie ich sie gerne nenne, sind: Fruktose, Laktose, Weizen, Zwiebeln und Knoblauch.

Beim Thema Lebensmittelunverträglichkeit wird es schnell diffus – und auch ideologisch. Tatsächlich leiden nur wenige wirklich an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit. Sind «sensible Esser» auch eine Modeerscheinung unserer modernen Gesellschaft?
Mittlerweile leidet etwa ein Drittel an einer Lebensmittelunverträglichkeit, das ist schon eine Menge. Auch wenn vielleicht nicht alle davon diagnostiziert sind, als Modeerscheinung würde ich es nicht bezeichnen. Damit verbinde ich, dass sich die Leute das Ganze nur einbilden. Ich kann nur für mich sprechen, aber dem ist nicht so! Trotzdem spielen die moderne Gesellschaft und die sozialen Medien eine tragende Rolle. Viele verbinden mit dem Wort «glutenfrei» oder auch «vegan» gesund. Leider entspricht das nicht ganz der Wahrheit. Es ist sogar oft so, dass glutenfreie und vegane Produkte viel mehr Zucker und andere Zusatzstoffe beinhalten als herkömmliche.

Was raten Sie Menschen, die glutenfreie Produkte konsumieren wollen?
Meiner Meinung nach gilt: Egal, ob diagnostizierte Unverträglichkeit oder nicht, man sollte in jedem Fall auf seinen Körper hören und bewusst das essen, was einem guttut. Merke ich beispielsweise, dass ich von Pasta jedes Mal Bauchschmerzen bekomme, lass ich sie mal weg. Geht es mir danach viel besser, brauche ich keinen Arzt, der mir sagt, dass ich Pasta nicht vertrage. Mittlerweile gibt es viele Alternativen. Wichtig ist dabei, sich selber immer wieder zu testen. Denn auf alles zu verzichten, ist keine Lösung – zumindest keine langfristige.

Aufs Lieblingsessen zu verzichten, ist doch deprimierend. Welches sind Ihre wichtigsten Tipps für Menschen mit Unverträglichkeit?
Die Diagnose «Nahrungsmittelunverträglichkeit» ist erst mal ein Schock. Die damit einhergehende Umstellung ist schwer, körperlich und psychisch. Es ist ein langer und steiniger Weg und ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich bereits am Ziel bin. Manchmal deprimiert mich das Ganze immer noch. Aber seit ich es akzeptiert habe, geht es mir damit viel besser. Daher mein Tipp: Akzeptiere die neue Situation, mache das Beste daraus und konzentriere dich auf die positiven Veränderungen. Denn wahrscheinlich wirst du dich viel wohler fühlen in deiner Haut.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heidi Heidnisch am 12.08.2018 18:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erstaunliche Zunahme

    Und warum nicht nach der Ursache forschen? Woher kommen auf einmal all diese Intoleranzen? Kann ja nicht sein, dass ein Drittel unserer Grosseltern ein Problem damit hatten, also was ist heutzutage anders? Intoleranzen können sich auch entwickeln. Zum Beispiel wenn gewisse Nahrungsmittel im Übermass, von schlechter Qualität, industriell produziert, oder mit Chemikalien verseucht konsumiert werden. Dazu eine Studie machen, um die Ursachen zu erforschen, und nicht nur die Symptome behandeln.

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  • Fidalex am 12.08.2018 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zöliakie ist keine Mode aus Hollywood

    bei mir steht die Diagnose Zöliakie schon bald 10 Jahre. Verzichten muss ich eigentlich, zumindest zuhause, auf nichts! Allerdings ist es immer noch so, dass glutenfrei als Modediät angeschaut wird (Hollywood lässt grüssen!) und ich/wir nicht ernst genommen werden. Traurig, denn ich verzichte auf "normales" Brot und glutenhaltige Backwaren nicht aus Spass! Und wenn ich unterwegs bin, hungrig und selber nichts dabei, dann wird es echt sehr schwierig, etwas zu finden, was aus Kohlenhydraten besteht! Da sind andere Länder schon viel fortschrittlicher als die CH! Aber was mich am meisten ärgert, ist die Ignoranz der Leute, so alla "tu mal nicht so übertrieben, es gibt doch da bestimmt ein Pilleli, das du nehmen kannst!" Nein, gibt es bei Zöliakie eben nicht! Und ich als Erwachsene kann mich ja noch wehren, aber es gibt auch sehr viele Kinder mit Zöliakie und die haben es in der Schule und in Schullager noch schwerer! Ich würde mir einfach mehr Tolleranz und Aufklärung wünschen! Denn bei Zöliakie (Glutenunverträglichkeit, zur Info!) kann es bei Nichtbeachtung zu Darmkrebs führen, also nicht einfach nur Unwohlsein! Wann begreifen das die Leute endlich mal!

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  • Essen soll man am 12.08.2018 19:23 Report Diesen Beitrag melden

    Geniessen

    Leider denken viele Leute, das es besser ist gewisse Sachen zu meiden, obwohl sie keine Unverträglichkeit oder Allergie haben. Wir brauchen nun mal Nahrungsmittel, auch wenn viele Pseudo Experten davor warnen oder wieder eine Diät auf den Markt kommt. Esst was ihr vertragt. Geniesst es jedoch. Seid mit allen Sinnen dabei, wenn ihr Nahrung zu euch nehmt. Ohne Ablenkung durch Medien, Smartphone etc. Zerkaut es richtig gut, im Mund fängt die Verdauung schon an.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Baslerbebbi am 13.08.2018 20:13 Report Diesen Beitrag melden

    Spruch:

    Auch kein Alkohol ist keine Lösung....

  • Martial2 am 13.08.2018 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Angstmacherei??

    Das Leben ist viel zu kurz um es mit diesen pseudo Studien und Alibi Wörter zu versauen. Diese Lebzeiten geniessen so lange es geht... Essen und Trinken sind die drei schönsten Sachen!!

  • Ricky85 am 13.08.2018 17:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Darm ist der Auslöser..

    Ich selber bin auch betroffen und habe mich nun jahrelang mir meinem Körper, den verschiedenen Symptome und den möglichen Ursachen auseinander gesetzt. Ob man es glaubt oder nicht, die meisten Unverträglichkeiten sind aufgrund einer Fehlfunktion des Darmes zuzuschreiben! Ihr könnt euch gerne im Internet informieren, es ist unglaublich wie viele Allergien durch eine Darm-Fehlfunktion ausgelöst werden. Ich behandle dies nun mit Bioresonanz-Therapie und Homöopathische Präparaten. Ich habe bereits unglaubliche Verbesserungen feststellen können. Ich will keine Werbung machen, spreche aus Erfahrung.

  • Ibed am 13.08.2018 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    Kä Ahnig händer

    Milch, Soja, Gluten, Buchweizen, Roggen,Dinkel, Avocado,... viele haben keine Ahnung wie es ist auf diese Produckte verzichten zu müssen. Ich Wünsche mir mehr Empahtie! Danke jetzt schon.

  • Rigorosa am 13.08.2018 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Habe Glück

    Essen ist für mich etwas vom Schönsten im Leben. Es tut mir sehr leid für all die Allergie-Geplagten, ich habe das Glück, dass ich bis jetzt davon verschont wurde. Vielleicht auch, weil ich frisch und ausgewogen koche, auch wenn ich berufstätig bin. Unsere Nahrungsmittelindustrie hat inzwischen eine Richtung eingeschlagen, die kann für uns nicht mehr gut sein. Auch in Restaurants werden doch vorwiegend Billigstprodukte, Tütensaucen etc. eingesetzt. Dazu kommt, dass sich viele über Jahre sehr einseitig ernähren und übersäuert sind. Also teilweise sind die Probleme auch hausgemacht.