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Ernährung

08. September 2016 16:44; Akt: 08.09.2016 16:44 Print

Low Carb birgt Gefahren für den Körper

von Salome Kern - Der Verzicht auf Kohlenhydrate liegt im Trend. Eine Analyse der Universität Ulm zeigt, was diese Ernährung für Sportler bedeutet.

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Die Low-Carb-Ernährung ist auf dem Vormarsch. Wer abnehmen will, streicht die Kohlenhydrate aus dem Speiseplan. Auch Sportler ernähren sich verstärkt Low Carb. Und dies, obwohl Kohlenhydrate die wichtigste Energiequelle für geistige und körperliche Leistungsfähigkeit sind, wie zahlreiche Studien belegen. Unter Low Carb versteht man eine Ernährungsform, die aus weniger als 25 Prozent Kohlenhydraten und mehr als 60 Prozent Fett besteht. Stephanie Mosler von der Universität Ulm kritisiert, dass bei einer Low-Carb-Ernährung automatisch weniger Gemüse, Früchte und sonstige ballaststoffreiche Lebensmittel gegessen werden. Dies ist nicht das einzige Risiko. Low Carb kann zu Leistungsschwäche, schlechter Regeneration und erhöhter Verletzungsgefahr führen. Bei Sportarten mit ständigen Intensitätswechseln, die Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer Koordination und eine hohe mentale Fokussierung fordern, sind Kohlenhydrate wichtig: Der Körper ist auf eine schnelle Verfügbarkeit angewiesen. Auch die Ernährung der schnellsten ausdauertrainierten Läufern aus Ostafrika sollte bei der Low-Carb-Frage bedacht werden: Die typische Kost eines Afrikaners bestehe aus 77 Prozent Kohlenhydraten und nur zu einem Prozent aus Fetten, schreibt Mosler. Das Fazit ihrer Analyse ist, dass die Ernährung der Sportart, dem Ziel und dem Trainingszyklus angepasst werden muss. Es sei auch gar nicht nötig, sich festzulegen: Je nach Trainingsperiode könne die Aufnahme von Kohlenhydraten variiert werden.

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Keine Pasta, kein Reis, keine Bananen – immer mehr Menschen ernähren sich Low Carb und hoffen auf einen Gewichtsverlust. Low Carb wird teilweise sogar als revolutionäre Form der Sportlerernährung angepriesen.

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Doch wie viel Wahrheit steckt hinter diesem Trend? Dr. Stephanie Mosler von der Universität Ulm hat die aktuellen Erkenntnisse aus der Forschung zusammengefasst. Ihr Fazit: Es gibt keine neuen Studien, die eine höhere Leistungsfähigkeit durch den Verzicht auf Kohlenhydrate belegen.

Fettstoffwechsel erhöht
Low Carb beschreibt eine Ernährungsform, die aus weniger als 25 Prozent Kohlenhydraten und mehr als 60 Prozent Fetten besteht. Es werden insgesamt also nicht weniger Kalorien gegessen. Der Körper reagiert auf die Umstellung und der Fettstoffwechsel wird erhöht.

Das Problem ist, dass Kohlenhydrate die wichtigste Energiequelle für geistige und körperliche Leistungsfähigkeit sind und bei intensiven Belastungen im Wettkampf entscheidend. Dies ist gemäss Stephanie Mosler hinreichend belegt.

Low Carb bringt Leistungsschwäche
«Die potentiellen Gefahren einer Low-Carb-Diät bei Sportlern werden völlig ausser Acht gelassen.» So können Sportler bei einer längeren Low-Carb-Phase weniger leistungsfähig werden. Die Erfahrung zeige, dass viele Athleten dann unter Leistungsschwäche, ungenügender Regenerationsfähigkeit, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und erhöhter Verletzungs- und Infektanfälligkeit leiden. «Der Körper greift bei intensiver Belastung den Proteinstoffwechsel an, wenn nicht genügend Kohlenhydrate zur Verfügung stehen», erklärt Mosler. «Das kann zu Muskelabbau und einem geschwächten Immunsystem führen.»

Wer sich Low Carb ernährt, esse automatisch weniger Gemüse, Früchte und sonstige ballaststoffreiche Lebensmittel. Das könne ebenfalls zu negativen Auswirkungen auf den Körper, die Psyche und das Herz-Kreislauf-System führen.

Forscher sind uneinig
Es gibt aber auch Forscher, die eine Low-Carb-Diät befürworten. Sie kritisieren, dass sich Athleten zu sehr vom Kohlenhydratstoffwechsel abhängig machen. Der Körper könne durch Low Carb besser auf die körpereigenen Fettreserven zurückgreifen und werde dadurch unabhängiger vom Kohlenhydratstoffwechsel. «Dazu gibt es aber keine langfristigen Studien», so Mosler.

Grundsätzlich soll nicht darüber diskutiert werden, ob Low oder High Carb besser wirkt, ist sie überzeugt. Die Ernährung sollte an die Sportart, die Ziele und den Trainingszyklus angepasst werden. Je nachdem könne auch ein Wechsel – abgestimmt auf die Trainingsphase – sinnvoll sein, sodass sowohl der Kohlenhydrat- als auch der Fettstoffwechsel trainiert würden.

Besonders bedenklich findet Mosler, dass Low Carb oft ohne Basiswissen und unstrukturiert umgesetzt und für jede Sportart gleichermassen empfohlen werde: «Oft werden Erkenntnisse aus der Wissenschaft falsch in die Sportpraxis transferiert.»

Wie stehen Sie zur Low-Carb-Ernährung? Verraten Sie uns Ihre Meinung im Kommentarfeld.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dario am 08.09.2016 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Beste Ernährung

    Ist immer noch ausgewogen zu essen.

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  • Ivane am 08.09.2016 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    TYPISCH.

    Zu wenig oder zu viel. Alles ist auf irgendeine Weise schädlich für den Körper. Iss was dich glücklich macht PUNKT

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  • Daniel am 08.09.2016 16:57 Report Diesen Beitrag melden

    Interessante Ansätze

    Interessanter zu wissen, wäre, wie sich Low-Carb längerfristig auf die Schilddrüse auswirkt. Wie tief die auftretenden Probleme werden bzw. werden können.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • doris rudin am 10.09.2016 00:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    low carb

    Essen ist rin Job und es soll Spass machen. in Gesrllschaft oder alleine, aber mit Genuss. dann spielt es auch keine Rolle, wenn man mal ne Pizza gönnt. abwechslungsreich und auf den Körper hören ist die Formel! ausgeglichen u.d nicht immer das gleiche. aber das ist Arbeit. wenn man es erlickt hat, ist es einfach nur Freude. Und so sollte Essen auch sein.

  • Daniel Martinelli am 09.09.2016 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Low-Carb tut gut!

    In einer Zeit, in der die Menschen von Kohlehydraten zugeschüttet werden, ist Low Carb wohl die vernünftigste Methode um sich zu ernähren und fit zu erhalten. Auch Eiweiss kann zu Glykol verstoffwechselt werden. Genau so wie Fette und Öle.

  • Frenny am 09.09.2016 21:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besser vom gefährlichen raffinierten Zucker sprech

    In Zusammenhang mit Low Carb primär von Hochleistungssportlern zu sprechen, scheint mir etwas einseitig. Meine Erfahrung mit dieser Ernährung (sitzende Tätigkeit) ist die, dass sich seither mein Gewicht um durchschnittlich 3-5 kg verringert hat und ich bei der Arbeit nicht mehr unter ständigen Hungerattacken noch lästigen Verdauungs- und Leistungskrisen nach dem Essen leide. In Summe fühle ich mich leistungsfähiger als früher und esse erst noch mehr Früchte. Die Gefahr an Zuckersucht (zu viel Süsses, Brot und Pasta) zu erkranken scheint mir höher als durch Low Carb Schaden zu nehmen.

  • MrFit am 09.09.2016 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Keine target leser

    So ein Mish-mash von Artikel. Atleten die Abnehmen wollen und trotzdem leistungfähis bleiben? Wem richtet sich dieses Artikel? Low carb mit low cal ist zum Abnehmen, wenn man Fett und dick ist.

  • Radiesli am 09.09.2016 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Ich schwöre auf South Beach

    Ich habe mit einer Low Carb Methode kombiniert mit Rücksicht auf den Glykämischen Index (South Beach Diät) in 7 Monaten 25 Kilogramm abgenommen und halte seither mein Gewicht. Ich bin 50 Jahre alt und treibe keinen Sport dazu! Selbst wenn ich mal wieder zunehme, habe ich es in Kürze wieder weg, weil es einfach bei mir im Kopf klick gemacht hat. Aber: es ist eine Ernährungsumstellung und keine temporäre Diät. Kann es nur empfehlen. Rundum glücklich, nie Hunger gehabt.

    • Pancho am 09.09.2016 17:08 Report Diesen Beitrag melden

      PALEO

      Mit dir einverstanden. Bei einer Low Carb Methode isst man sehr viel Gemüse! Siehe auch die Paleo Diät. Ganz einfach: sich so ernähren wie sich der Mensch immer ernährt hat, bevor er/sie sässig wurde. Weg mit Weizen und weg mit Zucker! Man nimmt ab, man hat mehr Energie, man wird nicht Diabetiker, usw.

    • Geniesser am 09.09.2016 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ach Leute!

      Tut richtig gut zu lesen, dass immer mehr Menschen realisieren was da die Lebensmittelindustrie für Schindluderei betreibt und dass immer mehr merken wie genussvoll wirklich gesunde Ernährung ist...!

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