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Dr. Muscle

30. Dezember 2015 19:16; Akt: 30.12.2015 19:16 Print

Wer Kokain nimmt, greift schneller zu Anabolika

Welche Substanzen fallen in die Kategorie Doping? Wie werden sie bezogen und wieso werden sie konsumiert? Dr. Muscle klärt auf.

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Schwarzmarkt, im eigenen Fitnessstudio oder durch externe Dealer: Die Quellen für Anabolika sind vielfältig. (Bild: Keystone/AP/Andres Kudacki)

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Wie in der letzten Kolumne erwähnt, deuten wissenschaftliche Studien darauf hin, dass rund 15 Prozent der befragten Fitnesskunden in Deutschland leistungsfördernde Substanzen einnehmen und/oder eingenommen haben, die auf der Dopingliste stehen. Um welche Substanzen handelt es sich und aus welchen Gründen werden sie konsumiert?

Substanzen

Bei den Substanzen handelte es sich in 84 Prozent der Fälle um androgen-anabole Steroide (AAS), die allein oder in Kombination mit Wachstumshormonen, wassertreibenden Mitteln (Diuretika), entzündungshemmenden Medikamenten oder Ähnlichem eingesetzt wurden. Die restlichen 16 Prozent entfielen auf sogenannte Beta-2-Sympathomimetika (Beta-2-Agonisten, z. B. Clenbuterol) und Stimulanzien (z. B. Kokain). Beta-2-Agonisten werden in der Medizin normalerweise als Arzneimittel gegen Asthma eingesetzt. Sie können in sehr hoher Dosierung möglicherweise muskelaufbauend wirken.
Nach Substanzen, welche die Nebenwirkungen von AAS teilweise hemmen sollen, wurde offenbar nicht gefragt, obwohl beinahe sicher ist, dass diese Klasse von Substanzen stark vertreten ist. Darauf deutet auch hin, dass nur etwa die Hälfte aller AAS-Konsumenten angaben, vorübergehende Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen. Interessant ist, dass deutlich mehr als die Hälfte der AAS-Konsumenten gleichzeitig mehr als zwei Substanzen verwendeten und die Wahrscheinlichkeit für eine AAS-Einnahme bei Kokainkonsumenten (21 Prozent der Befragten) 30 Mal grösser war als bei den Studienteilnehmern und Studienteilnehmerinnen, die kein Kokain konsumierten.

Gründe

Als Grund für den AAS-Konsum wurden primär «Body Styling» und Kraft- beziehungsweise Leistungszuwachs angegeben. Sportlicher Erfolg, Steigerung der Ausdauerperformance und Stagnation im Training waren allesamt unbedeutende Gründe. Dies ist sicher ein wichtiger Unterschied zum Doping im Spitzensport, wo diese Gründe existenziell sind.

Bezugsquellen

Als Bezugsquelle diente in ungefähr der Hälfte der Fälle ausschliesslich der Schwarzmarkt, das heisst der Handel über andere Fitnesscenter-Besucher und /oder externe Dealer. Allerdings zeigte sich, dass das Gesundheitswesen in erheblichem Masse als Sponsor für AAS-Konsumenten diente, denn in der zweiten Hälfte der Fälle bezogen die Konsumenten die Substanzen nur über das Gesundheitswesen oder gemischt über das Gesundheitswesen und/oder den Schwarzmarkt. Was die Anschaffung über das Gesundheitswesen angeht, so bezog die Hälfte die Substanzen auf Rezept eines Arztes. In den restlichen Fällen wurde der Stoff ohne Rezept und/oder mit gefälschtem Rezept oder in einer beliebigen Kombination dieser Varianten in einer Apotheke bezogen. Schliesslich gaben rund ein Drittel aller AAS-Konsumenten an, dass sie von einem Arzt medizinisch überwacht werden.

Diesen Daten haftet aufgrund der weichen Natur von Befragungsstudien eine bestimmte Unsicherheit an. Zudem sind seit der Publikation nunmehr 10 Jahre vergangen. Trotzdem: In den letzten Jahren ist der Körper- und Fitnesskult, zelebriert über Social Media, zunehmend populärer geworden. Es stellt sich daher die Frage, wie sich die realen Zahlen heute präsentieren, insbesondere auch was die Schweizer Fitness-Landschaft angeht. Wie die oben präsentierten Zahlen andeuten, ist die Frage möglicherweise nicht nur gesellschaftspolitisch, sondern auch gesundheitspolitisch relevant.

(gss)