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11. Dezember 2015 12:47; Akt: 11.12.2015 14:37 Print

«Krafttraining kann hohen Blutdruck senken»

Unser Experte Jonas Caflisch beantwortet Ihre brennendsten Fragen rund um Training, Ernährung und Erholung.

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Luis (62) trainiert regelmässig im Kraftraum. In letzter Zeit war sein Blutdruck höher, was in beunruhigt. Zu Recht? (Bild: Randy Faris/fuse)

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Hallo Jonas

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Ich bin 62 Jahre alt und mache seit Jahren zweimal die Woche Krafttraining. Kürzlich habe ich gelesen, dass Krafttraining zu einem höheren Blutdruck führen kann und das hat mich etwas verunsichert, denn die letzte Messung scheint das zu bestätigen. Ich hatte immer einen Blutdruck von 120/70. Bei der letzten Messung waren es aber 134/83. Es mag Zufall sein. Vielleicht war ich ja an diesem Tag etwas nervös und deswegen stieg der Blutdruck. Mich würde interessieren, was deine Meinung ist zum Thema Krafttraining und Blutdruck bei älteren Personen. Gibt es hier einen wissenschaftlichen Zusammenhang, welchen diese Altersklasse berücksichtigen sollte?

Herzlichen Dank für dein Feedback und sportliche Grüsse,
Luis

Hallo Luis

Zuerst möchte ich mit einigen Zeilen darauf eingehen, was der Blutdruck eigentlich genau ist. Er entspricht dem Druck, mit welchem unser Blut in den Blutgefässen bewegt wird. Der Blutdruck wird in der Einheit Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) gemessen. Die Höhe des Blutdrucks hängt von der Pumpleistung des Herzens und dem Widerstand der Gefässe ab. Der Blutdruck wird in zwei Werten angegeben, einerseits dem höheren, systolischen und andererseits dem tieferen, diastolischen Wert. Der höhere, systolische Blutdruckwert ergibt sich während der Pumpphase, wenn sich das Herz zusammenzieht und das Blut in die Arterien drückt. Der tiefere, diastolische Wert entsteht während der Erholungsphase, wenn sich das Herz entspannt und sich die Herzkammern wieder mit Blut füllen.

Als normale, systolische Blutdruckwerte (im Ruhezustand gemessen) gelten 100 bis 140mmHg. Beim diastolischen Blutdruck sind Werte von 60 bis 90mmHg im Normalbereich. Wichtig ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass die Blutdruckwerte nicht als statische Grösse zu verstehen sind, sondern sehr stark schwanken können, ohne dass wir etwas davon spüren. So kann der Blutdruck sprichwörtlich von Herzschlag zu Herzschlag unterschiedlich sein. Psychische Zustände wie Angst, Ärger, Erregung oder körperliche Aktivität können den Blutdruck bisweilen stark beeinflussen. Ich habe das selber mehrfach erlebt, wenn ich bei Kunden im Fitnessstudio den Blutdruck gemessen habe. Einige Kunden haben die Situation der Blutdruckmessung als unangenehm empfunden und wurden entsprechend nervös. Bei diesen Kunden habe ich daher deutlich höhere Blutdruckwerte gemessen als im entspannten Zustand zu Hause.

Du schreibst, dass du normalerweise Blutdruckwerte von 120 zu 70mmHg hast. Das sind sehr gute Werte, mit denen du mehr als zufrieden sein kannst. Bei deiner letzten Messung waren deine Werte um 14mmHg (systolisch) respektive 13mmHg (diastolisch) erhöht. Auch mit diesen Werten warst du nach wie vor im Normalbereich. Wie ich weiter oben ausgeführt habe, sind Schwankungen des Blutdrucks völlig normal. Ich würde dir aber trotzdem empfehlen, deinen Blutdruck im Auge zu behalten. Falls er stetig steigen sollte, solltest du das bei deinem nächsten Arztbesuch zur Sprache bringen. Zum Thema Krafttraining und Blutdruck bei Personen mit normalem Blutdruck ist es klar erwiesen, dass regelmässiges Krafttraining (ebenso wie Ausdauertraining oder regelmässige Bewegung!) stabilisierende oder gar senkende Wirkung auf den Blutdruck hat. Du machst mit deinem regelmässigen Krafttraining also bereits viel für deinen Blutdruck und deine Gesundheit. Weiter so, Luis!

Haben auch Sie Fragen zu Training, Ernährung und Entspannung? Schreiben Sie unseren Experten: fitness@20minuten.ch

(gss)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Verwirrt am 11.12.2015 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Und bei zu hohem?

    Mir mit zu hohem Blutdruck (ca 150/120) wurde immer von Krafttraining abgeraten - was stimmt nun?

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  • Renaldo am 11.12.2015 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Druckvoll

    Es ist erstaunlich wie sehr sich die Psyche auf den Blutdruck auswirken kann. Ich musste mal eine 24h Messung machen und als ich von der Arbeit nach Hause fuhr, natürlich im Stau, habe ich mich ziemlich genervt, die Messung zu dem Zeitpunkt war dann extrem hoch. Dasselbe bei Arztbesuchen, immer viel zu hoch. Bei Messungen daheim hingegen völlig normal.

  • JoggerIn am 11.12.2015 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt absolut!

    Ich kann Jonas Aussage absolut bestätigen. Seit ich regelmässig Ausdauersport betreibe, konnte ich a) massiv Gewicht reduzieren, b) meinen Ruhepuls vo 84 auf 54 senken und habe c) seither eher probleme mit zu tiefem Blutdruck. Trotzdem ist es aus gesundheitlicher Sicht unbedenklich und auf lange Frist gesehen wesentlich besser!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • einmediziner am 11.12.2015 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    blutdruck und sport

    Der Punkt ist, dass der Blutdruck während körperlicher Belastung durch die sympathische Stimulation des Herzens und der Gefässe steigt, welche das Herz schneller und kräftiger schlagen lässt und die Gefässe enger stellt. Somit überwiegen in Phasen der körperlichen Arbeit die sympathischen den parasympathischen Stimulationen, wodurch letztere langfristig gestärkt werden und das Herz in Phasen der Ruhe langsamer schlagen sowie die Gefässe grösser lassen, was zu einem tieferem Puls und Blutdruck in Ruhe führt. Sportler haben somit während Belastungen jeglicher Art einen ebenfalls hohen Puls und Blutdruck, jedoch in Phasen körperlicher und psychischer Ruhe tiefere Werte.

  • Dani K am 11.12.2015 19:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tip

    Nach dem krafttraining 20-30min cooldow dan stellt der körper schneller auf erholung!

  • S. Port am 11.12.2015 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tipp

    Krafttraining bezüglich Blutdruck als "gesund" oder "senkend" zu bezeichnen ist falsch. Durcj regelmässiges Krafttraining erhöht sich die Gefässsteifigkeit und somit der Blutdruck. Dabei muss man natürlich differenzieren, ob der Patient Ausdauer-, Schnelligkeit- oder Hypertrophietraining betreibt. Letzteres wirkt sich negativ auf den Blutdruck aus. Von daher mein Fazit: Sie haben an der ETH studiert und sollten wissen, dass man bei dieser Thematik differenzieren muss. Mein Tipp an den "Patienten": Wenn Krafttraining, dann vorallem Ausdauer und Schnelligkeit (vor allem im Alter).

    • Sportstudi am 11.12.2015 20:19 Report Diesen Beitrag melden

      Quellen bitte angeben

      Bitte geben Sie Ihre Quellen an. Würde mich als Sportstudent ETH sehr interessieren. Da bin ich aber gespannt...

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  • Renaldo am 11.12.2015 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Druckvoll

    Es ist erstaunlich wie sehr sich die Psyche auf den Blutdruck auswirken kann. Ich musste mal eine 24h Messung machen und als ich von der Arbeit nach Hause fuhr, natürlich im Stau, habe ich mich ziemlich genervt, die Messung zu dem Zeitpunkt war dann extrem hoch. Dasselbe bei Arztbesuchen, immer viel zu hoch. Bei Messungen daheim hingegen völlig normal.

  • Sartan am 11.12.2015 13:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    150/220

    Mit schon hohen Ausgangswerten resultieren sehr hohe Spitzenwerte von 220 und mehr bei Kraftanstrengungen, was theoretisch zum Platzen eines Gefässes führen kann. Sonst aber beugt Sport vor.