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Dr. Muscle

05. Januar 2016 20:05; Akt: 05.01.2016 20:05 Print

Anabolika pumpen die Muskeln nur kurzfristig

Wie gewonnen, so zerronnen: Im vierten Teil erklärt Dr. Muscle die Wirkung von Doping auf die Muskeln und wie schnell diese wieder nachlässt.

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Der Körper versucht, das biologische Gleichgewicht, das durch die Einnahme von Anabolika durcheinanderkommt, aufrechtzuerhalten (Bild: Maxriesgo)

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Bestimmte Fitnessgänger greifen zu Anabolika, weil sie glauben, dass es dadurch automatisch zu einer Zunahme der Muskelmasse, einer Reduktion der Fettmasse und somit zu einer Reduktion des Körperfettanteils kommt. Dies ist aber nicht zwingend der Fall. Der Körper versucht nämlich mit allen physiologischen Mitteln, das biologische Gleichgewicht, das für die Erhaltung und Funktion der Organe und des Organismus notwendig ist, aufrechtzuerhalten. Dies geschieht beispielsweise dadurch, dass die Anzahl Rezeptormoleküle, an welche die zugeführten androgen-anabolen Steroide (AAS) in den Zielzellen (zum Beispiel Muskelfasern) eigentlich binden sollten, reduziert werden.

Somit wird die Signalübertragung abgeschwächt und die Wirkung der extern zugeführten AAS nimmt im Zeitverlauf relativ rasch ab. Hinzu kommt, dass die Effekte von AAS auf die Muskelmasse aufgrund der individuell unterschiedlichen biologischen Situationen von Person zu Person stark variieren können.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass bei jungen Männern, die systematisch Krafttraining betreiben, die zusätzliche Einnahme von Anabolika im Durchschnitt zu den folgenden Auswirkungen auf die Muskelmasse und die Leistungsfähigkeit führt:

Muskelmasse und Körperzusammensetzung
•Zunahme der Körpermasse durch eine Zunahme der Muskelmasse (Magermasse). Auf die Ganzkörper-Fettmasse scheinen AAS aber entgegen der landläufigen Annahme keinen direkten Effekt zu haben.
•Zunahme des Muskelvolumens durch eine Zunahme der Querschnittsflächen von sowohl Typ 1 wie auch Typ 2 Muskelfasern. Je nach Muskelgruppe, Dosierung und Zeitdauer der Anwendung können die Effekte auf die verschiedenen Muskelfasertypen unterschiedlich stark ausfallen.
•Der obere Bereich des Oberkörpers (Brust, Schultern, Nacken und Oberarme) scheint am empfindlichsten auf AAS zu reagieren, da dort der Rezeptor, an den die AAS andocken (Androgenrezeptor, AR), vermehrt produziert wird. Somit können dort die AAS eine stärkere Wirkung entfalten.
•Nach dem Absetzen der Einnahme von AAS schwinden die beschriebenen Effekte innerhalb von zirka 6 bis 12 Wochen wieder.

Kraft und maximale Leistung
Viele, wenn auch nicht alle Studien beim Menschen zeigen, dass der mittlere Kraft- und Leistungszuwachs grösser ist, wenn zusätzlich zum Krafttraining AAS eingenommen werden. Allerdings ist der Effekt abhängig von der Art AAS, der Dosierung, der Verabreichungsdauer und ob gleichzeitig verschiedene AAS konsumiert werden.

Ausdauerperformance
Die Zufuhr von AAS führt zur Bildung und Entwicklung von roten Blutkörperchen (Eryhtropoese). In den roten Blutkörperchen befindet sich Hämoglobin, woran der eingeatmete Sauerstoff bindet und über das Blut zu den Körperorganen und -zellen mitgeführt wird, so auch zur arbeitenden Muskulatur. Da eine höhere Hämoglobin-Konzentration mit einer erhöhten Fähigkeit zum Sauerstofftransport in Zusammenhang gebracht wird, wurden früher AAS zur Steigerung der Sauerstoff-Transport-Kapazität eingenommen. Dies in der Hoffnung, dass sich dadurch die Ausdauer-Performance steigert. Bei gut trainierten Ausdauerathleten konnte dieser Effekt jedoch nicht nachgewiesen werden, vielleicht auch darum, weil es gleichzeitig zu einer erhöhten Gerinnungsneigung und Verdickung des Blutes kommt. Zudem hat beispielsweise das altbekannte Erythropoietin (EPO) die AAS in dieser Hinsicht schon längst abgelöst.

Fazit: Wie gewonnen, so zerronnen. Ganz zu schweigen von den gesundheitlichen Folgen, auf die ich in der nächsten Kolumne eingehen werde.

(gss)