Fitness

Wir bringen Sie in Form.
Hier erfahren Sie alles rund um Training, Ernährung und einen sportlichen Lifestyle.

Dr. Muscle

21. April 2015 11:31; Akt: 21.04.2015 11:31 Print

Das passiert beim Muskelwachstum

Was haben Züge und Wagen mit unseren Muskeln tun? Dr. Muscle klärt auf.

storybild

Jeder Skelettmuskel besteht aus Tausenden von zylinderförmigen Muskelzellen, den Muskelfasern. (Bild: Thinkstock)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Myofibrillen

Jeder Skelettmuskel besteht aus Tausenden von zylinderförmigen Muskelzellen, den Muskelfasern. Betrachtet man den einfachen Fall eines spindelförmigen Muskels, zum Beispiel den Bizepsmuskel, so verlaufen alle Muskelfasern in Längsrichtung parallel zueinander. Die Fasern verlaufen in diesem Fall demnach auf der Achse, entlang der auch die Muskelkraft auf die Sehnen und Knochen übertragen wird. Jede Muskelfaser enthält wiederum Tausende von dünnen, fadenförmigen Proteinstrukturen, den Myofibrillen. Diese Myofibrillen können Sie sich als lange Züge vorstellen, wobei jeder Zug aus sehr vielen, aneinander gekoppelten Wagen (Proteinkomplexen) besteht. Je mehr Myofibrillen (Züge) nebeneinander verlaufen, desto grösser ist die Querschnittsfläche der entsprechenden Muskelfasern, bzw. desto «dicker» sind die Muskelfasern. Je mehr Wagen der Länge nach aneinander gekoppelt sind, desto länger sind die Myofibrillen und somit auch die Muskelfasern. Je mehr Wagen sich in einer Muskelfaser befinden, desto grösser ist ihre Zellmasse bzw. ihr Zellvolumen (Zylindervolumen = Querschnittsfläche des Zylinders multipliziert mit seiner Höhe bzw. Länge).

Krafttraining führt in Kombination mit einer sinnvollen Proteinzufuhr über die Steigerung der Proteinmasse zu einer Zunahme der Muskelfaservolumen, d. h. sinnbildlich gesprochen zu einer Steigerung der Anzahl Wagen im Innern einer Muskelfaser. Die Zunahme des Muskelfaservolumens bzw. der Muskelfasermasse nennt man Muskelfaserhypertrophie. Wohlgemerkt geht aus den besagten Betrachtungen hervor, dass Muskelfaserhypertrophie durch die Zunahme der Anzahl Myofibrillen (Züge) innerhalb einer Faser und/oder durch die Zunahme der Anzahl Wagen (Längenzunahme der Myofibrillen) geschehen kann. Anders gesagt können die Wagen (Proteinkomplexe) entweder parallel zueinander und / oder hintereinander eingebaut werden. Ersteres führt zur Querschnittszunahme, Letzteres zur Längenzunahme der Muskelfasern.

Anzahl Muskelfasern bleibt gleich

Was hingegen beim erwachsenen Menschen durch Training im Normalfall unverändert bleibt, ist die Anzahl Muskelfasern. Im Normalfall bewirkt Training bei Erwachsenen somit gar keine oder keine nennenswerte Muskelfaserhyperplasie (Zunahme der Anzahl Muskelfasern), zumindest was kurz- bis mittelfristige Beobachtungszeiträume angeht. Muskelhypertrophie, d. h. die Volumenzunahme bzw. Massenzunahme eines ganzen Muskels, stellt demnach die summierte Muskelfaserhypertrophie in diesem Muskel dar. Unter den Bezeichnungen «Muskelwachstum» oder «Zunahme der Muskelmasse» versteht man landläufig nur die Querschnittszunahme des Muskels. Wie soeben dargelegt umfasst der Prozess der Muskel(faser)hypertrophie aber beides, sowohl das Dickenwachstum wie auch das Längenwachstum. Natürlich werden die Wagen auch abgebaut, z. B. bei Trainingsmangel, Bettlägerigkeit, Krankheiten usw. In diesem Fall kommt es zu einer Abnahme der Faserquerschnittsflächen und -längen, was man wiederum Muskelfaseratrophie bzw. Muskelatrophie nennt.

In welchem Zusammenhang diese Muskelanpassungen mit Ihrer Muskelkraft, Beweglichkeit und Schnelligkeit stehen, und ob man die «Richtung» der Hypertrophie durch Training beeinflussen kann, erfahren Sie in den nächsten Kolumnen.