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Fitnessgöttin Cindy Landolt

20. August 2018 13:34; Akt: 22.08.2018 22:10 Print

«Ich wollte nicht mehr ein herziges Meitli sein»

von Sulamith Ehrensperger - Cindy Landolt ist die bekannteste Personal Trainerin der Schweiz. Die 33-jährige Zürcherin über ihre Verwandlung, Weiblichkeit und Trainingsirrtümer.

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Cindy Landolt schafft beim Kreuzheben 146 kg, beim Bankdrücken 100 kg. Sie wiegt 82 Kilo bei einer Grösse von 179 Zentimetern. Erfahren Sie mehr über ihre Verwandlung vom Model zur Muskelfrau in der Bildergalerie. Innerhalb von zehn Jahren hat sie knapp 20 Kilo zugenommen und sich zur Fitnessgöttin trainiert. «Ich kam an den Punkt, wo es mir egal war, was andere denken», erklärt Landolt ihren Lebenswandel, «Ich wollte nicht mehr schlank, herzig und ein Meitli sein. Ich wollte nicht mehr ins Image passen, das andere von mir erwarteten. Ich wollte das tun, was mich jeden Tag glücklich macht.» Ihr direktes Umfeld musste sich daran gewöhnen, dass Cindy vom schlanken Model zur Kraftsportlerin wurde: «Das sind ja zwei sehr unterschiedliche Körpertypen. Manche hatten Bedenken, ich würde meinen Körper kaputtmachen». (Das Foto wurde 2009 in Australien aufgenommen.) Auf Instagram geizt sie nicht mit ihren Reizen. Ganz zur Freude ihrer 655'000 Abonnenten, die sie mit Liebeserklärungen überhäufen. Sie inszeniere sich sexy, um zu zeigen, was mit Krafttraining möglich sei: «Auch wenn die Bilder sexy oder provokativ sind, ist der Fokus immer auf den Muskeln.» Als Fitnessmodel und Personal Trainerin ist die Zürcherin international gefragt. «Das Denken über Fitness hat sich verändert. Muskeln sind nicht per se männlich.» Bis vor vier Jahren etwa hätte sie vielmehr negatives Feedback erhalten, unterdessen fast nichts mehr. «Ich denke, die Leute haben gesehen, dass ich nicht nur ein bisschen Muskeln pumpe, damit es kurzzeitig geil aussieht. Es ist meine Leidenschaft und gehört zu meinem Leben.» «Ich weiss, wie der Körper funktioniert und kann fokussiert auf ein Ziel hinarbeiten», sagt Landolt. Sie lebe sehr strikt, plant Kundentermine, Trainings und Meals wochenweise im Voraus. «Es ist kein Spaziergang. Wenn du ein Sixpack willst, braucht es einen Mahlzeitenplan, monatelangen Einsatz und Freude daran, diszipliniert zu trainieren.» Die freizügigen Bilder machen der Kraftsportlerin Spass, aber in ihrem Centurion Club stehe sie nie im knappen Bikini da. «Da trainiere ich mit meinen Kunden zu 100 Prozent professionell.» Als Personal Trainerin hat sie sich mit 22 Jahren selbständig gemacht. Seit elf Jahren investiert Landolt ihre ganze Energie in ihr Training, ihre Arbeit und ihre Kunden. Hier trainiert sie Redaktorin Sulamith Ehrensperger mit der Beinstrecker-Übung. Auch in Fragen zu Muskelaufbau, Fettverbrennung und Ernährung hilft sie weiter. Wie ist die Körperzusammensetzung in Bezug auf Fett, Muskeln oder Wassergehalt? Mit den Resultaten einer Körperanalyse stellt die Expertin einen massgeschneiderten Trainingsplan für die Redaktorin zusammen. Klassisches Krafttraining funktioniere laut Landolt für mehr als 90 Prozent der Leute, die Muskeln aufbauen und Fettmasse reduzieren wollen. Es brauche Disziplin und den Willen, das Training regelmässig durchzuziehen. «Was ich erreicht habe und weitergebe, ist das Resultat von vielen Jahren Trainingserfahrung. Von Hochs und Tiefs, testen, gewinnen, nicht erreichen, wieder starten, weitermachen!» In naher Zukunft will sich Cindy ihrer eigenen Sportnahrungslinie Organic Protein widmen, die seit kurzem auf dem Markt ist. Und wieder mehr Energie in andere Sportarten und Trainingsmethoden investieren. «Ich habe viele Jahre so intensiv trainiert und bewege so hohe Gewichte, um meinen Körper zu formen, dass ich nun wieder mehr Zeit und Kraft habe, Neues auszuprobieren.» Kniebeugen mit der Langhantel ist Cindy Landolts Lieblingsübung: Sie schafft 20 Wiederholungen mit 145 Kilo Gewicht. Redaktorin Sulamith Ehrensperger ist mit ihren 45 Kilo Körpergewicht für die Fitnessgöttin ein Fliegengewicht.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Cindy Landolt, dein erstes Mal im Kraftraum war mit 16 Jahren.
Ein junger Herr hat mich eingeführt. Das ist 17 Jahre her. Der Freihantelbereich war abgetrennt, die Tür stand offen. Fasziniert fragte ich ihn, was in diesem Raum sei. Das ist für Männer, antwortete er. Mich hat das gestört – und noch neugieriger gemacht.

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Gehört Krafttraining zu Ihrem Workout?

Was fasziniert dich am Kraftsport?
Ich bin mit Spitzensport aufgewachsen. Es fasziniert mich, den Körper bis ans Limit zu bringen, die ganze Atmosphäre, der Metall- und Schweissgeruch. Vom ersten Moment im Gym wusste ich, dass Krafttraining meins ist.

Innerhalb von zehn Jahren hast du knapp 20 Kilo zugenommen und dich zur Fitnessgöttin trainiert. Was war der Auslöser für diesen Lebenswandel?
Ich habe bis 2007 gemodelt. Als Model musste ich extrem schlank sein, nicht mehr als 60 Kilo wiegen. Ich fühlte mich dabei nicht wohl, aber mit 16 Jahren lernt man sich erst kennen und ich war noch nicht richtig glücklich. Ich kam an den Punkt, wo es mir egal war, was andere denken. Ich wollte nicht mehr schlank, herzig und ein Meitli sein. Ich wollte nicht mehr ins Image passen, das andere von mir erwarteten. Ich wollte das tun, was mich jeden Tag glücklich macht.

Auf deine Verwandlung hin reagierte dein Umfeld unterschiedlich. Es gab Leute, die hatten Bedenken, du würdest deinen Körper kaputtmachen.
Mein direktes Umfeld musste sich sicher daran gewöhnen, dass ich vom schlanken Model zur Kraftsportlerin wurde. Das sind zwei sehr unterschiedliche Körpertypen. Ich habe an meinem Körper hart gearbeitet, meine Figur in den letzten zehn Jahren konstant gehalten. Ich weiss, wie der Körper funktioniert und kann fokussiert auf ein Ziel hinarbeiten. Es ist kein Spaziergang. Wenn du ein Sixpack willst, braucht es einen Mahlzeitenplan, monatelangen Einsatz und Freude daran, diszipliniert zu trainieren.

Wie oft bekommst du zu hören, dass so viel Muskeln nur etwas für Männer sind?
Bis vor vier Jahren etwa habe ich viel mehr negatives Feedback erhalten, unterdessen fast nichts mehr. Ich denke, die Leute haben gesehen, dass ich nicht nur ein bisschen Muskeln pumpe, damit es kurzzeitig geil aussieht. Es ist meine Leidenschaft und gehört zu meinem Leben. Ich habe mich mit 22 Jahren selbständig gemacht und investiere seit elf Jahren extrem viel Zeit und Energie in mein Training, meine Arbeit und Kunden.

Stark ist das neue Schlanksein. Inwiefern hat das veränderte Schönheitsideal zu deinem Erfolg beigetragen?
Als ich damit angefangen habe, war die ganze Fitnesswelle noch nicht in der Schweiz angekommen. In den USA haben die Leute ganz anders auf meine Muskeln reagiert. Seit etwa drei bis vier Jahren ist Krafttraining auch bei Frauen in der Schweiz en vogue. Das Denken über Fitness hat sich verändert. Muskeln sind nicht per se männlich.

Was macht ein typisches Cindy-Workout aus?
Mein Workout basiert auf Powerlifting und Maximalkrafttraining. Ich setze mir immer Ziele und schreibe jedes Training auf. Ich weiss jede Übung, Wiederholung und jedes Gewicht der letzten zwölf Jahre. Viermal in der Woche trainiere ich Kraft und ziehe das voll durch. Ich stecke mir 4-, 8- oder 12-Monats-Ziele und plane Tagesablauf und Reisen danach. Das ist mein Geheimnis, dass ich wirklich ein Ziel setze und konsequent auf dieses hinarbeite.

Deine Muskeln sind stahlhart, dein Wille ist es auch. Wo ist die Wohlfühl-Cindy?
Für mich ist Training der Spass. Ich lebe sehr strikt, habe Kundentermine, Trainings und Meals wochenweise geplant. Das ist Routine für mich, keine Pflichtübung. Doch nach einem langen Arbeitstag ist mein Wohlfühlfaktor auch mal ein Glas Wein und einen Happen Käse. Am Sonntagmorgen ist es das Frühstück im Bett.

Auf Instagram geizt du nicht mit deinen Reizen. Ganz zur Freude deiner Fans, die dich mit Liebeserklärungen überhäufen. Wie passt das zu deinem Image als Kraftsportlerin?
Ich zeige meinem Po und spiele mit meinem Reizen. Auch wenn die Bilder sexy oder provokativ sind, ist der Fokus immer auf den Muskeln. Ich habe keine Berührungsängste, mich faszinieren Körper. Wenn ich mich bedeckt gäbe, könnte ich nicht zeigen, was mit Krafttraining möglich ist. Die Bilder machen Spass, aber im Centurion Club stehe ich nie im knappen Bikini da. Da trainiere ich mit meinen Kunden zu 100 Prozent professionell.

Welches ist der häufigste Fehler, den Leute tun, die sich einen definierteren Körper wünschen?
Sie wollen Fettmasse reduzieren, essen aber keine Kohlenhydrate mehr. Kohlenhydrate sind vor dem Training wichtig, weil sie Energie geben! Streichst du sie komplett aus der Ernährung, hast du keine Power, Gewichte zu heben und dich konstant zu verbessern. Wenn du stets falsch oder zu wenig isst, baut der Körper das körpereigene Protein ab und kein Gramm Fett. Schlimmstenfalls setzt er noch mehr Körperfett an, weil er immer im Hungerstatus ist. Der zweite Irrtum: Muskelmasse aufbauen und Fettmasse abbauen zur gleichen Zeit. Das geht nicht! Wer Kohlenhydrate so konsumiert, dass er sie wieder verbrennt, wird Muskelmasse aufbauen, weil er Power fürs Training hat. Mehr Muskeln sind der beste Fettkiller.

Welche Ziele möchtest du langfristig noch stemmen?
Ich habe viele Jahre intensiv trainiert und bewege so hohe Gewichte, um meinen Körper zu formen, dass ich nun wieder mehr Zeit und Kraft habe, Neues auszuprobieren. Ich will meine Energie in andere Sportarten, Trainingsmethoden und Programme für mich und andere investieren.

Verrätst du deinen wichtigsten Trainingstipp?
Was ich erreicht habe und weitergebe, ist das Resultat von vielen Jahren Trainingserfahrung. Von Hochs und Tiefs, testen, gewinnen, nicht erreichen, wieder starten, weitermachen! Ich habe gemerkt, dass viele Fitnesstrends für mich nicht passen. Klassisches Krafttraining funktioniert für mehr als 90 Prozent der Leute, die Muskeln aufbauen und Fettmasse reduzieren wollen. Es braucht Disziplin und den Willen, das Training regelmässig durchzuziehen, dann wirst du das Ziel erreichen.

Die heissesten Trainingstipps für einen Knackpo verrät Cindy Landolt Redaktorin Sulamith Ehrensperger in diesem Video.