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Dr. Muscle

22. Dezember 2015 13:13; Akt: 22.12.2015 13:13 Print

Im Doping herrscht eine hohe Dunkelziffer

Chemische Substanzen zur Muskelbildung sind weit verbreitet – gemäss Studien sogar mehr, als bisher angenommen. Wie verlässlich aber sind solche Umfragen?

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Doping hat seinen Weg in den Freizeitsport gefunden. Wie verbreitet Anabolika und Co. aber wirklich sind, bleibt schwer abzuschätzen. (Bild: Mtoome)

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Dass der Einsatz von Dopingsubstanzen thematisch längst nicht mehr exklusiv an den Spitzensport gebunden ist, darauf deuteten schon Umfragestudien aus den späten Achtzigerjahren hin. Wie in der letzten Kolumne aber erwähnt, legen aktuelle journalistische Recherchen nahe, dass Doping im Freizeitbereich aus gesundheitlicher, rechtlicher und soziokultureller Sicht inzwischen ein ernst zu nehmendes Thema geworden ist. Doch was sagen aktuellere Studienresultate zur Konsumhäufigkeit von Dopingsubstanzen im Fitness-Bereich aus und wie verlässlich sind die Aussagen?

Grundsätzlich kann man sich nicht gewiss sein, dass die in Umfragen erhobenen Daten zuverlässig sind. Dies gilt insbesondere für sozial heikle Themen wie beispielsweise den Drogenmissbrauch. Bei solchen Themen zögern die direkt befragten Personen, Informationen preiszugeben, die möglicherweise dem eigenen Ansehen schaden könnten. Man muss daher mit einer gewissen Dunkelziffer rechnen, d. h. man muss annehmen, dass viele Fälle von Drogenmissbrauch bei der Befragung nicht angegeben werden bzw. dass Falschaussagen gemacht werden.

Um das Vorkommen von solchen Falschaussagen zu reduzieren, setzt man spezielle Fragetechniken ein, bei denen die Informationen indirekt abgefragt werden. Aus einer Befragungsstudie in 113 Fitnesscentern in Deutschland (621 Personen, davon 37% Frauen und 63% Männer), bei der solch indirekte Fragetechniken eingesetzt wurden, zeigte sich Folgendes: 13,5% aller Befragten (bzw. 3,9% der befragten Frauen und 19,2% der befragten Männer) gaben an, aktuell oder in der Vergangenheit leistungsfördernde Substanzen eingenommen zu haben, die auf der Dopingliste stehen. Diese Zahlen liegen deutlich höher als die Angaben in früheren Studien, die die Konsumhäufigkeit von Dopingsubstanzen im Fitness-Bereich auf 5 bis 10% schätzten.

Wie erwähnt sind die Resultate aus Befragungsstudien mit Vorsicht zu geniessen und sollen auch hinterfragt werden. Seit der Publikation der oben genannten Befragungsstudie sind nunmehr 10 Jahre vergangen. Wie sich die realen Zahlen heute präsentieren, insbesondere auch was die Schweizer Fitness-Landschaft angeht, ist weitgehend unbekannt. Aufgrund der gesellschaftlichen Relevanz besteht daher wahrscheinlich Aufklärungsbedarf.

(gss)