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Dr. Muscle

28. April 2015 12:50; Akt: 28.04.2015 12:50 Print

Muskelaufbau oder Zirkusnummer?

Krafttraining auf instabiler Unterlage: Dr. Muscle klärt auf, wann es sinnvoll ist, darauf zu verzichten und welche Konflikte damit verbunden sind.

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Wann ist beim Krafttraining eine stabile Unterlage sinnvoll? (BIld: Thinkstock) (Bild: Meikepetri)

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Da liegen Sie herum, all die farbigen Bälle, Kissen und sonstigen Utensilien, auf welchen Kraftübungen ausgeführt werden: Von Bizepscurls auf einem weichen Kissen bis zu Kniebeugen auf einem Balancebrett – man sieht alles. Aber bringt das was? Und wenn ja, wozu?

Bei der Übungsausführung auf einer sogenannten instabilen Unterlage muss sich Ihr neuromuskuläres System in erster Linie darauf einstellen, dass Sie nicht auf die Nase fallen. Dieses Ziel steht im Konflikt mit dem Ziel, möglichst viel Kraft zu produzieren. Die Folge daraus ist erstens, dass Sie im eigentlichen Zielmuskel (d. h. im Muskel, den Sie aufbauen wollen) keine hohe Kraft produzieren können, wenn Sie gleichzeitig damit beschäftigt sind, einen Sturz zu vermeiden.

Negative Folgen

Zweitens äussert sich der Zielkonflikt darin, dass Sie eine beliebige Übung mit tiefer Last schneller abbrechen müssen, wenn Sie die gleiche Übung auf instabilem Grund ausführen. Der Grund dafür ist, dass unter den genannten Voraussetzungen die Aktivierung Ihrer Muskeln gehemmt ist, mit der Folge, dass unter anderem weniger Muskelfasern aktiv Kraft produzieren. Führen Sie die Bizepscurls demnach auf einem weichen Kissen stehend aus, so bürden Sie Ihrem neuromuskulären System einen Interessenkonflikt auf: Positionsziel gegen Kraftziel.

Wenn Sie Ihr neuromuskuläres System dahingehend trainieren wollen, mit solchen übungsspezifischen Interessenkonflikten fertig zu werden, dann ist diese Art der Übungsausführung wahrscheinlich sinnvoll. Ein Zirkusartist, der mit einem Bein auf einem Ball steht, mit dem anderen Bein einen Ball jongliert und gleichzeitig jemanden mit den Armen stützt, muss genau diese komplexe Bewegungsaufgabe ja auch sehr viele Male üben. Wenn Sie aber an Muskelhypertrophie interessiert sind, dann ist diese Art der Übungsausführung eher hinderlich, denn Sie entziehen dem eigentlichen Zielmuskel (im genannten Beispiel dem Bizepsmuskel) die Spannung.

So können Sie Interessenkonflikte vermeiden

Wenn Sie primär an Muskelwachstum interessiert sind, dann empfehle ich Ihnen daher, solche Interessenkonflikte zu vermeiden und Ablenkungen vom Kraftziel bzw. vom eigentlichen Zielmuskel zu vermeiden. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für jedes Training Fokus und Konzentration: Verschaffen Sie sich Klarheit darüber, was Sie mit einer bestimmten Übung eigentlich trainieren wollen, welche Muskeln Sie mit dieser Übung beanspruchen möchten und folglich, wo Sie ein Muskelbrennen spüren sollten. Aber nicht verzagen! Es gibt unendlich viele andere Möglichkeiten, wie Sie Farbe in Ihr Leben bringen können.

(cit)