Fitness

Wir bringen Sie in Form.
Hier erfahren Sie alles rund um Training, Ernährung und einen sportlichen Lifestyle.

Dr. Muscle

12. Mai 2015 13:40; Akt: 12.05.2015 13:40 Print

Mythos Rumpftraining

Das Training der Körpermitte boomt. Aber was steckt hinter dem vielgepriesenen Rumpftraining? Dr. Muscle klärt auf.

storybild

«Core Exercise» liegt voll im Trend. Aber was bezweckt Rumpftraining überhaupt? (Bild: Deandrobot)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Verbreitete Koordinationsstörungen

Rumpfstabilitätstraining (auf Englisch core stability training) ist seit den späten Neunzigerjahren immer populärer geworden. Die Idee zum Rumpfstabilitätstraining gründet auf der wissenschaftliche Erkenntnis, dass bei Patienten mit chronischen Rückenbeschwerden die zeitliche Abfolge der Aktivierung der verschiedenen Rumpfmuskeln im Vergleich zu beschwerdefreien Personen «gestört» ist. Diese Erkenntnis ist allerdings nicht wirklich neu, denn bereits in den späten Sechzigerjahren konnte nachgewiesen werden, dass bei Verletzungen und Schmerz die Koordination zwischen Muskeln beeinträchtigt sein kann. Ein Grund für diesen Koordinationsverlust ist, dass Verletzungen und / oder Schmerzen zu einer verzerrten Wahrnehmung der eigenen Körperbewegung und -lage beziehungsweise der Position einzelner Körperteile zueinander («Propriozeption») führen können.

Was bezwecken die Übungen?

Mit Rumpfstabilität meinen Trainer und Therapeuten die Fähigkeit und Fertigkeit, eine bestimmte Rumpfposition, Hüftstellung, Balance und Bewegungskontrolle während Körperbewegungen oder bei Halteaufgaben zu halten. Die durch Trainer und Therapeuten verschriebenen Übungen zielen theoretisch darauf ab, die Stabilisierungskompetenz zu verbessern. Im Speziellen basiert das weitverbreitete und populäre Rumpfstabilitätstraining unter anderem auf zwei zentralen Annahmen:

a) Es gibt eine Gruppe von tiefliegenden «Kern»-Muskeln im Rumpf (auf Englisch core muscles), die unabhängig von den oberflächlich liegenden Rumpfmuskeln (auf Englisch global muscles) funktionieren. Durch Rumpfstabilitätstraining kann gelernt werden, im Hinblick auf Alltagsbewegungen oder sportartbezogene Bewegungen diese Kern-Muskeln spezifisch (das heisst unabhängig von den globalen Rumpfmuskeln) zu aktivieren.

b) Eine Fehlfunktion dieser Kern-Muskeln führt zu einer verminderten Rumpfstabilität, welche wiederum für Rückenbeschwerden verantwortlich ist. Die Fehlfunktion kann drei Ursachen haben: Die Kern-Muskeln sind zu schwach, zu wenig ausdauernd und/oder die zeitliche Abfolge (das Timing) der Aktivierung dieser Muskeln erfolgt unkoordiniert. Durch Rumpfstabilitätstraining kann diese Fehlfunktion behoben bzw. verhindert werden.

Basierend auf diesen Annahmen hat sich weltweit ein grosses Geschäft entwickelt. Wie sinnvoll dieser Boom wirklich ist, erfahren Sie nächste Woche.