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Dr. Muscle

22. November 2014 12:01; Akt: 22.11.2014 14:34 Print

Verkatert ohne Alkohol

Warum haben wir Muskelkater? Und hilft Stretching, diesem vorzubeugen? Dr. Marco Toigo klärt auf.

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Wieso haben wir Muskelkater nach dem Sport? (Bild: Thinkstock)

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Wer kennt ihn nicht, den berühmt-berüchtigten Muskelkater? Unter dem Begriff Muskelkater versteht man allgemein das Gefühl von Muskelschmerz, -schwellung und -steifigkeit, das sich nach ungewohnter Muskelbeanspruchung bemerkbar macht. Der Begriff lehnt sich auf unpassende Weise an die Redewendung «einen Kater haben» an, die die schlechte körperliche und seelische Verfassung nach unmässigem Alkoholkonsum beschreibt.

Muskelkater stellt sich nicht unmittelbar nach der Belastung beziehungsweise dem Training ein, sondern erreicht typischerweise erst nach etwa 24 bis 48 Stunden sein Maximum und ist nach vier Tagen normalerweise wieder verschwunden. Die Muskelerholung ist dann aber bei Weitem noch nicht abgeschlossen und kann mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Der Zeitverlauf hängt von der Art und Anzahl der verursachenden Ereignisse ab. Dabei handelt es sich um kleinste Muskelfaserverletzungen, sogenannte Mikrotraumata. Diese entstehen, wenn die Muskelfasern bei unüblich grosser Dehnung Kraft produzieren, beispielsweise wenn Sie in gedehnter Position gegen einen Gegenstand drücken oder beim Wandern steil bergab gehen.

Entgegen der landläufigen Meinung steht Muskelkater also in keinem ursächlichen Zusammenhang mit einer allfälligen vorübergehenden Ansammlung von Laktat in den Muskelfasern. Viele Leute führen vor und nach dem Krafttraining Dehnungsübungen aus, um die Entstehung von Muskelkater zu vermeiden. Diesen Zeitaufwand können Sie sich mit gutem Gewissen sparen. Die besten verfügbaren wissenschaftlichen Daten zeigen nämlich klar, dass Stretching den Muskelkaterschmerz nicht reduziert und schon gar nicht verhindert. Warum auch? Mikroverletzungen sind nicht grundsätzlich «böse». Im Gegenteil stehen sie am Ursprung derjenigen Muskelanpassung, die Sie vor genau solchen Mikroverletzungen schützen, nämlich der Zunahme der Muskelfaserlänge. In diesem Sinne ist Muskelkater allemal einem Alkoholkater vorzuziehen. Prost!

(gss)