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Dr. Muscle

26. Mai 2015 13:55; Akt: 26.05.2015 13:55 Print

Wieso Stärke nicht immer Muskelwachstum heisst

Ihre Oberschenkel haben nicht an Muskelumfang zugelegt, aber die Übung an der Kniestreckermaschine fällt Ihnen trotzdem leichter? Dr. Muscle weiss wieso.

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Mehr Kraft muss nicht immer mehr Muskeln bedeuten. Wieso, erklärt unser Mucki-Experte Marco Toigo. (Bild: Thinkstock)

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Es liegt auf der Hand, dass Sie durch Krafttraining stärker werden, wenn die eingesetzten Muskelfasern durch Muskelfaserhypertrophie grösser werden. Es gibt aber auch andere Gründe, weshalb Sie «stärker» werden können, obwohl keine Muskel(faser)hypertrophie messbar ist:

• Die Last, die Sie beispielsweise an der Kniestreckermaschine bewegen können, hängt nicht nur von der Kraft Ihrer vorderen Oberschenkelmuskulatur ab, sondern auch davon, wie stark die Bewegung durch die Aktivität Ihrer hinteren Oberschenkelmuskulatur gehemmt wird. Ist diese Hemmung gross, wird das Resultat der Kraftanstrengung der vorderen Oberschenkelmuskulatur beeinträchtigt. Indem Sie die gleiche Kraftübung im Rahmen Ihres wöchentlichen Krafttrainingsprogramms wiederholt ausführen, lernen Sie mit der Zeit, bei der Beinstreckung die Beinbeugermuskeln entspannter zu lassen. Folglich haben Sie «mehr Kraft».

• Stellen Sie sich den Effekt einer Stroboskoplampe (Blitzgerät) in einem dunklen Raum vor: Je kleiner der zeitliche Abstand zwischen den einzelnen Lichtblitzen, d. h. je höher die Blitzfrequenz, desto grösser wird die durchschnittliche Raumhelligkeit. So wie die Raumhelligkeit von der Blitzfrequenz abhängig ist, ist die Muskelfaserkraft u. a. von der Impulsfrequenz, mit der die Faser von der motorischen Nervenzelle (Motoneuron) angeregt wird, abhängig. Je höher die Impulsfrequenz, desto höher ist grundsätzlich die Faserkraft. Krafttraining bewirkt, dass die Muskelfasern mit einer höheren Impulsfrequenz aktiviert werden, unabhängig davon, ob Muskelfaserhypertrophie erfolgt. Ein wichtiger Grund, weshalb Sie auch ohne Muskelzuwachs stärker werden können, liegt daher in der übungsbedingten Erhöhung der neuronalen Impulsfrequenz bzw. Feuerrate.

Sowohl die bessere Aktivitätsverteilung zwischen verschiedenen Muskelgruppen sowie die gesteigerte Frequenz, mit der die Nervenimpulse auf die Muskelfasern eintreffen, tragen somit zur verbesserten Übungskompetenz bzw. zu mehr Kraft bei – auch ohne sichtbare Muskelmassenzunahme. Dass Sie durch Krafttraining lernen, bei willentlich maximaler Kraftanstrengung mehr Muskelfasern einzusetzen (ein Fehlkonzept, welches unter dem Begriff «intramuskuläre Koordination» bekannt ist), trifft jedoch nicht zu. Bei willentlich maximaler Kraftanstrengung setzen Sie unabhängig vom Trainingsstand alle für die bestimmte Bewegungsaufgabe einsetzbaren Muskelfasern ein.