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Dr. Muscle

25. Februar 2016 11:25; Akt: 25.02.2016 12:42 Print

Zu viel Sport macht krank und müde

Schon wieder müde? Viel Training zapft nicht unbedingt zuerst die Fettzellen, sondern auch die Gesundheit an. Dr. Muscle erklärt, wieso.

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Erkältet? Zu viel Training und strenge Diäten belasten das Immunsystem. (Bild: Larszahnerphotography)

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Je mehr Bewegung und Training im Alltag, desto grösser wird der totale tägliche Energieumsatz (umgangssprachlich Energieverbrauch genannt). Diese Annahme hat bisher zu einem weit verbreiteten Abnehmtipp geführt: Die Idee ist dabei, den täglichen Energieverbrauch mit mehr Sport so anzuheben, dass er grösser wird als die tägliche Energieaufnahme über die Nahrung. Ist das der Fall, spricht man von einer negativen Energiebilanz. Da Energie jedoch weder vernichtet, noch erzeugt werden kann, bedeutet diese Situation theoretisch, dass der Körper seine eigenen Energiespeicher zur Deckung dieses Defizits einsetzen müsste. Die Hoffnung ist in einem solchen Fall natürlich, dass die eigenen Fettpolster daran glauben müssen.

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Haben Sie auch schon zu viel Sport getrieben?
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Insgesamt 1681 Teilnehmer

Viele Trainer und Ernährungsberater haben dieses Konzept verinnerlicht und erzählen darum ihren abnehmwilligen Lesern und Kunden, dass sie umso mehr Fett verlieren würden bzw. verlieren müssten, je mehr, je länger und härter sie bei konstanter, möglicherweise reduzierter Energiezufuhr trainieren.
Jetzt liegen aber neue wissenschaftlichen Studien vor, die dem widersprechen. Sie besagen, dass der Zusammenhang zwischen Muskelaktivität und dem täglichen Energieverbrauch weit komplexer ist als bisher angenommen: Anstatt den täglichen Verbrauch linear mit zunehmender sportlicher Aktivität zu steigern, scheint sich unser Stoffwechsel so anzupassen, dass ab einem gewissen Aktivitätsmass der Anstieg des täglichen Gesamtenergieverbrauchs gedämpft wird, also nicht weiter zunimmt. Anders gesagt, existiert wahrscheinlich ein individuell unterschiedlicher Sättigungspunkt im täglichen Energieverbrauch, ab dem jede weitere Steigerung des Bewegungspensums (Alltagsaktivitäten, Sport und Training) keine weitere Zunahme des totalen täglichen Energieverbrauchs zur Folge hat. Wenn ab einem gewissen Punkt, dem Sättigungspunkt, der tägliche Energieumsatz trotz mehr Bewegung nicht weiter zunimmt, so kann dies also nur bedeuten, dass der Energieumsatz, der nicht durch Bewegung generiert wird, abnimmt. Dies bedeutet, dass im Falle eines (zu) hohen Sportpensums der Körper ab diesem Punkt die übrigen Stoffwechselprozesse im Körper drosselt, um den totalen Energieverbrauch zu limitieren.

Das kann wiederum langfristig negative Effekte auf den generellen Antrieb (Müdigkeit, Erschöpfung), die Fortpflanzungsfähigkeit (Minderproduktion von Geschlechtshormonen), die Infektanfälligkeit (Immunsystem) und die Verletzungsanfälligkeit haben. Die Dämpfung der übrigen Stoffwechselprozesse ist sozusagen der evolutionäre Preis, den wir für die Beschränkung des totalen täglichen Energieumsatzes bezahlen müssen, wenn wir über ein gewisses, individuell unterschiedliches Mass Energie durch Bewegung umsetzen. Die Erhöhung des Sportpensums über den Sättigungspunkt hinaus kann sich in diesem Sinne ähnlich negativ auf die Gesundheit auswirken wie eine übermässige Reduktion der Nahrungs- bzw. Energieaufnahme (d. h. eine relativ zu Ihrem Energiebedarf stark energiereduzierte Diät). Es sei an dieser Stelle aber erwähnt, dass der dämpfende Effekt auf die nicht muskulären Funktionen nicht unbedingt nur negativ sein muss. Im Gegenteil, durch die Reduktion aller nicht muskulär bedingten Stoffwechselaktivitäten werden wahrscheinlich auch entzündliche Prozesse im Körper reduziert. So ist genau der antientzündliche Effekt von Training, z. B. bei kardiovaskulären und rheumatischen Erkrankungen, in der wissenschaftlichen Literatur gut dokumentiert.

Bis nächste Woche!

(gss)