Kleinsthäuser

18. Januar 2019 13:17; Akt: 18.01.2019 13:17 Print

Basel bekommt eine Tiny-House-Siedlung

von Daniela Gschweng - Die trendigen Mini-Häuser sollen bald auch Rheinknie stehen.

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Vor vielen Jahren schaffte es das erste Tiny House ins Fernsehen – als Behausung des immer gutgelaunten Alleserklärers Peter Lustig. Was damals als skurril galt, ist inzwischen ein weltweiter Trend geworden, der Mobilität mit Genügsamkeit und Nachhaltigkeit verbindet. Bald soll es die Minihäuser auch in Basel geben. Kurz vor Weihnachten beschloss der grosse Rat des Kantons Basel-Stadt, nach einem geeigneten Standort für Tiny Houses zu suchen.

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Kleinsthäuser gegen den Haustrend

Was das Basler Parlament mit grosser Mehrheit annahm, war lange Zeit als Wohngelegenheit für Abgehängte und Randgruppen verpönt. Die moderne Tiny-House-Bewegung begann ausgerechnet in den USA. Noch vor 15 Jahren galt dort: Wer in einem Trailerpark wohnte, galt als finanziell und meist auch sozial unten angekommen. Die Finanzkrise änderte das. Es begann ein Gegentrend zur «McMansion», der die Kleinstwohnungen aus der Schmuddelecke holte.

Die meist zwischen 15 und 50 Quadratmeter grossen Minihäuser, wie sie heute gebaut werden, sind raffiniert eingerichtet, sie schonen die Umwelt und je nach Bauweise auch das Portemonnaie. Für die von Wohnungsknappheit geplagten Ballungsräume ist die Beschränkung des seit Jahrzehnten steigenden Wohnraumbedarfs eine positive Entwicklung. Ob in Berlin oder Rotterdam, Städte legen Modellprojekte für Tiny Houses zur Bekämpfung der Wohnungsnot vor. In ländlichen Gegenden werden Tiny House Communitys gegründet, die neben günstigem Wohnen auch Wert auf Gemeinschaft und Nachhaltigkeit legen.

Platzprobleme

Auch in der Schweiz steigt das Interesse. Der Verein Klein Wohn Formen zählte Ende 2018 bereits 500 Mitglieder, berichtet die «bz Basel». Bis zur Ausweisung eines Basler Tiny-House-Parks kann jedoch noch etwas Zeit vergehen. Die basel-städtische Regierung hat dafür zwei Jahre Zeit und freie Flächen sind rar. Einen Hinweis auf den 2014 zwangsweise verkleinerten Wagenplatz auf einem Basler Zwischennutzungsgelände kann man sich da nicht verkneifen.

Zeit genug für die Basler Regierung, ein anderes Hindernis zu behandeln: die Gesetzgeber in vielen Ländern wissen schlicht nicht, wie sie mit Tiny Houses umgehen sollen. Werden sie als Häuser betrachtet, fallen sie unter alle Vorschriften, die auch für die «Grossen» gelten. Haben sie Räder, werden sie unter Umständen behandelt wie Wohnwägen. Wohnen, das kommt dazu, ist nur in dafür ausgewiesenen Gebieten erlaubt, egal worin. Eine Tiny-House-Bewohnerin im Aargau musste ihr Heim auf einem landwirtschaftlichen Gelände deswegen im vergangenen Jahr räumen.

Bewilligungen

Ähnlich würde es ihr zum Beispiel auf einem ungenutzten Industriegelände ergehen. Für Tiny Houses auf Parkhäusern und Dachterrassen bräuchte es eine Sondergenehmigung. In Kleingartensiedlungen gilt die jeweilige Satzung. Wer in der Schweiz ein Tiny House besitzt, hat deshalb oft Schwierigkeiten, einen Standplatz zu finden, sogar im ländlichen Raum.

Im Kanton Basel-Land ist man da schon weiter. Dort plant der der Unternehmer Hans-Jörg Fankhauser eine Tiny-House-Siedlung auf Privatgelände. Die ersten Plätze sind schon reserviert. Eine Bewilligung der Stadt Liestal hatte er im Dezember 2018 jedoch auch noch nicht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leandra am 18.01.2019 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Erst gestern eine Doku gesehen

    Die winzigen Dinger sind besser eingerichtet (Badewanne, Waschmaschine, Tumbler und Geschirrspüler inkl.) als eine 1 oder 2 Zimmer Wohnung, die überteuert und runtergewirtschaftet zu hauf in Basel zu finden sind.

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  • i-fit-you am 18.01.2019 13:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Es ginge auch unkompliziert. Aber damit verdient "man" ja nichts

  • kyrana am 18.01.2019 15:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Problem?????

    Wo ist das Problem. 80'000.00 Wohnungen stehen leer. Also Mieten runter und wir haben genug Wohnraum, auch für denn unteren Mittelstand dann erschwinglich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tom82 am 19.01.2019 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    an der Uferstrasse in Basel...

    ...dort mal das ghetto räumen, liebe Basler, dann hats tiptop Platz für diese Häuschen und keinen Ärger mehr.

  • Rebellin am 19.01.2019 21:33 Report Diesen Beitrag melden

    Suuuper

    Klein,fein,mein. Nicht viel zu putzen,mehr Zeit für mich und Reisen. Und das Gesellschaftsdenken war noch nie mein Ding. Bravo liebe Schweiz, das der Horizont sich in dieser Weise von Hüüdliaschaffig endlich erweitert.

    • visionär am 20.01.2019 00:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rebellin

      Wir in der schweiz müssen verdichtes bauen anwenden dh alte 3 stöckige häuser aufstocken alte häuser ausbauen lassen und in die höhe bauen das ist die zukunft gegen den landraub der bauern

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  • E.b. am 19.01.2019 16:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Sowas hätt ich auch gerne. Schaue mir diese Wohnform immer wieder an. Na ja, für's nächste Leben.

  • Ephraim Lercher am 19.01.2019 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    chüngälistall atmosphärä

    In der Bilderreihe stehen diese Häuschen alle in einem Gärtchen oder Plätzchen mit Umschwung, der von der Fläche bestimmt grösser ist als eine kleine Wohnung. So wird also gar nix gespart. Wenn dann diese Tiny-Houses platzsparend aneinandergereiht werden wie in einem Kaninchenstall, werden sie ihren Charme verloren haben.

    • tjt am 19.01.2019 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ephraim Lercher

      In Japan kennt man diese Häuser längst, sie heissen rabbit houses. Lebte in solch einem Haus: abends Dusche, tagsüber WC; Wohnzimmer = Schlafzimmer; Wäsche wurde über unsern Köpfen zum Trocknen gehängt. In der Küche natürlich. PP hatte qm wie Haus.

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  • Seri am 19.01.2019 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zersiedelung?

    Jeder hat sein eigenes Haus? LinksGrünes Verständis.

    • marko 33 am 19.01.2019 13:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Seri

      Wirklich

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