Ruinen

05. Juni 2019 21:39; Akt: 05.06.2019 21:39 Print

Die unheimlichsten verlassenen Orte der Welt

Verfall ist faszinierend: Wenn die Natur sich in zerfallenen Gebäuden ausbreitet, sorgt das für eine aussergewöhnliche Stimmung.

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Im Reschensee im Südtirol ragt ein Kirchturm aus dem Wasser. Er steht da schon seit dem späten 14. Jahrhundert, 1950 wurde der Ort Reschen für einen Stausee geflutet. Die Bewohner wurden mehrheitlich schon vorher unter der faschistischen Regierung enteignet. Der Kirchturm ist ein Wahrzeichen und wurde 2009 gar saniert und mit einem neuen Zifferblatt ausgestattet. Die am besten erhaltene Geisterstadt in Montana heisst Garnet. Wie viele amerikanische Geisterstädte begann ihr Aufstieg mit dem Goldrausch, währenddessen fast 1000 Menschen im Ort lebten. 20 Jahre später war das Gold weg, die Stadt wurde verlassen und bei einem Brand 1912 teilweise zerstört. Heute ist sie eine der beliebtesten Geisterstädte Amerikas mit über 16'000 Besuchern pro Jahr. Dieses Spital in Amerika war zwischen 1910 und 1961 eine Anlaufstelle für Tuberkulosepatienten. Viele überlebten den Aufenthalt nicht, was in erster Linie an den heute rabiat anmutenden Behandlungsmethoden lag. Den Patienten wurden beispielsweise Muskeln und Rippen entfernt. Besonders verstörend: Es gab eine Art Rutsche, mit der die Pfleger verstorbene Patienten unauffällig wegbringen konnten. Man nennt es auch das Atlantis von China: Shi Cheng ist eine versunkene Stadt im Qiandao-See südlich von Shanghai. In Shi Cheng gibt es Architektur aus der Ming- und Qing-Dynastie, die China zwischen 1368 und 1912 regierte. 1959 wurde die Stadt für ein Kraftwerk geflutet. Seit 2001 ist sie ein beliebtes Ziel für Taucher, die die perfekt erhaltenen Gebäude besuchen. Einst war es eine der grössten psychiatrischen Anstalten Amerikas: Das Central State Hospital mit seinen über 800 Hektar Land. Eröffnet wurde es 1842 und beherbergte während über 100 Jahren Menschen mit psychischen Krankheiten und Behinderungen. Die Bedingungen waren alles andere als optimal: 1959 kam auf 100 Patienten nur gerade ein Arzt, Lobotomien waren eine beliebte Behandlungsmethode und Erwachsene wurden angeblich permanent in Zwangsjacken gesteckt. Die winzige Insel befindet sich in den Xochimilco-Kanälen – und ist übersät mit Puppen. Der Hintergrund: Einst wohnte hier Don Julian Santana Barrera, der behauptet, es sei die Leiche eines Mädchens angeschwemmt worden, gefolgt von ihrer Puppe. Barrera war sich sicher, dass die Puppe der Seele des Mädchens beseelt war. Er hängte die Puppe als Opfergabe an einen Baum. Als in den folgenden Tagen immer mehr Puppen angeschwemmt wurden, hing Barrera auch diese auf. 50 Jahre später starb der Mexikaner auf der Insel, seine Puppen sind aber immer noch da. Etwa 30 Kilometer von Bogota entfernt liegt das Hotel del Salto. Es wurde 1928 direkt bei einem Wasserfall erbaut und war ein beliebter Ferienort für vermögende Touristen. Bis das Hotel zu Beginn der Neunziger plötzlich schloss. Gerüchten zufolge soll es Geister im Hotel gegeben haben – tatsächlich hat das Ende des Hotels aber vermutlich einen natürlichen Grund: Der Gestank der Wasserfälle, die aus dreckigen Flüssen stammen. Als die Michigan Central Station 1914 gebaut wurde, war es der grösste Bahnhof der Welt. Seit 1975 ist der Bahnhof im Register für historische Plätze, seit 1988 fahren keine Züge mehr und der Bahnhof verfällt mehr und mehr. Dieses Haus ist auch als Minxiong Gjost House bekannt und befindet sich in Taiwan. Erbaut wurde es 1929 für Liu Rong-Yu und seine achtköpfige Familie. Angeblich verliess die Familie das Haus, weil es von Geistern heimgesucht worden war, nachdem sich ein Hausmädchen im Brunnen ertränkt hatte. Wesentlich wahrscheinlicher: Die Lius gingen aus wirtschaftlichen Gründen. Im 1829 erbauten Gefängnis waren berühmte Verbrecher eingesperrt: Darunter Mafiaboss Al Capone und der Bankräuber Willie Sutton. Eine besonders verstörende Bestrafungsmethode war hier bis 1913 gang und gäbe: Einzelhaft. Die Gefangenen konnten nicht mit anderen Gefangenen oder den Wärtern kommunizieren. Heute ist das Gefängnis ein Museum und einmal jährlich, an Halloween, ein Haunted House, in dem Schauspieler zahlende Besucher erschrecken. 1970 wurde der «Zauberer von Oz»-Vergnügungspark eröffnet. Der Gründer, Grover Robbins, starb tragischerweise kurz vor der Eröffnung. Danach war der Park zehn Jahre geöffnet. Seit 1980 liegt der Park in Ruinen und öffnet nur noch einmal jährlich im Oktober – für Oz- und Gruselfans, die die unheimliche Szenerie mögen. Am Comersee wohnt nicht nur George Clooney, dort steht auch diese Villenruine: die Villa de Vecchi. Erbaut wurde sie von Alessandro Sidoli, der während der Bauarbeiten verstarb. Für Hausherr Felix de Vecchi kein schlechtes Omen: Er zog trotzdem mit seiner Familie ein. 1862 kehrte de Vecchi von einer Reise zurück und fand seine Frau ermordet auf, seine Tochter war verschwunden. De Vecchi beging Suizid, das Haus steht seitdem leer. Dieser verlassene Kühlturm liegt in Monceau-sur-Sambre in Belgien. Seit 1921 kühlte er eines der grössten Kohlekraftwerke Belgiens. Im Rahmen der Klimabemühungen wurde das Kraftwerk 2007 geschlossen. Die Ruinen sind beliebte Fotomotive und werden mittlerweile bewacht. Diese UFO-Häuser wurden in den späten Siebzigern in Taiwan gebaut. Geplant waren Sie für eine Art futuristische Öko-Kommune. Den Bauherren und Planern ging allerdings 1980 das Geld aus und das Quartier mit den seltsamen Häusern wurde verlassen. Angeblich war das Projekt aber sowieso zum Scheitern verurteilt – aus Aberglaube. Gebaut wurde nämlich an einer Stelle, an der holländische Soldaten begraben liegen sollen. Ein Teil der Gebäude wurde 2010 abgerissen. Die wahrscheinlich traurigste Ruine in dieser Bildstrecke sind die Überreste von Oradour-sur-Glane. 1944 fielen die Nazis in das Dorf ein, da sie hier einen französischen Offizier vermuteten. Die Deutschen erschossen alle 642 Bewohner und setzten das Dorf in Brand. Heute ist das Dorf ein Mahnmal für die Taten der Nazis im Zweiten Weltkrieg. 2005 wurde der Six-Flags-Vergnügungspark in New Orleans von Hurrikan Katrina geflutet und praktisch komplett zerstört. Es gab diverse Anläufe für Renovationen und Wiedereröffnungen, alle erfolglos – der Park ist noch immer eine Ruine. Er ist für die Öffentlichkeit aus Sicherheitsgründen gesperrt. Das war 1981 der offizielle Sitz der kommunistischen Partei in Bulgarien, auf dem Berg Chadschi Dimitar im Balkangebirge. Das UFO-artige Gebäude ist das grösste ideologisch motivierte Denkmal des Landes. Seit dem Zusammenbruch des sozialistischen Staates 1989 befindet es sich in einem sich stetig verschlechternden Zustand, einer Mischung aus Verfall und Vandalismus. Seit 2018 wird das Gebäude dauernd bewacht. Deutsche Diamantensucher liessen sich in Kolmanskop im frühen 20. Jahrhundert nieder. Nach dem Ersten Weltkrieg, als es keine Diamanten mehr gab, verliessen die Europäer das Dorf wieder – 1954 war Kolmanskop eine Geisterstadt. Heute liegt in den meisten Häusern bis zu einem Meter Sand. 1961 eröffnete Japan seine Version des Disneylands: Das Nara Dreamland, rund zwei Stunden ausserhalb von Osaka. 2006 ging den Verantwortlichen das Geld aus – wegen eines Wettstreits mit Tokyo Disney, dem offiziellen Vergnügungspark Disneys. Seit da steht der Park leer, Achterbahnen rosten vor sich hin und Attraktionen zerfallen. Diese beeindruckende Ruine ist ein Theater in New Bedford, einem Ort in Massachusetts. Eröffnet wurde es an dem Tag, an dem die Titanic sank: am 15. April 1912. Im Gebäude befand sich einst ein Ballsaal, ein Gymnasium und ein Schiessstand – ja, wirklich. Später wurde es in eine Aufführungsstätte für das beliebte Vaudeville Theater umgewandelt.In den Fünfzigern schloss das Theater und war kurzzeitig Lagerraum eines Tabakunternehmens. Heute steht das Gebäude leer – und steht zum Verkauf.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beämwe am 05.06.2019 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mystisch...

    Absolut faszinierend. Wenn diese Gebäude oder die Umgebung noch dazu erzählen könnten. Vielleicht würde heute manches logischer, öder verständlicher erscheinen.

  • Epik am 05.06.2019 22:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wow

    Imposante Gebäude. Schon nur auf Bild betrachtet, beschleicht mich ein kribbelndes Gefühl dabei. Und das Foto mit der versunkenen Stadt - einfach genial.

  • pädde am 05.06.2019 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verlassene orte

    prypiat? ist auch eine geisterstadt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jonas Schmidt am 12.06.2019 18:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    den grusligsten vergessen

    Was ist mit Tshernobyl?

  • Turi am 10.06.2019 21:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interlaken

    Die Mystery World in Interlaken könnte man auch dazuzählen... beim Vorbeifahren spukt dieser auch.

  • Catlover am 06.06.2019 19:48 Report Diesen Beitrag melden

    Genau

    Genau, habe ich auch gedacht. Und unser Sanatorium am Gotthard

  • ted. am 06.06.2019 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    verlassenen Orte der schweiz

    kennt jemand ähnliches in der schweiz , wie das Senatorium im Tessin ? War mal in einer nacht und nebel aktion dort.... war super!

    • Pissbirne am 12.06.2019 13:42 Report Diesen Beitrag melden

      Ja, kenne ich

      Das Miethaus in dem ich wohne sieht in etwa so aus wie die Liu-Residenz.

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  • John Stämpfli am 06.06.2019 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Grusel, den es gar nicht gibt

    Unheimlich,dass ist nur der Kopf Wir besuchten letzten Winter ein leerstehendes Jagdschloss von 1717. Nebel und Verfall , Grusel pur. Das Resultat, schloss gekauft und als neues Heim erkoren. Kein Grusel sondern Geschichte. Die Schlossgespenstet