Spite-Houses

25. Oktober 2019 16:39; Akt: 25.10.2019 16:39 Print

Diese Häuser sollen nur die Nachbarn ärgern

von Meret Steiger - Ein Spite-House ist ein Haus, das nur gebaut wurde, um damit jemanden zu verärgern. Ein paar Beispiele.

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Dieses als «The Pink House» bekannte Gebäude steht auf Plum Island in einem Salzsumpf. Erbaut wurde es von einem Mann, der seine Frau damit ärgern wollte. Er verpflichtete sich, seiner Ex-Frau ein Nachbildung des gemeinsamen Hauses zu bauen. Die Ex-Frau verpasste es aber, zu sagen, wo es gebaut werden soll – und so steht es heute in einer eher unbewohnbaren Gegend. Aus den Leitungen kommt Salzwasser. Al Ba'sa («Die Missgunst») in Beirut ist ein wahnsinnig schmales Haus (am schmalsten Ende nur noch eine Wand). Der einzige Zweck dieser Konstruktion: Dem Gebäude dahinter die Sicht aufs Meer zu versperren. Hintergrund ist ein Streit zwischen zwei Brüdern. Derjenige, der sich ungerecht behandelt fühlte, baute ein Haus, einfach nur um den Wert des Grundstückes seines Bruders zu mindern – dem fehlt jetzt nämlich der Meerblick. Die Besitzerin dieses Hauses stritt mit ihren Nachbarn: Sie wollte das Haus gerne abreissen und etwas Neues bauen, die Nachbarn hatten aber Einspruch erhoben. Was ihr aber niemand verbieten konnte, war ein neuer Anstrich: Um die sturen Nachbarn zu nerven, strich sie das Haus kurzerhand in Rotweiss. Wohl eines der bekanntesten Spite-Houses wurde erst zu einem solchen, als sich die umliegende Nachbarschaft veränderte: Edith Macefield weigerte sich, ihr Haus zu verkaufen, als ein Einkaufszentrum in der Gegend gebaut werden sollte. Dass Edith die Vorlage für den Pixar-Film «Oben!» lieferte, ist allerdings nur eine moderne Legende: Die Arbeiten am Film begannen bereits zwei Jahre bevor Macefield mit den Bauherren stritt. Dieses Spite-House sieht von vorne ganz normal aus. Tatsächlich geht es aber auch hier darum, die Nachbarn zu ärgern. Angeblich wurde dem Besitzer des Grundstücks von einem Nachbarn ein «lächerlich kleiner» Betrag dafür geboten, damit er seinen eigenen Garten vergrössern konnte. Darüber war der Grundstückbesitzer so beleidigt, dass er sich entschloss, ein Haus auf dem Grundstück zu bauen. Das Gebäude hat eine aussergewöhnliche, dreieckige Form: An seiner schmalsten Stelle ist es nur gerade 1,4 Meter breit, an der breitesten mehr als 4,5 Meter.

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Das Haus auf Plum Island

Über dieses Haus haben wir bereits geschrieben. Es ist das Ergebnis einer besonders unschönen Scheidung: 1925 wollte sich ein Mann in Newburyport (Massachusetts) scheiden lassen. Seine Frau stimmte aber nur unter einer Bedingung zu: Der Mann sollte eine exakte Nachbildung des gemeinsamen Hauses für sie bauen.

Die Frau hätte etwas spezifischer sein sollen: Der Ex-Mann baute das Haus auf Plum Island, die grösstenteils aus einem sogenannten Salz-Sumpf besteht und ziemlich unbewohnbar ist.

Al Ba'sa («Die Missgunst») in Beirut

Wenn die Spite-Houses nicht dazu da waren, um Nachbarn – oder Ex-Partner – zu verärgern, dann entstanden sie oft wegen Familienstreitigkeiten: So auch beim Al Ba'sa in Beirut, einem sehr schmalen Haus, das nur gebaut wurde, um den Wert des dahinterliegenden Grundstücks zu mindern. Erbaut wurde es 1954: Zwei Brüder hatten beide jeweils ein Stück Land geerbt.

Blöderweise ist die Aufteilung nicht optimal gelungen, denn während auf dem einen Grundstück ein normales Haus Platz hatte, hatte das andere eine Art Spitze, die nur gerade 60 Zentimeter breit ist. Dort ein Haus zu bauen, war absurd, was dem Mann aber egal war: Sein Gebäude war einzig dazu gedacht, seinem Bruder den Meeresblick zu verbauen.

Candy Cane House in London

Manchmal ist es nicht der Bau eines Hauses, der andere verärgern soll, manchmal ist es auch die Dekoration – oder in diesem Fall der Anstrich. Zipporah Lisle-Mainwaring kaufte ein Haus in Kensington für mehrere Millionen Pfund und dachte, dass sie damit nun alles machen könne – auch abreissen und ein neues Haus bauen.

Ihre Nachbarn sahen das anders und erhoben Einspruch. Lisle-Mainwaring versuchte zwar die nötigen Bewilligungen trotzdem zu bekommen, scheiterte aber. Was ihr aber niemand verbieten konnte, war ein neuer Anstrich. Um die Nachbarn zu verärgern, entschied sich die Engländerin für einen rotweissen Streifen-Anstrich. 2017 bekam sie ihre Bewilligung.

Macefield House in Seattle

Manche Spite-Houses werden erst zu solchen, wenn sich die Nachbarschaft darunter massiv verändert. So auch beim Haus von Edith Macefield, die 2006 bekannt wurde: Ein Shoppingcenter sollte in ihrer Nachbarschaft gebaut werden – und trotz eines Kaufangebots von über einer Million Dollar wollte die Rentnerin ihr 108 Jahre altes Haus nicht verkaufen.

Die Bauherren des Shoppingcenters bauten irgendwann einfach um das Haus von Edith Macefield herum. Die Gerüchte, dass diese Geschichte den Animationsfilm «Oben» inspirierte, stimmen aber nicht: Die Produktion für den Film begann bereits 2004, zwei Jahre bevor sich Macefield gegen das Bauprojekt wehrte. Das Haus steht heute noch.

Montlake Pie House in Seattle

Was genau beim Montlake Pie House passiert ist, ist unklar. Angeblich wurde dem Besitzer des Grundstücks von einem Nachbarn ein «lächerlich kleiner» Betrag dafür geboten, damit dieser seinen eigenen Garten vergrössern konnte. Darüber war der Grundstückbesitzer so beleidigt, dass er sich dazu entschloss, ein Haus auf das Landstück zu bauen.

Angeblich strich er sogar die Rückseite des Hauses schwarz, um den Nachbarn die Aussicht noch mehr zu vermiesen. Und obwohl das Haus von vorne normal aussieht: Das Gebäude hat eine aussergewöhnliche dreieckige Form: An seiner schmalsten Stelle ist es nur gerade 1,4 Meter breit, an der breitesten mehr als 4,5 Meter. Die Nachbarn, die damals verärgert werden sollten, sind inzwischen ausgezogen.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr Spock am 25.10.2019 16:57 Report Diesen Beitrag melden

    Herrlich

    Der mit der Ehefrau brachte mich sowas von zum Lachen. Das verlangte Haus steht in der Mitte von Nirgendwo und - der absolute Kracher - aus den Leitungen fliesst Salzwasser! Haha, so gut, echt. Der Lacher tat gut... Auch der, der ein Wandhaus baut, nur um seinem Bruder die Meersicht zu nehmen... touché!

  • rammirocker am 25.10.2019 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    und in der Schweiz....

    würde solche "Racheakte" "behördenmässig" im Keim erstickt. Nur schon der Gedanke an solchen "Plänen" daran ist verboten in der Schweiz.....^^

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  • Theorie &Praxis am 25.10.2019 16:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schöns wuchenend

    Das rot-weisse gaus wäre in der schweiz zu bunt. Hier würde man es gleich abreissen und anstelle einen betonklotz bauen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Flørigni am 26.10.2019 16:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oh mann

    Zum Glück vertrage ich mich gut mit meinen Verwandten. Wie kann man sich dermassen über Immobilien in die Haare kriegen? Das sind ja richtige Tragödien.

  • Ganjaflash am 25.10.2019 21:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
    • kottan53 am 26.10.2019 01:33 Report Diesen Beitrag melden

      Ganjaflash

      Bedenken Sie, falls möglich, es gibt Mitmenschen, die sind nicht bekifft und finden das nicht sooo lustig

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  • emmentaler am 25.10.2019 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    ist ja toll...

    ... dass die missgünstigen, bornierten Schweizer so etwas lustig finden!

    • HMR am 25.10.2019 22:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @emmentaler

      Bin Deutscher - finde es auch lustig! Hahaaaa!!!! Schweizer sind übrigens nicht borniert - nur ein paar wenige sind übertrieben selbstkritisch.

    • Manu-L am 26.10.2019 08:13 Report Diesen Beitrag melden

      @emmentaler

      Ich verrate Ihnen ein Geheimis: Ich würde genauso handeln wie die Leute im Artikel. Weil ich anderen gerne auf die Nerven gehe.

    • Peter Mümmelmann am 26.10.2019 12:46 Report Diesen Beitrag melden

      Oh Erhabener

      Vielen Dank für IHR Pauschalurteil. Vielsagende Überheblichkeit. Sie wissen schon: Wer auf andere zeigt, zeigt gleichzeitig dreifach auf sich selbst ...

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  • Herr Leherer Pünktli am 25.10.2019 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    enau

    Ärgern ? , ich finde das Genial, mehr davon !!

  • Domino am 25.10.2019 18:10 Report Diesen Beitrag melden

    korrekte Umfrage

    Eigentlich müsste es heissen: Haben Sie auch ein Spite House gebaut?