St. Mary Redcliffe

27. Februar 2019 19:16; Akt: 27.02.2019 19:16 Print

Diese Kirche ist unverwüstlich

von Daniela Gschweng - Die 900 Jahre alte Kirche St. Mary Redcliffe ist ein Wahrzeichen der Stadt Bristol. Dass sie noch steht, verdankt sie dem Mut der anglikanischen Gemeinde.

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Seit 900 Jahren trotzt sie Sturm, Wetter und Kriegen: Die St. Mary Redcliffe Kirche, die schon manchem Zuflucht bat und auch heute noch eine aktive anglikanische Gemeinde hat. Schon im 12. Jahrhundert stand auf einer roten Klippe (englisch: «Red cliff») eine Gedenkstätte über dem Fluss von Avon. Seefahrer beteten dort regelmässig für die sichere Ankunft und Heimkehr bei langen Seefahrten, die sie zunächst nach Irland und später in die ganze Welt bringen sollten. Auch später, nach Fertigstellung der neuen Kirchen, baten Seefahrer und ihre Angehörigen in der St. Mary Redcliffe um eine erfolgreiche Reise, bevor sie sich in die neue Welt aufmachten. Nach ihrer sicheren Heimkehr bedankten sie sich in der Kirche für ihr Leben. Die im gotischen Stil erbaute Kirche gilt als Wahrzeichen von Bristol. 78 Jahre dauerte der Bau, der im Jahre 1298 begann. Nach Ferstigstellung der Inneneinrichtung schlug 1446 ein Blitz in den Kirchturm. Die abgebrochene Spitze wurde erst 400 Jahre später repariert. Während des englischen Bürgerkriegs und der Reformation wurde die Kirche im 17. Jahrhundert sehr beansprucht. Einige Steinfiguren und -verzierungen und der Grossteil der farbigen Glasfenster wurden zerstört. Dank der Hilfe der Queen und der finanziellen Unterstützung reicher Händler der Stadt wurden die Schäden behoben. Auch im Zweiten Weltkrieg musste die Kirche einiges aushalten. Die Luftangriffe während des «German Blitz» waren so heftig, dass die Altstadt von Bristol stark beschädigt wurde. Der Legende nach stellten sich Mitglieder der Gemeinde nachts auf das Dach der Kirche, um brennende Bomben wegzukicken.

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Sie ist so gross, detailreich und prächtig, dass sie eher an eine Kathedrale erinnert als an eine Pfarrkirche. Zudem wimmelt es in einer der grössten englischen Kirchen an Details. Die im gotischen Stil erbaute Kirche St. Mary Redcliffe ist seit Hunderten von Jahren eines der Wahrzeichen der englischen Stadt Bristol. Gotisch, das bedeutet unter anderem: jede Menge Wasserspeier, Unmengen rätselhafter Ornamente und Steinfiguren, darüber ein beeindruckendes Kirchengewölbe.

Rote Klippen als Namensgeber

Gebaut wurde sie bereits vor 900 Jahren. Im Jahr 1370, 78 Jahre nach Baubeginn, war das Gebäude grösstenteils fertig, in einer für damalige Verhältnisse üblichen Bauzeit. Wobei man sich «Bauen» nicht so vorstellen darf wie heute. Einige Gebäudeteile waren bei Baubeginn schon mehr als 100 Jahre alt und wurden in die Pläne integriert.

Schon im 12. Jahrhundert war auf einer roten Klippe (auf Englisch «Red cliff») eine Kirche über dem Fluss Avon gestanden. Seefahrer beteten dort für eine sichere Rückkehr von ihren Reisen, die zunächst ins nahegelegene Irland führten, später in die ganze Welt.

Die Unzerstörbare

St. Mary Redcliffe hat über die Jahre einiges gesehen und vieles aushalten müssen. Kaum waren Fenster und Inneneinrichtung fertig geworden, traf 1446 ein Blitzschlag den Kirchturm. Die Spitze brach ab und wurde erst 400 Jahre später repariert. Bis dahin musste St. Mary Redcliffe mit einem Kirchturmstumpf auskommen.

Entdecker und Händler scheint das nicht gestört zu haben. Viele baten in St. Mary Redcliffe um eine erfolgreiche Reise, bevor sie sich in die neue Welt aufmachten, und dankten nach der Rückkehr von ihren Reisen. John Cabot, der erste Europäer, der nach den Wikingern das amerikanische Festland erreichte, brachte von seiner 1497 erfolgten Reise ins heutige Neufundland einen Walknochen mit, den Besucher der Kirche besichtigen können.

Von der Queen gerettet

Die Reformation und der englischen Bürgerkrieg kosteten die Kirche im 17. Jahrhundert gute Teile der Inneneinrichtung, einige Steinfiguren und -verzierungen und den Grossteil der farbigen Glasfenster. Ansonsten überstand das Gebäude die turbulente Zeit gut. Mit Hilfe der Queen und der vermögenden Händler der Stadt wurden die Schäden behoben.

Vermögende Kaufleute gab es viele, Bristol war inzwischen zu einer bedeutenden Handelsmetropole geworden. Nachdem der Sklavenhandel Anfang des 19. Jahrhunderts verboten wurde, musste die Stadt ihre Vormachtstellung allerdings an Liverpool abgeben. Bristol entwickelte sich in Folge der Industrialisierung zum Zentrum der Luftfahrtindustrie.

Mutige Kirchenmitglieder

Was St. Mary Redcliffe fast zum Verhängnis wurde. Beinahe wäre es mit ihr im Zweiten Weltkrieg endgültig vorbei gewesen. Die deutschen Angriffe während des «German Blitz» waren so heftig, dass Teile von Bristol, darunter mehrere andere Kirchen und die historische Innenstadt, völlig zerstört wurden. Dass die bekannte Kirche noch steht, verdankt sie nur dem Einsatz der Gemeinde.

Legenden zufolge stellten sich Freiwillige nachts auf das Dach der Kirche und kickten die deutschen Brandbomben weg. Sogar der Pfarrer machte mit. Die Explosionen waren so heftig, dass eine Tramschiene über mehrere Häuser hinweg in den Kirchhof geschleudert wurde und sich dort in den Boden bohrte. Dort steckt sie noch heute.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Laferi am 28.02.2019 07:55 Report Diesen Beitrag melden

    Bilder

    Ein Bild der Schiene im Hof wäre noch interessant gewesen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Laferi am 28.02.2019 07:55 Report Diesen Beitrag melden

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    Ein Bild der Schiene im Hof wäre noch interessant gewesen.