Ugly Belgian Houses

26. Juni 2019 18:35; Akt: 26.06.2019 18:35 Print

Dieser Blog ist voller Architektur-Albträume

von M. Steiger - Der Blog eines Belgiers zeigt eine Eigenheit des Landes: In den Vororten hat fast jedes Haus einen anderen Architekturstil.

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Bei den Belgiern ist es üblich, sich ein eigenes Haus zu bauen. So üblich, dass es sogar ein Sprichwort gibt: Jeder Belgier wird mit einem Ziegelstein im Bauch geboren. Das Resultat dieser Einstellung wird besonders in einigen flämischen Vororten sichtbar: Hier ist jedes Haus anders.

Blog sammelt die verschiedenen Häuser

Hannes Coudenys, der einst selbst in einem dieser Häuser lebte, dokumentiert die Bauwerke für seinen Blog Ugly Belgian Houses. «Es ist ein Albtraum, ein architektonisches Legoland», sagt Coudenys in seinem Blog.

«Belgien ist ein Wirrwarr. Es ist, als hätte man erst mal jeden Quadratmeter mit Häusern zugepflastert und dann später noch irgendwie eine Strasse dazwischen geklemmt. In Belgien kannst du in einem 100-Meter-Radius locker zwölf verschiedene Architekturstile antreffen», sagt Coudenys.

«Das Land ist einfach zu klein dafür. Die Häuser wirken aneinandergepresst und jede individuelle Qualität geht verloren, wenn das Nachbarhaus mit einem komplett anderen Stil auftrumpft.»

Rechtliche Probleme

Coudenys begann den Blog 2011, als er selbst noch in einem solchen Haus wohnte – und merkte bald, dass nicht nur ihm die unterschiedlichen Stile aufgefallen sind. Mit der steigenden Anzahl Leser kamen aber auch einige Probleme.

«Ich habe böse Briefe von Anwälten bekommen. Anwälte von den Menschen, die in den Häusern lebten und mich des Rufmords bezichtigten – ausserdem sei es ein Eingriff in die Privatsphäre», so Coudenys. Aus Angst vor den Konsequenzen ging der ganze Blog offline.

Buch aus Blog

Einige Jahre später wohnte Coudenys erneut in einem «Ugly Belgian House» und eröffnete den Blog wieder. Den Hausbesitzern gibt er neu die Möglichkeit, ihre Fotos löschen zu lassen. Rund zehn Prozent nehmen das auch in Anspruch.

«Ich verstehe schon, warum manche Menschen ihre Häuser nicht auf dieser Seite sehen wollen. Die einen nehmen es halt sehr persönlich, wenn jemandem ihr Haus nicht gefällt», sagt Coudenys. Aber: Ein Grossteil der Hausbesitzer ist nicht nur mit einer Veröffentlichung auf dem Blog einverstanden, sie erscheinen auch in seinem Buch «Ugly Belgian Houses».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ratatouille am 26.06.2019 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Bilder

    Da lobe ich mir doch die 'individuelle Qualität' in unseren neusten Monolit-Oasen, Kreativität wohin das Auge reicht - echt schweizerisch...(finde die Ironie)

  • Einer Lei am 26.06.2019 21:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    Gut so Jeder soll machen was er will. Jeder hat schließlich selbst bezahlt Wenn alles gleich ausschaut ist das doch langweilig

  • S. R. am 27.06.2019 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch gut so.

    Das finde ich gut. Jeder baut, wie es ihm gefällt, und wie er sein Haus platzieren kann. War früher in den alten Stätten auch so. Wer wenig Geld hatte, baute ein schmales Haus, da die Backsteine teuer waren und die Handwerker günstig. Wer reich war, konnte sich ein breites Haus bauen. Sieht man in der Zürcher Altstadt ganz deutlich. Dies trägt dazu bei, dass es lebendig wirkt. Keine eintönige, öde Häuser Zeile wie man sie heute sieht. Jedes Haus individuell. Auch Verzierungen an den Häusern sind immer änderst, je nach Erbauer und Geldbörse.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Maxo am 27.06.2019 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    Ich lebe den Architektur-Albtraum!

    Ich lebe den Architektur-Albtraum! Ich arbeite als Zeichner mit 14 anderen Architekten zusammen. Von 14 kannst man gerade mal 4 brauchen. Die haben heute Pflicht-Yoga an der ETH dafür aber 0 in Worten Null % Ahnung was nach SIA 400 (Planzeichnungsreglement) auf ein Ausführungsplan gehört und was nicht. Von CAD Anwendung haben sie noch weniger Ahnung! Absoluter Albtraum!

    • KistenRappeler am 27.06.2019 14:36 Report Diesen Beitrag melden

      @Maxo

      Arbeite auch mit Architekten zusammen. Nicht nur dass sich jeder einzelne für ein Ausnahmetalent hält, nein, jeder bezeichnet seinen neuesten Wohnblock (wie es zurzeit tausende gibt) als individuelle Kunst. Realitätsfremd wie Uriella.

    • meierisli am 27.06.2019 20:04 Report Diesen Beitrag melden

      der beton vielleicht?

      ich möchte so einen viereckigen betonklumpen als haus. was ich nicht verstehe ist, dass die teurer sind als ein jugendstilhaus.. wieso ist ein klumpenhaus so teuer?

    einklappen einklappen
  • S. R. am 27.06.2019 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch gut so.

    Das finde ich gut. Jeder baut, wie es ihm gefällt, und wie er sein Haus platzieren kann. War früher in den alten Stätten auch so. Wer wenig Geld hatte, baute ein schmales Haus, da die Backsteine teuer waren und die Handwerker günstig. Wer reich war, konnte sich ein breites Haus bauen. Sieht man in der Zürcher Altstadt ganz deutlich. Dies trägt dazu bei, dass es lebendig wirkt. Keine eintönige, öde Häuser Zeile wie man sie heute sieht. Jedes Haus individuell. Auch Verzierungen an den Häusern sind immer änderst, je nach Erbauer und Geldbörse.

  • Einer Lei am 26.06.2019 21:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    Gut so Jeder soll machen was er will. Jeder hat schließlich selbst bezahlt Wenn alles gleich ausschaut ist das doch langweilig

  • Francy van Dort am 26.06.2019 21:00 Report Diesen Beitrag melden

    der arme Coudenys

    "[...] jede individuelle Qualität geht verloren, wenn das Nachbarhaus mit einem komplett anderen Stil auftrumpft." Leuchtet ein. Uniformierung ist viel beruhigender für Hannes Coudenys und verursacht ihm keine "Albträume". Deshalb bitte vor einem Neubau immer zuerst ihn fragen.

  • Ratatouille am 26.06.2019 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Bilder

    Da lobe ich mir doch die 'individuelle Qualität' in unseren neusten Monolit-Oasen, Kreativität wohin das Auge reicht - echt schweizerisch...(finde die Ironie)