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10. April 2019 16:33; Akt: 10.04.2019 16:33 Print

Japan verschenkt seine Häuser

In Japan gibt es etwa gleich viele unbewohnte Häuser, wie die Schweiz Einwohner hat. Das hat auch mit Aberglaube zu tun.

In Japan stehen so viele Häuser leer, wie die Schweiz Einwohner hat.

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Die ländlichen und suburbanen Gebiete Japans sind übersät von leer stehenden Häusern, für die sich keine neuen Besitzer finden. Derzeit stehen laut diversen Onlineportalen bis zu acht Millionen Häuser in Japan leer. Das liegt einerseits an der schrumpfenden Bevölkerung, andererseits aber auch am Aberglaube der Japaner.

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Die meisten dieser Häuser finden sich nicht auf offiziellen Immobilien-Seiten, sondern in Online-Datenbanken, die «Akiya Banks» heissen – Akiya bedeutet auf Japanisch «leeres Zuhause». Einige der gelisteten Immobilien sind gratis, andere werden zu einem symbolischen Preis von bis zu fünf Franken angeboten.

In Einzelfällen bietet die Regierung den Käufern Subventionen, wenn sie die Häuser abreissen und neue bauen. Um die Häuser loszuwerden, verzichtet man in Japan auf den üblichen Inländervorrang: Auch Ausländer dürfen die Häuser kaufen.

Häuser haben eine Lebensspanne von 30 Jahren

Viele der Häuser sind in einem schlechten Zustand: Sie stammen aus der Zeit des Baubooms der Sechzigerjahre. Diese vorgefertigten Häuser haben eine Lebensspanne von nur gerade 20 bis 30 Jahren, schreibt «The Guardian».

Dazu kommt, dass die japanische Bevölkerung immer weiter schrumpft: Forscher schätzen, dass Japan in den vergangenen zwei Jahrzehnten rund 16 Millionen Bewohner verloren hat. Die Menschen werden tendenziell auch immer älter, es gibt also weniger Junge, die überhaupt Häuser kaufen – ganz zu schweigen von Häusern in abgelegenen Gegenden.

Aberglaube schwächt Immobilienmarkt

Das Phänomen beschränkt sich aber keineswegs nur auf die ländlichen Gebiete: Die «Japan Times» meldete kürzlich, dass mehr als zehn Prozent aller Wohnhäuser in Tokio leerstehen. Zwar sind Unterkünfte gerade in den Städten natürlich gefragt, Japans Immobilienmarkt ist aber eher auf «abreissen und neu bauen» als auf «renovieren» ausgelegt: Die Steuern auf Grundstücke mit Gebäuden drauf sind sechsmal höher als die für leere Grundstücke.

Das Hauptproblem dürfte aber der Aberglaube der Japaner sein: In Japan glaubt man, es bringe Unglück, ein Haus zu kaufen, in dem Verbrechen geschahen, die Bewohner Suizid begingen oder einen einsamen Tod starben.

Keine Zukunft für Airbnb

Während einige Käufer mit Feng-Shui und Ritualen gegen die vermeintlich schlechten Schwingungen in den Häusern vorgehen, verzichten viele Japaner auf ein Eigenheim: Für sie lohnt sich die Investition schlicht nicht.

Ein neues Gesetz sollte die Häuser zu einer Einnahmequelle machen: Die neue Regelung sollte Airbnb und anderen Anbietern erlauben, die Häuser zu vermieten. Eine zeitliche Einschränkung (maximal 180 Tage Mietdauer) sorgte dabei bei Airbnb für Ärger.

(mst)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • B.R.uchbuden am 11.04.2019 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    Bruchbuden

    Die Häuser, welche verschenkt werden, sehen im Fall niemals so aus, wie auf dem Bild. Die Häuser, welche es gratis gibt sind halb verfallene Bruchbuden mit Schimmelbefall.

  • Herr Max Bünzli beim Notar am 10.04.2019 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    würde gleich zwei nehmen Morgen früh, wenn möglich in der Nähe von Tokyo und mit Aussicht und Seeanstoss

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  • Ferdinant am 10.04.2019 20:29 Report Diesen Beitrag melden

    Ich würde schon

    Werden die Häuser auch nach hause geliefert?

Die neusten Leser-Kommentare

  • swissmawi am 27.04.2019 04:44 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechtes Englisch tut weh

    Schlechtes Englisch in den Untertiteln tut weh... ist wohl auch eine Bruchbude.

  • Thomas am 17.04.2019 17:53 Report Diesen Beitrag melden

    Tolles Land.

    Japan ist eines der schönsten und interessantesten Länder dieser Welt. Würde gerne dort leben. Aber leider sind sie sehr zurückhaltend gegenüber Ausländer.

  • Markler am 15.04.2019 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    @B.R.uchbuden

    Ich weiss nicht, welches Bild du gesehen hast??? Im Film habe ich nur Bruchbuden gesehen!!!

  • Kurt am 15.04.2019 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    Mit Atomstrom

    Mit genügend Atom Strom. Und guten Strahlen Werten.

  • C.Käser am 14.04.2019 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    Für Schweizer völlig ungeeignet

    weil dort gibt es so gut wie keine Kreisel, kaum Velowege und Verkehrsverstösse von Velofahrern werden dort so hart gebüsst wie hier vermeintliche Raser. Ausserdem geht man dort ausschliesslich sehr sachlich mit Vor- und Nachteilen der Atomenergie um. Demonstrierende Schüler - Fehlanzeige, dafür 70 Stunden Arbeiten - ohne bezahlte Überstunden versteht sich.

    • Peter am 02.05.2019 15:04 Report Diesen Beitrag melden

      @C.Käser

      Einen positiven Aspekt haben Sie aber vergessen zu erwähnen. Es wohnen so gut wie keine Schweizer in Japan. Für mich der Perfekte Ort um mich vom schweizer Chauvinismus zu erholen.

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