Tiny-House-Ausstellung in Basel

16. September 2019 19:40; Akt: 16.09.2019 19:40 Print

Minihäuser zum Anfassen

von Daniela Gschweng - Ob minimalistisch, selbst entworfen oder von der Stange: Tiny-House-Bauer geben Gas. Richtig gewohnt wird in den Minihäusern aber selten.

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Am 14. und 15. September konnten Interessierte auf dem Dreispitzgelände drei Tiny Houses in Augenschein nehmen und den Herstellern Löcher in den Bauch fragen. Beste Aussicht: Das gemütliche Tiny House Cauma wurde in Graubünden als Ganzjahresunterkunft für Touristen konzipiert. Einen Wasseranschluss und eine Toilette enthält das Häuschen nicht. Eine zentrale WC- und Duscheinheit für mehrere Häuschen ist für Kurzzeitwohnende besser und ... ... wirtschaftlicher, fanden die Planer. Dafür ist Cauma aus lokalen Materialien gefertigt und engergieautark. Das abgerundete Schindelhaus wird seit einem Jahr vermietet – zusammen mit einer kleinen Sauna in der gleichen Bauweise. Die Schindeltechnik stammt aus Estland und hält laut Schittenhelm mindestens 30 Jahre. Durch die Schindelbauweise ist es sehr leicht und wiegt nur 2,5 Tonnen – etwa doppelt so viel wie ein Kleinwagen. Für etwa 40'000 Euro wird es gebaut und in die Schweiz geliefert. Wer mehr Extras wie eine eigene Energie- und Wasserversorgung möchte, zahlt mehr. Richtig stolz ist Sonja Graesslin auf ihren kleinen Holzofen. Nur etwa zehn Zentimeter Kantenlänge hat der Heizwürfel. Nur an sehr kalten Tagen muss zusätzlich eine Gasheizung einspringen. Auch Kühlschrank, Boiler und die Verbrennungstoilette hängen an der Gaspatrone. Das Haus der Holländerin hat ihr handwerklich begabter Schwager nach ihren Ideen gebaut. 20 Quadratmeter Grundfläche hat Graesslins «Tiny House Holland». Über der erstaunlich geräumigen Duschkabine und dem Bad ist Stauraum. Man könnte auch ein Bett dort unterbringen, Graesslin ist das zu niedrig, sie hat dafür einen Teil des Hauptraumes abgetrennt. Auf dem Dach befindet sich ein 570-Liter-Regenwassertank. Gebaut vom Vorstand des Vereins Kleinwohnformen Schweiz, ... ... hat es nicht bis Basel geschafft, die Zugmaschine stellte sich im letzten Moment als zu schwach heraus. Zeit, sie vorher auszuprobieren, gab es nicht, ... ... Das Modell «Markus» wurde erst wenige Tage vor der Ausstellung fertig. Wer «Markus» ausprobieren möchte, ... ... kann auf dem Campingplatz Rischli in Sörenberg, LU, ... ... wochenweise Probe wohnen.

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Das Interesse an Tiny Houses ist gross, derzeit werden sie aber noch wenig als Hauptwohnsitz genutzt, zeigte eine Ausstellung der Vereine «Hey und Bergs Club» und «Kleinwohnformen Schweiz» in Basel. Am 14. und 15. September konnten Interessierte auf dem Dreispitzgelände drei Tiny Houses in Augenschein nehmen und den Herstellern Löcher in den Bauch fragen.

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Eine Gelegenheit, die die Besucher ausführlich nutzten. «Hier gibt es wirklich jede Menge Stauraum», antwortete beispielsweise Sonja Graesslin auf mehr als eine ungläubige Frage zu ihrem selbst geplanten Domizil, zeigte geduldig Schubladen und Schränke ihres nur etwa 20 Quadratmeter grossen Holzhäuschens, das ein Schwager in Holland für sie gebaut hat. Das kleine Haus wirkt erstaunlich gross. Beengt fühlte man sich in ihrer hellen Wohnküche nicht, obwohl sich gerade ein halbes Dutzend Besucher im Haus umsahen.

Praktisch, minimalistisch oder ein bisschen Hobbit

Wie Graesslin setzen fast alle Hersteller auf Holz, den Preis für ungewöhnliche Optik gewinnt das Häuschen nebenan. An den Ecken abgerundet und mit Holzschindeln bedeckt, sieht «Igluhut» aus wie ein Holzkokon aus dem nahen Schwarzwald.

Die Aussenverkleidung sei jedoch eine traditionelle Bauweise aus Estland, erklärte Michael Schittenhelm, der das Haus in Hergensweiler am Bodensee als Ferienwohnung vermietet. «Zum Probewohnen», warb er für das Modell, das es in verschiedenen Grössen gibt. Das Innere unter dem holzverkleideten bogenförmigen Dach lässt sich nur als «kuschlig» beschreiben.

Total lokal, total nachhaltig

Während Graesslin einen Regenwassertank auf dem Dach hat, kommen Wasser und Strom im «Igluhut» von aussen. Total nachhaltig geht aber auch: Das Minihaus-Projekt «Cauma» besteht aus Holz aus Graubünden und wird lokal gefertigt. Die Truner Firma, die das Haus hergestellt hat, fertigt auch den Holzofen.

Strom kommt aus der Solarzelle, eine dicke Isolierung aus Schafwolle schützt vor Kälte. Eine vollständige Wohnung ist «Cauma» dafür nicht. Ein Etagenbett, ein Tisch und ein Holzofen müssen als Einrichtung genügen, Wasseranschluss und Toilette gibt es nicht.

Mit der VR-Brille durch Minihäuser

Wer mochte, konnte eine VR-Brille aufsetzen und einen virtuellen Rundgang durch «Modell Livo» machen, einem Projekt der FHNW. Das Modulhaus ist eher an den urbanen Raum angepasst, hat drei Stockwerke, eine in der VR-Simulation etwas schwindelerregende Dachterrasse und etwa 40 Quadratmeter Wohnfläche.

30'000 bis 60'000 Franken kostet ein Tiny House je nach Ausbauzustand mit oder ohne Solarzellen, Wassertank und Terrasse, Verbrennungklo oder Komposttoilette. Wie viele Besucher der kleinen Ausstellung tatsächlich Eigentümer werden wollen, ist schwer festzustellen. Interesse ist zweifelsohne da: Männer wie Frauen fachsimpelten über Isolierung, Lüftung, Stauraum und Transportprobleme. Für grosses Interesse sorgte die Trockendemo einer Verbrennungstoilette, die das Geschäft mittels Gasbrenner umgehend in einen Haufen Asche verwandelt.

Die Szene wartet auf den Startschuss

«Probewohnen», «touristische Nutzung» und «Projekt» umschreiben aber vor allem eines: So richtig Wohnen trauen sich Tiny-House-Bauer wie Interessenten noch nicht zu. Nur die Logistikerin Graesslin will in ihre Mini-Wohnung auch einziehen. Ob sie am avisierten Stellplatz in Reinach wenigstens eine Genehmigung für ein halbes Jahr bekommt, weiss sie aber erst in ein bis zwei Wochen. Auch das für Touristenübernachtungen gedachte Pilotprojekt «Cauma» in Graubünden ist noch nicht im Einsatz. Mindestens drei Häuschen müssten für einen rentablen Betrieb aufgestellt werden, rechneten die Projektplaner aus, genehmigt wurde bisher nur eines.

Spezialbewilligung für Tiny Houses?

Der Startschuss, auf den die Szene wartet, ist vor allem politischer Natur. Es scheitere nicht nur an Zoneneinteilung und Bauvorschriften, sondern an einer speziellen Regelung für Tiny Houses, erklärt Markus Mühlenbacher vom Verein Kleinwohnformen Schweiz. Sein Modellhaus konnte er nicht mitbringen, dafür hatte er jede Menge Wissen und Infomaterial dabei. Im Einzelfall komme es oft darauf an, wie die lokale Behörde reagiere, sagt er.

In Basel-Stadt, wo günstiger Wohnraum knapp ist, aber durchaus Flächen zur Verfügung stehen, ist das Problem erkannt. Ein Auftrag, Sonderbewilligungen zu schaffen und Stellplätze für Tiny House auszuweisen, liegt beim baselstädtischen Regierungsrat, der bis Ende 2020 Zeit hat, darauf zu reagieren. Und Stadtentwickler Lukas Ott soll zumindest gesagt haben, das Thema stehe «weit oben» auf seiner Liste.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ursula Reichenbach am 16.09.2019 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BRAVO

    Super! 1 Tag danach. wie wäre es denn wenn sowas vorher kommuniziert würde? Wäre gerne schauen gegangen.

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  • Mike Müller am 16.09.2019 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mieten nicht mehr tragbar

    Ich fände es toll würden sich viele Menschen für sowas entscheiden. Den dann würden vieleicht endlich die Mieten runterkommen. Eine art von boykottierung. WG's wo man hinschaut ein kleines Zimmer für über 1000fr ist doch nicht mehr normal.

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  • Nüssli am 16.09.2019 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Minihäuser zum Anfassen

    Super ich hoffe dass ,!wir bald viele minihäuser haben .

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Reiner Wildi am 25.09.2019 07:16 Report Diesen Beitrag melden

    nächste Tiny House - Tag der offenen Tür

    Für alle die das Summercamp Tiny House im Dreispitz verpasst haben, es gibt weitere Möglichkeiten solche Wohnobjekte in Kürze zu besichtigen, z.B am Suisse Caravan Salon in Bern (Ende Oktober)

  • Fred am 22.09.2019 21:20 Report Diesen Beitrag melden

    Solange

    Man weder im Wohnwagen noch im Wohnmobil leben darf und einen festen Wohnsitz braucht, einzig deshalb damit andere an Miete verdienen, solange ist die Diskussion überflüssig! Erst wenn die Menschen frei sind und wählen dürfen, wie sie wohnen wollen, erst dann ist das ein Thema.

  • Claudia am 20.09.2019 05:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf wessen Grundstück stellen

    Ihr freut euch, nur wo sollen sie stehen? Das Land wird dann noch teurer verkauft.

  • gogo am 19.09.2019 20:46 Report Diesen Beitrag melden

    gut,

    Wenn wir alle in Minihäusern wohnen würden, würde der Platz schon bald nicht mehr reichen. Dann werden halt Minihochhäuser gebaut. würde doch passen. Endlich weniger Konsum, weil kein Platz zum unterbringen.

  • Brumm am 17.09.2019 23:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und täglich grüsst das Murmeltier

    Das Volk sprüht vor Ideen und Tatendrang, die kleinen Häuschen sind mega, das Interesse ist groß und man kann sie kaufen wie alles andere auch in der Schweiz! Und dann ist erstmal Feierabend. Die Behörden sind noch irgendwo im Jahr 1970, ihr müsst euch gedulden oder am besten vergesst es einfach, aber der Traum war schön.

    • Jerry am 22.09.2019 16:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Brumm

      es gibt doch viele Campingplätze zum hinstellen, wenn alle 3-6 Monate gewechselt wird(Kanton auch) dann braucht es keine Niederlassung, somit keine Steuern, aua auf ihr "Fahrenden"

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