Pflanzen in Szene gesetzt

22. November 2019 15:15; Akt: 22.11.2019 15:15 Print

Plantfluencer erobern Instagram

von Daniela Gschweng - Instagram hat die Topfpflanze entdeckt: Sogenannte Plantfluencer posten Bilder und Videos von Wohndschungeln auf Social Media.

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Wer in den sozialen Medien punkten will, der präsentiert sich inzwischen mit viel Grün. Ob grossblättrige Gewächse, Farne, Kakteen oder Sukkulenten, es grünt und spriesst, was das Zeug hält. Nach den #Petfluencern – Nutzerinnen und Nutzern, die sich mit ihren Haustieren fotografieren – kommen jetzt die #Plantfluencer.

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Glückliche Wohnzimmergärtner fotografieren sich sogar mit Ficus, Yucca und Monsterapflanzen, die bis vor wenigen Jahren noch als unrettbar spiessig galten.

#monstermonday und andere Pflanzen-Hashtags

Am #Monsteramonday oder #Philodendronfriday finden sich auf Instagram wahre Wohndschungel. Es gibt Badezimmer, die Gewächshäusern gleichen, und Küchen mit Efeu auf dem Schrank sowie Regale, auf denen statt Büchern Pflanzen stehen.

«Plant Parents» (Pflanzeneltern), die Blogs über Pflanzenpflege schreiben und sich auf Gartenbaumessen herumtreiben, sind die Stars der Szene.

Viel Blatt, wenig Blüten

Hoch im Kurs stehen Pflanzen mit grossen oder auffällig gemusterten Blättern wie Monstera, Schlangenpflanzen oder der Ufobaum. Aber auch Sukkulenten und Kakteen sind durchaus fotogen.

Auffällig ist: Auf den Bildern finden sich so gut wie keine Blüten. Der jüngste Trend sind sogenannte Moss Balls. Das sind kleine Kugeln aus intensiv grünen Algen, die unter Wasser wachsen und nur wenig Licht brauchen.

Trend aus den USA

Seinen Ursprung hat der Trend zur lebendigen Deko, wie so oft, in den USA. Naturliebende Millennials, die ihre Tage grösstenteils drinnen verbringen, fingen vor drei, vier Jahren an, in ihren kleinen Appartements Pflanzen zu ziehen und Bilder davon auf Social Media zu posten. Inzwischen haben Kanäle wie das «Houseplantjournal» Hunderttausende Follower.

Viele Plantfluencer haben ihr Hobby längst kommerzialisiert, verkaufen Pflanzengefässe und Gartenscheren, versenden Pflanzen und schreiben Bücher. Rund ein Viertel aller Topfpflanzen in den USA wurden im letzten Jahr von unter 35-Jährigen gekauft, wie ein Gartenportal analysiert hat. Auch in der Schweiz hat der Absatz zugenommen.

Pflanzentrends

Das hat sogar die Profis überrascht, denn auch Topfpflanzen-Trends werden entworfen, getestet und beworben, teilweise Jahre im Voraus. Pflanzen müssen zu den in der nächsten Saison aktuellen Möbeltrends und zur Wandfarbe passen.

Sie werden gezüchtet und müssen importiert werden. Plantfluencer werfen das alles über den Haufen, schon ein Zufallsfund am Strassenrand kann zur nächsten In-Pflanze werden.

Die grüne Welle schwappt ins Wohnzimmer

Sinnstiftender und umweltfreundlicher als mit dem letzten Ferienziel anzugeben oder mit einem grossen Auto, ist das allemal. Eine Pflanze verursacht weder Treibhausgase noch löst sie sich in Mikroplastik auf. Topfpflanzen sind nachhaltig, grün und auch ein bisschen retro.

Wie die Monstera zum Beispiel, deren riesige Blätter in den 1960er- und 1970er-Jahren schon einmal die Stuben eroberten. Kürzlich stellte sich zwar heraus, dass Pflanzen die Luft weit weniger verbessern als simples Lüften, Grün ist aber zumindest gut für das Wohlbefinden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bert am 22.11.2019 15:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    stop

    Bitte hört mit den Influenzer Zeug auf.

    einklappen einklappen
  • Dino Schön am 22.11.2019 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Der nächste Hype

    Ich warte auf die Nofluencer, die NICHTS, rein gar nichts zeigen. Das wird garantiert der nächste Hype!

    einklappen einklappen
  • Demokratos am 22.11.2019 15:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder macht WAS der andere tut !

    Muss doch nicht jeden Kinderhype mit machen....

Die neusten Leser-Kommentare

  • die Dummheit der am 23.11.2019 23:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...und

    Menschen kennt wieder Mal keine Grenzen.

  • kurt am 23.11.2019 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Leider...

    ... haben erst kürzlich Wissenschaftler nachgewiesen, dass man mehr als 1000 Pflanzen im Zimmer haben müsste um eine messbare Verbesserung der Raumluft zu erreichen. Und selbst dann wäre es für den Mensch im Raum noch unwesentlich. Tja, leider bringt nur lüften wirklich etwas.

  • No Influence am 23.11.2019 08:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein danke.

    Danke ich lasse mich nicht influencen, habe meinen eigenen Willen und Charakter.

  • Josef am 23.11.2019 07:09 Report Diesen Beitrag melden

    Arme Pflanzen.

    Nur damit ein paar Influencer sich in Szene setzen können, werden am Schluss wieder Berge von Pflanzen im Müll landen. Auch Pflanzen sind Lebewesen und sollten nicht für unsinnige Modetrends draufgehen.

  • Bibi Phu am 22.11.2019 22:16 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo!

    Im Hinriech auf die vielen #Flatulenzer sind die #Plantfluenzer unerlässlich, um das ganze CO2 wieder abzubauen.