Kombüse

04. Februar 2019 21:54; Akt: 05.02.2019 12:10 Print

So clever sind Schiffsküchen gebaut

von Daniela Gschweng - Kochen auf dem Schiff bedeutet oft, mit wenig Platz auskommen zu müssen. Davon können Landratten lernen.

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Auf modernen Schiffen gibt es allerlei Luxus, grosse Zimmer, bequeme Betten und ein vielfältiges Unterhaltungsangebot. Aber eine Gruppe hat es auf Kreuzfahrt- und anderen Schiffen nicht leicht: die Köche. In einer Schiffsküche zu kochen, ist eine Herausforderung. Während grosse Kreuzfahrtschiffe natürlich auch grössere Küchen haben, ist der Platz in kleineren Booten extrem beschränkt. Grösse und Aufbau der Schiffskombüsen hat sich im letzten Jahrhundert kaum verändert – abgesehen von vielen neuen Geräten. Dieses Bild stammt von der Jungfernfahrt des Ferienschiffs Fritz Heckert und zeigt einen Blick in die Kombüse. Dieses Bild stammt von einem unbekannten Kreuzfahrtschiff und wurde vermutlich in den 1930ern aufgenommen. Trotz der oftmals beengten Platzverhältnisse sollen in den Schiffsküchen möglichst vielfältige Gerichte entstehen. Dabei gibt es in Kombüsen eine ganze Reihe von Problemen, die es zu bewältigen gibt. So ist es in Kombüsen nicht üblich, etwas zu stapeln. Einerseits fällt alles, was nicht richtig befestigt wurde, bei der ersten Welle runter, und andererseits ist es auf einem Schiff gefährlich, eine unbefestigte Leiter oder einen losen Hocker zu erklimmen. (Aufnahme aus dem KdF-Kreuzfahrtschiff (Kraft durch Freude) Robert Ley, April 1939) Typisch für eine Kombüse sind Haken, an denen Tassen und andere Kochgeräte aufgehängt werden, und Oberschränke, die die Scharniere an der Oberkante haben. Eine weitere Herausforderung sind die Waschbecken: Auf Schiffen ist das Trinkwasser oft sehr beschränkt, Waschbecken entsprechend kleiner. Bisher haben wir Profi-Küchen auf Kreuzfahrtschiffen gesehen – die sind zwar kleiner als andere Profiküchen, aber immer noch grösser als viele Privatküchen. Anders sieht es bei kleineren Booten aus. In diesen Mini-Küchen gibt es wenig Ablagefläche, nur ein kleines Kochfeld und das besagte kleinere Lavabo. Auf diesem Hausboot werden Pfannen und Krüge ebenfalls aufgehängt.

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Ein paar wenige Schränke, ein Zwei-Platten-Herd und ein winziger Kühlschrank. Wenn der Koch Pech hat, hat er noch nicht einmal fliessendes Wasser. Wer jemals auf einer Segel- oder Motorjacht mehr als einen Nachmittag verbracht hat und nicht gerade auf einer Luxusjacht zu Gast war, weiss, wie winzig Schiffsküchen sein können. Der Koch oder die Köchin können sich darin kaum umdrehen.

Trotzdem lässt sich darin oft besser kochen als in der geräumigen Einbauküche zu Hause. «Wie kann das gehen?», fragt man sich. Und findet ein Wunder an Raumnutzung. Ecken, die ungenutzt bleiben, obwohl sich dort wenigstens noch ein Salzfass unterbringen liesse, gibt es nicht. Wo immer es geht, findet sich noch ein Schrank oder ein Regal – sei es noch so klein.

Platz ist kostbar und verrutschen darf nichts

Wer genau hinschaut, dem fällt noch mehr auf. Eine Schiffsküche, auf Seemannsdeutsch Kombüse, ist voller intelligenter Details. Proportionen zum Beispiel: In einer clever eingerichteten Kombüse passt einfach eins zum anderen. Das Waschbecken ist nicht grösser als der grösste Topf und das Schneidebrett lässt sich genau auf der Spüle ablegen, was Arbeitsfläche schafft. Die Thermoskanne passt genau ins Schrankfach und so weiter.

Typisch für eine Kombüse sind Haken, an denen Tassen und andere Kochgeräte aufgehängt werden, und Oberschränke, die die Scharniere an der Oberkante haben. Was auch an Land charmant aussieht, spart Platz und dient an Bord der Sicherheit. Dinge, die bei Seegang verrutschen, umfallen oder im Weg sein können, werden so gesichert. Arbeitsflächen und Regalbretter haben Anschläge, damit nichts herunterfällt. Flaschen, Dosen und Geschirr lassen sich so dicht an dicht packen. Und falls doch einmal etwas ausläuft, schwappt die Flüssigkeit nicht in die ganze Küche.

Weniger ist mehr

Ursprünglich war die Kombüse nur ein Bretterverschlag, in dem das auf Schiffen gefährliche Feuer gehütet wurde. Der Koch bereitete dort aus einer begrenzten Vorratsauswahl Essen für die Crew zu. Um sich zu überlegen, wie er Töpfe, Pfannen, Geschirr und Küchengeräte am besten unterbrachte, hatte er in der Regel viel Zeit. Dafür musste er mit dem auskommen, was da war, sei es Brennstoff oder Lebensmittel.

Energie ist auch heute noch knapp, wenn kein Motor läuft. Der Kombüsenkühlschrank ist deshalb meist klaustrophobisch klein und bietet nur Platz für Vorräte, die unbedingt gekühlt werden müssen. Keine Chance haben da der Spezialsenf oder halbvertrocknetes Gemüse, von dem man sich längst trennen sollte. Dafür ist das Kühlgerät meist rappelvoll, dadurch benötigt es weniger Energie.

Diszipliniert kochen

Und da gibt es noch die Magie der Winzigkeit: Eine kleine Kombüse erzieht auch den schlimmsten Küchenchaoten zum disziplinierten Koch. Alles, was er braucht, muss möglichst mit einem Griff erreichbar sein. Nach Benutzung wird es schon aus Platzmangel sofort wieder verstaut. Liegengebliebene Geschirrberge gibt es nicht, selten verwendete Küchengeräte finden erst gar nicht an Bord, rein dekorative «Aufstellerli» müssen woanders hin. Da können Landratten mit Platzproblemen noch etwas lernen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kaleu am 04.02.2019 23:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    U-Boot

    Da ist ja noch reichlich Platz im vergleich zu einer Kombüse im Weltkriegs U-Boot vom Typ Vll C. Habe das Boot in Laboe selber besichtigt. Unvorstellbar wie Menschen Monatelang so auf engem Raum Leben und Kochen konnten. Eindrücklich und auch schockierend!!

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  • sa am 04.02.2019 23:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Waschen die im Backofen?

    Mir gefällt Bild 10/12 sehr gut. Text erzählt was über Waschbecken, Foto zeigt Backofen. Nebenbei in einem Camper ist es noch viel arger mit dem Platz

  • Heinerle am 05.02.2019 00:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Segelkajüten

    die Kochherde in kleineren Segelbooten sind manchmal in einem Kardangelenk aufgehängt das wenn das Boot Lage hat das Kochfeld immer noch gerade ist

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Die neusten Leser-Kommentare

  • FASANO am 05.02.2019 21:21 Report Diesen Beitrag melden

    Qualität braucht wenig Platz.

    In Schaffhausen gibt's den CIBUS Take away. Der kocht in einer Schiffsshowküche mitten in der Altstadt. Wenn man dem Kochteam zuschaut, dann glaubt man kaum, dass die auf den paar Quadratmetern aneinander vorbeikommen. Es ist enger als für Hennen in einer Legebatterie.

  • romeosail am 05.02.2019 05:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Habe

    die Enge meiner Segeljacht längst getauscht mit grosszügiger Wohnfläche. War trotzdem meist eine schöne Zeit.

  • Neumann am 05.02.2019 03:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Gute Bildstrecke, interessant, Kombüsen kennt sicher nicht jeder.

  • Heinerle am 05.02.2019 00:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Segelkajüten

    die Kochherde in kleineren Segelbooten sind manchmal in einem Kardangelenk aufgehängt das wenn das Boot Lage hat das Kochfeld immer noch gerade ist

    • Neumann am 05.02.2019 03:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heinerle

      Die sprichwörtliche Schifflage, äh Schieflage.

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  • Frl. Fuzibello am 04.02.2019 23:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz klar

    Auf solchen Schiffen muss jedes Loch genutzt werden, damit keine unnütze Platzverschwendung entsteht.

    • Neumann am 05.02.2019 03:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Frl. Fuzibello

      Sie lehnen sich aber stark zum Fenster raus, Fröllein.

    • André Rohner am 05.02.2019 06:58 Report Diesen Beitrag melden

      Frl. Fuzibello und die Rattenplage

      @Neumann Tja, Neumann, mein Frl. FUZIBELLO ist auch ein Stinktier sondergleichen und ist das erste, das mit einem Ankerreitgewicht ersäuft wird. Wir Segler nennen diese Viecher auch Ratten und sowas wollen wir wirklich nicht an Bord haben. Soll ich jetzt Angst haben? Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben. Aber nicht mit einen Rheintaler!

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