Bar statt Altar

22. Dezember 2018 20:18; Akt: 10.01.2019 15:27 Print

Wenn die Kirche zur Kneipe wird

von M. Siegenthaler - Kirchliche Bauten stehen heute häufig leer. Da liegt eine Umnutzung auf der Hand. Doch in der Schweiz ist das nicht ganz einfach.

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Mitten in Edinburgh befindet sich das Frankenstein Pub, und zwar in einer ehemaligen Kirche. Tatsächlich befanden sich in diesem Gebäude vor dem Pub gleich mehrere Kirchen: Erst die Martyrs Reformed Presbyterian Church, dann die Elim Pentecostal Church und zuletzt die United Free Church. Heute gibts Shots und Junggesellen-Abschiede. Aber auch in der Schweiz gibt es umgenutzte Gottesräume: zum Beispiel das Kloster Rheinau. Bis 1862 befand sich hier ein Benediktinerstift, danach bis im Jahr 2000 die kantonale psychiatrische Klinik. Bereits seit 1998 sind die Nebengebäude (Gästehaus, Stallungen, Scheine, Keller und Wohnhäuser) an die Stiftung Fintan verpachtet. 2014 konnte in einem Teil des ehemaligen Klosters die «Musikinsel Rheinau» eröffnet werden.Die Musikinsel bietet 16 Proberäume, ein Orchesterfoyer sowie einen Hotelbetrieb mit 63 Zimmern und 130 Betten. Im Abteigebäude entsteht ausserdem zurzeit ein historisches Museum. Sport statt Sakristei: In Arnheim in Holland wurde in der St.-Joseph-Kirche eine Skaterhalle gebaut. Die Kirche war wenig besucht und wurde mit der Umnutzung gerettet. Das ist keineswegs einmalig in den Niederlanden: Die Eusebius Kirche, die grösste der Stadt, dient regelmässig als Galerie für Ausstellungen. Es gibt auch in anderen Ländern weitere Beispiele: Die Kirche Santa Sabina in Genua beispielsweise wurde eine Bank – die Sakristei dient als Backoffice. Diese Kirche wurde 1926 erbaut und beheimatete die First Church of Christ, Scientist (Kirche Christi, Wissenschaftler), eine Kirche, die von Mary Baker Eddy (1821–1910) gegründet wurde mit ihrem Buch «Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift». Der Saal hat eine ausgezeichnete Akustik, die das Yehudi-Menuhin-Forum nutzt und die Kirche als Konzertsaal betreibt. Kids statt Kirchengänger: In der South Williams Methodist Church in Pennsylvania befinden sich seit einigen Jahren eine Kindertagesstätte und ein Spielplatz. Wohnen statt Weihwasser: Diese Kirche in Denver wurde aufwendig renoviert und in ein Wohnhaus umgewandelt. Beim Umbau wurden diverse Elemente beibehalten, darunter das farbige Fensterglas und die meisten Böden. Kostenpunkt: 2,3 Millionen Dollar. Atheisten statt Abendmahl: Eine besondere neue Aufgabe gab es für die Collins Spring Primitive Baptist Church in Atlanta. Sie stand eine Weile leer und wurde regelmässig das Ziel von Vandalen. Schliesslich zog die Atlanta Freethought Society ein – eine Atheisten-Vereinigung. Wein statt... Messwein? Der South River Vineyard in einem kleinen Örtchen in Ohio besitzt eine eigene Kirche. Ob die dort vielleicht Wasser zu Wein machen?

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Viele Kirchen und Kapellen werden kaum oder gar nicht mehr genutzt – der Unterhalt fällt aber trotzdem an. Betroffene Kirchgemeinden streben deshalb eine Ersatznutzung an.

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Die Kirche als Eventlokal

Manch ein Mieter oder Eigentümer würde sicher gern in einer umgebauten Kapelle wohnen. Und Restaurant- oder Clubbetreiber könnten Kirchen als Eventlokal nutzen. Doch so einfach ist es nicht. Oft stehen solche kirchlichen Bauten unter Schutz, bauliche Veränderungen werden dann sehr schwierig. Auch befinden sich Kirchen in der Zone für öffentliche Bauten. Wer da wohnen will, muss eine Zonenplanänderung anstreben.

Nicht zuletzt sind Kirchen und Kapellen religiöse Symbole. Manche Gläubige würden Anstoss nehmen, wenn ihre Kirche plötzlich als Disco oder Boutique genutzt würde. Und: Das Kirchenrecht verlangt eine so genannte Profanerklärung durch den Bischof. Falls der Wert fünf Millionen übersteigt, redet sogar der Heilige Stuhl ein Wörtchen mit. In den vergangenen 25 Jahren wurden denn auch schweizweit nur rund 200 kirchliche Bauten umgenutzt. Eine entsprechende Datenbank finden Sie hier.

Geld statt Glaube

In anderen europäischen Ländern ist man da weniger rigoros. In England, Holland oder Italien trifft man bereits heute auf Kirchen und Kapellen, die zu Wohnungen, Restaurants, Ladengeschäften etc. umgebaut und entsprechend genutzt werden. Aus der Kirche Santa Sabina in Genua beispielsweise wurde eine Bank – die Sakristei dient als Backoffice.

In Edinburgh ist das Frankenstein-Pub in einer ehemaligen Kirche untergebracht. Und in Arnheim wurde die Kirche zur Skaterhalle umfunktioniert. Bereits in den Achtzigern des letzten Jahrhunderts wurde The Limelite, eine Nachtclubkette, in New York in einer ehemaligen Kirche eröffnet. Und Starkoch Anton Mosimann betrieb ab 1988 seinen Dinner Club in einer ungenutzten Kirche in London.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jason am 22.12.2018 22:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie die Zukunft aussieht

    Kirchen werden umgebaut, verkauft, abgerissen etc. aber Moscheen werden mit Millionen aus dem Ausland ausgebaut und aus dem Boden gestampft. Ich mag diese Veränderungen nicht. Ich möchte die alten Zeiten zurück.

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  • Moritz unter dem Stammtisch am 22.12.2018 21:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Praktisch

    In Zukunft können die Alkohol-Leichen von der Kirchen-Bar, gleich im dahinter liegenden Friedhof bestattet werden.

  • LadyIwyMcIvyFortAugustus/Scotland am 22.12.2018 21:44 Report Diesen Beitrag melden

    aus Not wurden Kirchen veräussert

    In GB und Schottland sind etliche Kirchen umfunktioniert worden, teils schön umgestaltet zur privaten Nutzung. Wenn nichts Unmoralisches dahinter steckt, warum denn nicht? Ein Night Club in einer Kirche? Doch es ist oft finanzielle Not, die diese Verkäufe notwendig machen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • kommt alles so wie vorausgesagt am 26.12.2018 23:54 Report Diesen Beitrag melden

    Menschen dieser Welt

    freuen sich über den Untergang des Christentums. Und Gott schaut zu und merkt sich die Menschen, die gegen Gott ankämpfen, um am Tage des Zorngerichtes jene Menschen zu richten und ihnen ihren verdienten Lohn zu geben (die Strafen). Seine Kirche endet nie und wird wieder aufblühen wie versprochen. Mat 16:18 Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.

  • es nagt ... am 26.12.2018 07:26 Report Diesen Beitrag melden

    ...der Zahn der Zeit

    Der Dinner Club von Anton Mosimann war sehr beliebt. Es ist eine Dienstleistung welche durch Anbieter erbracht wird. Bei essen und trinken kann man sich in gediegener Atmosphäre hingeben. Allerdings wird es etwas kosten. Spenden in den englischen Kirchen sind freiwillig, wurden jedoch immer spärlicher bemessen, da das Pfund oft in mehreren Jobs sauer verdient wird. Durch Überalterung und Wegzug von Familien werden die Opfer spärlich. So kommt es, dass die Kirchenverwaltungen sich schweren Herzens von ihren schönen alten Gebäuden trennen. Sanierungen sind aufwändig und kostspielig.

  • Linda am 26.12.2018 06:47 Report Diesen Beitrag melden

    Geht gar nicht!

    Ich bin schovkiert,sowas geht gar nicht!

  • M. K: am 25.12.2018 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    Ich würd meine Kirche "Walhall" nennen. Was ich daraus machen würde wüsste ich auch bereits. Ist im übrigen gut stirbt der Satansverein aus, Karma strikes back.

  • Bürger am 25.12.2018 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Menschen sind bald verloren

    Ich will die Heuchler sehen die es noch gut geht, falls Sie mal sehr Tief fallen dann zu Gott beten um beistand erhalten und dann hoffen das es mal bergauf geht, da ist die Kirche aber gut und ja es ist Weinachten und hoffe das die ungläubigen keinen Christbaum haben und keine Geschenke schenken und hoffe auch nie heiraten werden. Schaut mal die Welt doch an, keiner hat mehr einen Glauben zu Gott, keine Furcht und dann fragt man sich warum die Menschen so sind wie sie sind ? Ich denke wer sein Herz verloren hat, hat auch der Glauben zu Gott verloren. Dann ist Weinachten auch nicht mehr gültig

    • es kommt wies vorausgesagt ist am 26.12.2018 23:58 Report Diesen Beitrag melden

      vor der Rückkehr Gottes

      kommt der grosse Glaubensabfall. Der Sohn des Verderbens wird den Menschen vorgestellt und dieser wird die Welt regieren und die Menschen ins Verderben stürzen. Dann kommt Gott zurück um Gericht zu halten über diese Welt, die nicht dem Guten sondern dem Bösen gedient hat. Aber jene, die Gott bis am Ende treu sind, wird Gott in Liebe entgegen kommen und ihnen als Freund einen gute Zukunft geben. Aber jenen, die Gott und die Seinen bekämpft haben, wird Gott entsprechend vergelten. Damals hat Gott Noah und seine Familie gerettet, hoffen wird, dass diesmal mehr Menschen auf Gott vertrauen.

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