Teheran

06. August 2019 15:23; Akt: 06.08.2019 15:23 Print

Was passiert mit dieser unfertigen Geisterstadt?

Keine Bäume, keine Autos, keine Busse, keine Parks, keine Spielplätze – und keine Menschen. Maskan-Mehr ist eine Geisterstadt.

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Sie sehen aus, als wären sie in der Wüste aus dem Boden gewachsen: mehrere Türme, rund 50 Kilometer ausserhalb von Teheran, der Hauptstadt des Iran. Es gibt keine Bäume, keine Autos, keine Busse, keine Parks, keine Spielplätze – und keine Menschen. Was ist passiert?

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Ewige Bauphase

Das Maskan-Mehr-Projekt befindet sich bereits seit vielen Jahren in der Bauphase – wesentlich länger als ursprünglich geplant. Bereits 2014 meldete die Zeitung «The Guardian», dass das einst prestigeträchtige Projekt zum Erliegen gekommen sei. Heute, fünf Jahre später, sieht es nicht anders aus.

Ursprünglich sollte dort eine Gemeinschaft entstehen, ausgestattet mit allem, was eine kleine Stadt braucht: ÖV, Spitäler, Schulen und Parks waren geplant. Im bereits gebauten Teil befinden sich 20'000 Wohnungen, 48 Schulen, acht Fitnesscenter, 14 Moscheen, fünf Spitäler, sieben Kulturzentren und ein Park.

Damit aber nicht genug: Laut Beschreibung auf der Website des Bauunternehmens Kuzu sollten bereits seit 2013 37'000 weitere Wohnungen gebaut werden – die sind auf aktuellen Fotos aber nicht zu sehen.

Pfusch am Bau

Aber wo liegt das Problem? An Pfusch am Bau – und den äusseren Umständen. Schon während der ersten Bauphase wurde bekannt, dass ein Teil der geplanten Gebäude keinen Zugang zu warmem Wasser, Heizung und dem Abwassersystem haben würde.

Das war aber noch nicht alles: Der Iran kämpft mit einer Inflation und seiner schwächelnden Wirtschaft. Das Projekt wurde offiziell gestoppt. Der Fotograf Manolo Espaliú, der den Fortschritt des Maskan-Mehr-Projekts dokumentierte, erzählte gegenüber dem Online-Magazin «MessyNessy» von diesem und ähnlichen Projekten.

«In den vergangenen Jahren wurden Dutzende solche Projekte gestartet. Milliarden wurden hier investiert, um 17 neue Städte mit 1,5 Millionen Wohnungen zu bauen – das Hauptziel dabei, auch bei Maskan-Mehr, war es, die Bevölkerung besser zu verteilen. Die Lebensqualität in grossen Städten wie Teheran sinkt wegen Verkehrsproblemen, Luftverschmutzung und steigenden Mieten.»

Wie geht es weiter?

Fürs Erste wird in Maskan-Mehr und anderen stillgelegten Projekten gar nichts passieren. Es ist laut Espaliú aber durchaus möglich, dass die Bauarbeiten wieder aufgenommen werden, wenn sich die iranische Wirtschaft erholt hat.

(mst)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fabio Letizia am 06.08.2019 15:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Da hat...

    ...wohl jemand SIM City gespielt und dann ist ihm die Kohle ausgegangen.

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  • Herr Vorragend am 06.08.2019 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    Guter Artikel

    Das war ein sehr interessanter Artikel bei dem man auch durchaus etwas mehr ins Detail gehen könnte. In China gibt es auch ähnliche Geisterstädte, berichtet doch mal darüber.

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  • martin am 06.08.2019 15:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Projektleiter fail

    kein Zugang zu Wasser Und Abwasser. jap da will jeder wohnen. super Planung sag ich nur. Millionen wortwörtlich in denn Sand gesetzt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mirle am 11.08.2019 11:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So oder so

    Wurde der Zugang zu Wasser - Heizung - Abwasser vergessen? Das wäre unverzeihliche Unfähigkeit der Archtekten und Planer. Wurde es absichtlich nicht geplant? Das wäre eine Arroganz hoch drei!

  • Antonov am 09.08.2019 23:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz klar...

    Sowas passiert wenn man Sim City statt Cities Skyline spielt

  • Tlatlo am 09.08.2019 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    schwächelnden Wirtschaft?

    "Der Iran kämpft mit einer Inflation und seiner schwächelnden Wirtschaft." - Könnten die seit Jahrzehnten aufrecht erhaltenen Sanktionen vielleicht auch ihren Teil dazu beigetragen haben? Die Antwort können Sie sich wohl denken.

  • Ruedi am 08.08.2019 21:58 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Adresse

    Die Bilder zeigen wohl eher einen stadteil von Pardis. Wer sichs anschauen will. Google Maskan e mehr führt anderswo hin.

  • Badener am 07.08.2019 22:57 Report Diesen Beitrag melden

    Stadt heißt Kijong-Dong

    In Nordkorea gibts eine komplette Hauptstadt,mit fertigen Prachtbauten für Regierungssitz und Konsulate,Vietspurige Straßen und fast alle Gebäude stehen leer.