Streitfälle

03. August 2019 13:02; Akt: 03.08.2019 13:06 Print

Wegen «asozialer Faulenzer» vor Gericht

Wenn sich Mieter und Vermieter so richtig in die Haare geraten, kann es manchmal nur noch der Richter richten.

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Mieter und Vermieter zoffen sich immer mal wieder. Einige ausgewählte Gerichtsurteile aus der Schweiz finden Sie auf den folgenden Bildern. In Biel sollte ein Vermieter den Schimmelbefall in der Wohnung behandeln – der Mieter verwehrte ihm aber den Zutritt zur Wohnung. Er bezeichnete daraufhin den Mieter als «asozialen Faulenzer», worauf dieser ihn anzeigte – und recht bekam. Eine 34-Jährige vergass beim Anblick eines herzigen Welpen, dass in ihrem Mietvertrag keine Hunde erlaubt sind. Der Aufforderung des Vermieters, den Hund wegzugeben, kam sie nicht nach, und so kam es nach einer längeren Auseinandersetzung schliesslich zur Kündigung des Mietvertrags. In Zürich hatte ein Rentner Schlafprobleme. Der Grund war seiner Meinung nach das WLAN. Deshalb verlangte er von der Vermieterin, sie solle es im ganzen Haus verbieten. Und obwohl diese Regelung gemäss dem Mieter ja auch den anderen Mietern zugute gekommen wäre: Das Gericht sprach sich gegen eine Änderung des Mietvertrags aus. In Genf kündigte ein Vermieter seinem Mieter das Ladenlokal – angeblich, weil er selbst ein Restaurant führen wollte. Das Mietgericht kam aber zum Schluss, dass der Eigenbedarf nicht genügend belegt sei. Der Vermieter habe nämlich keine Erfahrung in der Gastronomie und sein Projekt sei unsinnig. Eine Stiftung mietete im Bezirk Horgen vier Wohnungen in einem Altbau. Sie wurde darüber informiert, dass Einsturzgefahr bestehe, die auch von Experten bestätigt wurde. Trotzdem unternahm der Vermieter nichts, woraufhin die Mieterin die Verträge fristlos kündigte. Der Vermieter forderte Mietzinse in Höhe von 30'000 Franken ein, weil nie eine Einsturzgefahr bestanden habe. Damit blitze er allerdings vor dem Obergericht ab. Schwierige Verhältnisse: Eine Frau begann ein Verhältnis mit einem Nachbarn, der zur Familie des Vermieters gehörte. Nach einem Streit wurde der Frau gekündigt, wogegen sie sich wehrte. Erfolglos: Laut Bundesgericht sei es naheliegend, dass die Frau und nicht das Familienmitglied ausziehen müsse, damit der Hausfrieden wieder hergestellt werden könne. Mehr Schimmel gab es in einer Wohnung in Küssnacht. Das sowie Sprünge im Marmorboden sollten genug sein für eine Mietzinsreduktion. Das Gericht kam zum Schluss, dass die Miete um 5 Prozent gesenkt werden müsse. Den neuen Marmorboden verweigerte das Gericht aber mit der Begründung, dass die Sprünge ungefährlich seien.

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«Asozialer Faulenzer»

Ein Vermieter in Biel geriet mit seinem Mieter in Streit, weil dieser ihm den Zutritt zur Wohnung verweigerte, in welcher der Vermieter einen Schimmelbefall behandeln wollte.

Er bezeichnete daraufhin den Mieter als «asozialen Faulenzer», worauf dieser ihn anzeigte. Das Gericht verhängte über den Vermieter eine bedingte Busse als Strafe wegen Beschimpfung und Drohung.

Süsser Welpe

«So hääärzig» war der kleine Welpe im Tierheim. Die 34-jährige Frau war derart angetan vom kleinen Terrier, dass sie total «vergass», dass ihr Mietvertrag das Halten von Haustieren untersagt.

Das hatte Konsequenzen. Der Aufforderung des Vermieters, den Hund wegzugeben, kam sie nicht nach, und so kam es nach einer längeren Auseinandersetzung schliesslich zur Kündigung des Mietvertrags.

Böses WLAN

Ein Rentner in einer Genossenschaftswohnung in Zürich verlangte von seiner Vermieterin, dass sie WLAN-Router im ganzen Haus verbietet, und zwar weil er unter Schlafstörungen litt, die angeblich durch die Strahlung der Geräte verursacht wurden.

Mit dem Verbot sollten seiner Meinung nach auch die anderen Mieter geschützt werden. Das fand das Gericht zwar edel, aber eine Änderung des Mietvertrags sei schwierig. So einigten sich die Parteien auf einen Vergleich.

Mangelhafte Kochkünste

Der Vermieter eines Restaurants in Genf kündigte seinem Mieter das Lokal, angeblich wegen Eigenbedarf. Er gab an, selber ein Restaurant führen zu wollen. Das Mietgericht kam aber zum Schluss, dass der Eigenbedarf nicht genügend belegt sei.

Der Vermieter habe nämlich keine Erfahrung in der Gastronomie und sein Projekt sei unsinnig. Dagegen wehrte sich der Vermieter bis vor Bundesgericht vergebens.

Gefährlicher Altbau

Eine Stiftung mietete im Bezirk Horgen vier Wohnungen in einem Altbau. Sie wurde darüber informiert, dass Einsturzgefahr bestehe, die auch von Experten bestätigt wurde. Trotzdem unternahm der Vermieter nichts, woraufhin die Mieterin die Verträge fristlos kündigte.

Der Vermieter forderte Mietzinse in Höhe von 30'000 Franken ein, weil nie eine Einsturzgefahr bestanden habe. Damit blitze er allerdings vor dem Obergericht ab.

Gescheiterte Beziehung

Die Mieterin einer Wohnung im Kanton Zürich hatte ein Verhältnis zu ihrem Nachbarn, der zur Familie des Vermieters gehörte. Die Beziehung ging in die Brüche, es kam zu Streitereien. Die Frau bekam die Kündigung, wogegen sie sich wehrte.

Es handle sich um eine Rachekündigung, sagte sie. Dieser Meinung war das Bundesgericht aber nicht. Vielmehr sei es naheliegend, dass die Frau und nicht das Familienmitglied ausziehen müsse, damit der Hausfrieden wiederhergestellt werden könne.

Harmlose Sprünge

Ein Paar entdeckte nach dem Einzug ins gemietete Einfamilienhaus in Küssnacht diverse Mängel, unter anderem auch Schimmel an den Wänden und Risse im Marmorboden.

Es verlangte die Behebung sowie eine Reduktion des Mietzinses. Das Gericht kam zum Schluss, dass die Miete um 5 Prozent gesenkt werden müsse. Den neuen Marmorboden verweigerte das Gericht aber mit der Begründung, dass die Sprünge ungefährlich seien.

(mst)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • WPM am 03.08.2019 13:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeit, Nerven, Geld

    Der Vermieter hat nicht unrecht weil wir es Haut nah auch kennen dass es Sozialschmarotzer gibt die sind mit allen Wassern gewaschen und kennen sich im a-Sozialem Verhalten und Wissen bestens aus. Diese Art von Menschen haben sicher ihre Lebensgeschichten, kosten aber viel Zeit, Nerven und Geld.

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  • Expat am 03.08.2019 14:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nie mehr vermieten.

    Ich hatte vor meine Wohnung als Kapitalanlage zu vermieten nach dem ersten Mieterwechsel nach 18 Monaten mussten für mehrere tausend Franken Schäden des Mieters behoben werden. Er hat mir das in 6 Raten abgestottert. Er versprach auch, dass alle Nichtraucher seien. War natürlich nicht so. Ich habe daraufhin verkauft, den Ärger brauch ich echt nicht.

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  • Biene Maja am 03.08.2019 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber nicht

    Ich möchte nicht Vermieterin sein. Gibt einfach zu viele unzivilisierte Menschen. Auch unter "Eidgenossen".

Die neusten Leser-Kommentare

  • Werner am 04.08.2019 09:19 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Mitleid mehr

    Diese Spezies kenne ich leider nur zu gut. Leider gibt es mittlerweile zuviele davon. Nicht selten machen solche Leute dann mit ihrem asozialen Verhalten, welches meistens absichtlich ist, eine ganze Liegenschaft wahnsinnig und bringen die arbeitenden Leute um den Schlaf. Schon mehrfach erlebt. Und die meisten Verwaltungen unternehmen nichts dagegen.

  • Sarek vom Vulkan am 03.08.2019 16:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Streitereien gibt es leider.

    Kann man nicht verhindern. Schlimmer sind diese Messie Mieter die die ganze Teils Frisch Renovierte Wohnung komplett vermüllen und Wörtlich genommen verfaulen lassen. Und wer bleibt später auf den Schadens Kosten sitzen? Richtig. Der Vermieter. Kenne da leider so einen Fall! Und der geschädigte war der Verzweiflung und den Tränen sehr nahe als er sein Objekt sah! Und was diese Messie Mieterin anbelangt, sie ist zwar umgezogen. Hinterließ eine Sauerei sondergleichen und macht jetzt in der neuen Wohnung wie gehabt weiter. Das Traurige ist, der neue Vermieter wurde nicht gewarnt vor dieser Person. Und die Behörde rührt keinen Finger um diesem Messie Treiben ein Ende zu setzen!

  • Biene Maja am 03.08.2019 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber nicht

    Ich möchte nicht Vermieterin sein. Gibt einfach zu viele unzivilisierte Menschen. Auch unter "Eidgenossen".

  • Pertetuum Mob am 03.08.2019 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    ja, das gibts

    dass bornierte Vermieter dumme Sprüche machen, auch in Landgemeinden.

  • Expat am 03.08.2019 14:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nie mehr vermieten.

    Ich hatte vor meine Wohnung als Kapitalanlage zu vermieten nach dem ersten Mieterwechsel nach 18 Monaten mussten für mehrere tausend Franken Schäden des Mieters behoben werden. Er hat mir das in 6 Raten abgestottert. Er versprach auch, dass alle Nichtraucher seien. War natürlich nicht so. Ich habe daraufhin verkauft, den Ärger brauch ich echt nicht.

    • Dani Düsentrieb am 03.08.2019 16:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Expat

      Genau darum verlange ich per Mietvertrag eine Bestätigung der Hausratversicherung des Mieters. Einen Mietvertrag ohne diese Bestätigung gibt es nicht.

    • tjt am 03.08.2019 16:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Expat

      Hatte einmal Mieter, die liessen Dackel mind. 14 Std. allein. Klar machte er Wohnung voll, dann putzten sie Wollspannteppich mit Fegbürste. Alles musste raus, auf meine Kosten. Teppiche waren amortisiert. Heute ist ganze Wohnung mit Plattenbelag.

    • Expat am 03.08.2019 17:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dani Düsentrieb

      Hab ich natürlich auch im Vertrag, nur zahlt diese Versicherung nicht, wenn der Mieter die Schäden grobfahrlässig verursacht, sollte dir eigentlich auch bewusst sein.

    • Agglomeration AZ am 04.08.2019 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dani Düsentrieb

      Und was bringt dir das? Es ist nur das Mobiliar des Mieters versichert!

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