La Fabrica

18. November 2019 17:50; Akt: 20.11.2019 10:18 Print

Aus der Zementfabrik wurde eine Märchenwelt

von Daniela Gschweng - Der Architekt Ricardo Bofill hat in Katalonien aus einer alten Betonfabrik ein postmodernistisches Schloss geschaffen.

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1972 stiess Architekt Ricardo Bofill auf diese Zementfabrik in der Nähe von Barcelona. Er sah Potenzial und kaufte sie kurzerhand. Nach vielen Jahren Arbeit ist aus der heruntergekommenen Fabrik ein Zuhause geworden. Draussen hat der Architekt noch mehr Bäume und Büsche gepflanzt, die sich um den Beton ranken sollen. Inzwischen sind fast alle Räume der ehemaligen Fabrik in Lebens- und Arbeitsräume umgewandelt worden. «Die Zementfabrik ist nicht nur meine beste Arbeit, es ist auch mein liebster Arbeitsplatz», sagt der 79-jährige Bofill gegenüber Medien. Jeder Raum hat ein anderes Design. «In der Fabrik fühle mich wie in einem eigenen, geschlossenen Universum. Ich habe alles und bin abgeschnitten vom Alltagsleben», schreibt Bofill auf seiner Website. «Mein Leben hier ist sehr konstant», so der Architekt weiter. «Die Übergänge zwischen Arbeit und Freizeit sind fliessend.» Über das ganze Gebäude verteilt – drinnen und draussen – finden sich kleine Plätze zur Entspannung und zum Sammeln kreativer Ideen. Die Aussenfassade ist mehrheitlich von Gras bedeckt, aber auch von Eukalyptus, Palmen und Olivenbäumen umgeben. Bofill gefällt das sehr: «Es gibt dem Gebäude den mysteriös-romantischen Look einer Ruine. Es macht es einfach einzigartig!» Ja, es gibt natürlich auch eine Küche. Schliesslich lebt ein Teil von Bofills Familie ebenfalls hier, und sein Architekturteam arbeitet regelmässig in der Fabrik. Und trotz der vielen Arbeit, die Bofill bereits geleistet hat: Die Fabrik ist noch nicht fertig. Für den Architekten muss sie aber auch nicht fertig werden. «Ich mag die ständige Evolution und wie sich meine Umgebung an meinen Lebensstil anpassen lässt», sagt Bofill. Man darf also gespannt sein, wie es in den nächsten Jahren in der Fabrik aussieht.

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Industriegebäude sind in ihrer wuchtigen grauen Funktionalität gleichermassen hässlich wie beeindruckend. Wenn man nur das Hässliche wegnehmen und das Beeindruckende erhalten könnte, denkt sich so mancher Bewunderer. Der Architekt Ricardo Bofill Levi hat genau das geschafft.

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Vor fast 50 Jahren fuhr der damals junge spanische Architekt an einer Betonfabrik in der Nähe von Barcelona vorbei. Rauch quoll aus dem Schornstein. 1972 war Spaniens älteste Zementfabrik in Sant Just Desvern noch in Betrieb und verpestete die Luft in der ganzen Umgebung. Die inzwischen 150 Jahre alte Anlage stand da schon kurz vor der Schliessung.

Ein Trümmerhaufen

Bofill, seit zehn Jahren Architekt mit eigenem Büro, war beeindruckt. Für den 1968 gebauten postmodernen Appartementkomplex La Muralla Roja an der Costa Brava hatte der Architekt gerade internationale Aufmerksamkeit erfahren. Das in auffällig roter Farbe gehaltene Betongebäude zeigte schon, worum es ihm beim Design ging.

Er kaufte die riesige Anlage mit dem 5000 Quadratmeter grossen Grundstück. Erworben hatte Bofill damit einen Trümmerhaufen. Die stillgelegte Betonfabrik war unaufgeräumt und schmutzig, teilweise baufällig. Die Wände bröckelten, in den 30 grossen Zementsilos hing eingetrockneter Zement und überall war Zementstaub. Unter dem Gelände entdeckte er eine
insgesamt vier Kilometer lange Tunnelanlage. Ein irres Projekt.

Die Kunst des Stehenlassens

Der Architekt mit der Vorliebe für Beton lässt sich nicht beirren und geht mit einem interdisziplinären Team ans Werk. Mithilfe von Dynamit und Presslufthämmern brechen sie einen guten Teil der Industrieanlage ab, verbinden Räume, entfernen Schutt. Nach Bofils Worten, um den verborgenen Körper des Gebäudes sichtbar zu machen.

Den grössten Schornstein Spaniens, der nun keine
Rauchwolken mehr ausstösst, muss er kürzen, weil ein Teil davon baufällig ist. Er konzipiert Fenster und Türen, verbindet Räume mit Treppen. An einigen Stellen stellt sich die Frage, ob das, was er macht, Architektur oder eher Bildhauerei ist.

Büros und Konferenzräume

Bofill gestaltet Privat- und Geschäftsräume, plant einen Garten. Die verbliebenen acht Silos werden zu Büros, die Fabrikhalle zum Konferenz- und Ausstellungsraum. Alles am Gebäude bleibt gross, sogar die Turmzimmer in den ehemaligen Silos. In den Winkeln seiner Privaträume sehen selbst die grossen Sofas winzig aus. Die Vorhänge sind mehrere Meter lang.

Einige Teile der alten Fabrik bleiben bestehen, es gibt Treppen, die nirgends enden, und Stützen, die nichts stützen. Ein architektonisches Tollhaus. Einen eindrucksvollen Namen braucht es nicht. Es bleibt, was es ist: «La Fabrica», die Fabrik.

Leben in begrüntem Beton

Bofill zieht mit seinem Architekturbüro dort ein. Das
grosse Sitzungszimmer nennen die Bewohner «la catedral». Mit den schmalen Arkadenfenstern, die Bofill überall verteilt hat, wirkt der Raum fast sakral. Ins Innere ragt ein Betonzylinder wie eine Skulptur, die der Hausherr mitgebracht hat.

Zwischen dem Beton hat Bofill umfangreiche Begrünung gepflanzt. Eukalyptus, Palmen, Zypressen und Olivenbäume umrahmen den mehr als 100-jährigen Beton. Das ist jetzt 40 Jahre her. Heute bewächst Efeu die Wände, Vögel und Tiere leben darin und haben den Koloss in eine grüne Oase verwandelt.

Noch nicht fertig

Die 150 Jahre alte Fabrik wirkt wie eine skurrile Ruine, ein grobes Schloss und wie ein Setting aus einem Science-Fiction-Film. Ein Gebäude und ein Hausherr, die sich entsprechen. Beide verorten sich irgendwo zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Fertig ist Bofill mit seinem Lebenswerk nach eigenen Aussagen noch lange nicht. Der Kreativität hat es zusätzlich Schub verliehen. Der bekannte Architekt wird im Dezember 80 Jahre alt und beschäftigt über 60 Mitarbeiter. Wie sein Leben sei auch «La Fabrica» ein Projekt, das nicht ende, sagt er.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Gärtner am 18.11.2019 18:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sprachlos

    Noch NIE etwas vergleichbares gesehen, der Mann ist ein Genie....Idee und Umsetzung sucht seinesgleichen.....Bravo

  • allycomments@20min am 18.11.2019 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach wow

    Faszinierend und beeindruckend. Bitte mehr solcher Berichte.

  • Narn am 18.11.2019 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    Schön ... teuer.

    Find ich cool .. würde aber hier ein Vermögen kosten.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Runser Caroline am 19.11.2019 14:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aus der Zementfabrik wurde eine Märchenwelt

    Also das sieht wirklich mega aus . Kompliment an diesen Achitekten . Der versteht sein Handwerk . Wunderschön aussen wie innen .

  • Phil Krill am 19.11.2019 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ... zusätzlich ...

    ... gelungene Idee und Ausführung. Ein Vorher/Nachher-Bild hätte die meisterliche Arbeit zusätzlich noch besser untermalt ...

  • meierisli am 18.11.2019 20:17 Report Diesen Beitrag melden

    grün, grau, weiss

    ja das sind dann mal hohe räume :-D der raum mit den weissen vorhängen ist ja traumhaft schön, das schlafzimmer auch. haben wir hier nicht auch so betonklötze? das kernkraftwerk wo geschlossen wird vielleicht..

  • simon am 18.11.2019 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ein traum!

    wahnsinn- das wäre also die absolute traumstätte für mich, ganz mein geschmack, hätt ich ein paar millionen würd ich mir sowas machen lassen.

  • Tramonto am 18.11.2019 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wunderschön

    Kaum was Schöneres gesehen, das umfunktioniert wurde.